Scientology

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  1. Scientology verklagt Land
  2. Schulungsfirma täuscht ihre Kursteilnehmer
  3. "Schlimm, auf diese Art Adressen zu ergattern"
  4. Scientologen verlassen Ahrensburg
  5. Warnung vor "Gelbem Bus"
  6. Bei Anruf : Sektenpost
  7. Scientologen versuchen sich zu tarnen
  8. Sekte attackiert ihre Kritiker online
  9. "Scientology-Suchthilfe"
  10. Auch Scientology mischt auf dem Nachhilfemarkt mit
  11. Freispruch für China, Deutschland an den Pranger
  12. Warnung vor neuem "Scientology"-Werbetrick
  13. Polizist gab Daten an die Sekte weiter
  14. Diät verspricht Blaues vom Himmel
  15. Sponsor der Handball-Frauen bleibt in der Kritik
  16. Scientology Church ist keine Kirche
  17. Blüm gewinnt gegen Scientology
  18. Konten verweigert

Scientology verklagt Land

Justizministerium soll kritische Aussagen über Sekte widerrufen.- Im Kampf gegen die Scientology-Sekte droht ein juristischer Rückschlag: Die Organisation verlangt vor dem Stuttgarter Verwaltungsgericht, daß das Land Baden-Württemberg bestimmt kritische Aussagen über die Sekte widerruft. Die Äußerungen liegen über zweieinhalb Jahre zurück. Doch kommt der Verfahren grundsätzliche Bedeutung zu: Wie kritisch dürfen Behörden über die Scientology-Sekte denken, ohne sofort auf Widerruf oder Unterlassung verklagt zu werden?

Im Mai 1992 tagten in Hannover die deutschen Justizminister. Eines der Themen: Maßnahmen gegen die Scientology-Sekte. Baden-Württembergs damaliger Justizminister Helmut Ohnewald berichtete seinen Kollegen über die Erfahrungen mit der Sekte um Südwesten. Es sei auffällig, so erklärte er, daß eine gewisse Zahl von Selbstmorden offenbar nach Kontakt mit der Sekte verübt worden seien. Er berief sich dabei auf Berichte von Angehörigen der Selbstmörder. Der Münchner Anwalt Wilhelm Blümel begründete die Klage auf Widerruf am Freitag damit, daß der Zusammenhang zwischen Selbstmord und Scientology-Kontakt in allen Fällen frei erfunden sei. Entsprechende Ermittlungsverfahren seien eingestellt worden.

Für das Justizministerium verteidigte Eberhard Birkert die Äußerung damit, daß zum Zeitpunkt des Ministertreffens die Ermittlungsverfahren noch liefen, also ein Anfangsverdacht bestanden habe. Im übrigen, so Birkert, sei die Äußerung nur für einen kleinen geschlossenen Kreis von Fachleuten bestimmt gewesen und nicht für die Öffentlichkeit. Die Verwaltung habe ihre Pflicht zur Neutralität deshalb nicht verletzt.

Mit dem Argument "Interner Vorgang" rechtfertigte Birkert auch die zweite umstrittene Äußerung. Dabei geht es um eine Scientology-Richtlinie. Sektenanwalt Blümel: Durch ein verkürztes Zitat daraus habe der Justizminister damals den Eindruck erweckt, Mitglieder von Scientology müßten mit dem Leben zahlen, wenn sie die Sekte verlassen wollten. Das Gericht muß nun unter anderem klären, ob das Justizministerium die Grenzen zulässiger Kritik überschritten hat.

Aus: -Sindelfinger Zeitung-03-12-94-

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Schulungsfirma täuscht ihre Kursteilnehmer

Gericht entscheidet: Scientology-nahes Unternehmen muß die Gebühren zurückzahlen. - Etwa 14.000 Mark Gebühren muß die Firma AMK (Akademie für Management und Kommunikation) aus Rauenberg im südlichen Rhein-Neckar-Kreis einem Kursteilnehmer zurückerstatten, weil die Vertreter des Unternehmens den Mann darüber täuschten, daß die Firma mit der umstrittenen Scientology-Sekte in Verbindung steht. Unmittelbar vor der mit Spannung erwarteten Beweisaufnahme vor Gericht, bei der der Anwalt des Klägers die Zugehörigkeit der Firma zur verzweigten Organisation der Sekte nachweisen wollte, machte das Unternehmen einen Rückzieher und erkannte die Forderungen des Kursteilnehmers ohne nähere Begründung an. Damit habe die AMK wohl verhindern wollen, daß sie ihre Zugehörigkeit zu Scientology vom Gericht "schwarz auf weiß" verbrieft bekomme", meint der Anwalt des Klägers, Michael Lehner (Heidelberg), doch nichts anderes als diesen Sachverhalt habe sie mit ihrem Anerkenntnis eingeräumt.

Als "Riesenerfolg" wertete auch der Vorsitzende der Aktion Bildungsinformation (ABI), Eberhard Kleinmann, in Stuttgart das "Rückzugsgefecht" des Unternehmens. Die ABI hatte für den Prozeß entscheidende Unterlagen aus ihrem Dokumentationsarchiv zur Verfügung gestellt. Mit ihnen hätte man auch beweisen können, daß von dem Rauenberger Unternehmen Spenden an die Sekte in die USA geflossen seien, erklärte Kleinmann. Nach seinen Angaben hat mit dem in dieser Woche ergangenen Anerkenntnisurteil zum ersten Mal ein Kursteilnehmer, der gegen seinen Willen bei einem scientologynahen Fortbildungsunternehmen gelandet war, durch Gerichtsentscheid die vollständigen Gebühren zurückbekommen.

Das betroffene Unternehmen wollte zur Frage, warum es die Beweisaufnahme vor dem Heidelberger Landgericht ausfallen ließ und die Forderung des Klägers, die noch kurz zuvor bestritten worden war, in letzter Minute akzeptierte, keine Stellung abgeben. Laut Klage bietet die AMK Kurse und Seminare zur beruflich orientierten Persönlichkeitsbildung, zur Entwicklung von Führungsqualitäten im Betrieb und ähnliches mehr an.

Im vorliegenden Fall hatte der Kläger im Sommer 1992 einen Vertrag über ein zweitägiges Basisseminar "Erfolg durch Kommunikation" zum Preis von 690 Mark und einen zweiten Kurs in zwei Blöcken zum Thema "Kommunikation" und "Selbstmanagement" für 13.500 Mark abgeschlossen. Die Kosten von 14.190 Mark entrichtete er vereinbarungsgemäß im voraus. Dabei, so versicherte sein Anwalt vor Gericht, sei er davon ausgegangen, daß die AMK unabhängig sei und keinerlei Verbindungen zu der Sekte habe - andernfalls hätte er den Vertrag nicht unterzeichnet. Beim ersten Einführungsabend und bei den Kursen hätten verschiedene Teilnehmer und auch noch er selbst mehrfach gefragt, ob solche Verbindungen existierten; dies hätten die Vertreter des Unternehmens immer wieder "entschieden und kategorisch verneint". Besonders das verwendete Kursmaterial, das laut Klage "starke Merkmale der Scientology-Sekte aufwies", erweckte jedoch die Zweifel des Klägers. Als Zeitungsberichte und ehemalige Kursteilnehmer diese noch verstärkten, brach er seine Teilnahme ab und stornierte den letzten von ihm gebuchten Kurs. Sein Anwalt forderte die Rückzahlung aller gezahlten Gebühren wegen arglistiger Täuschung.

Entgegen den Bekundungen der Firmenvertreter bestünden Verbindungen zur Scientology-Sekte und ihren Unterorganisationen "Scientology-Church", "ABLE" und "WISE" (World Institute of Scientology Enterprises), führte er an. Die Beklagte sei Mitglied dieser Organisationen, halte auf eigene Rechnung Kurse der Sekte ab und beziehe von dort ihr Kursmaterial. Die AMK-Geschäftsführer seien außerdem Gründungsmitglieder einer Unterorganisation mit dem Ziel, "Geschäftsleute auf die Brücke" zu bringen.

Zum Beweis dafür, daß die AMK zum Netz der Scientology-Organisationen gehört, beantragte Lehner die Ladung des Vorsitzenden der Aktion Bildungsinformation. Außerdem legte er zahlreiche Unterlagen vor, darunter eine Kopie einer "Ehrenrolle" der Scientology-Church, in der "Beschützer, Gönner, Wohltäter..." der Vereinigung des Sektengründers Ron Hubbard aufgelistet sind. Unter den Förderern und Unterstützern wird die AMK dort als "Erhalter der Technologie" gewürdigt.

Aus: -Stuttgarter Zeitung-17-12-94-

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"Schlimm, auf diese Art Adressen zu ergattern"

Heuchelheim: Gastwirtin fühlt sich hinters Licht geführt. - Inge Steinmüller von der traditionsreichen Heuchelheimer Gastwirtschaft Volkmann-Steinmüller ist verärgert, will andere vor ähnlichen Fällen warnen. Sie findet es "schlimm, wie auf diese Art Adressen und Unterschriften ergattert werden". Zum Hintergrund: Am Mittwochabend hatte eine junge Frau, Inge Steinmüller schätzt sie auf rund 20 Jahre, die Gastwirtschaft in der Gießener Straße betreten, sie wollte, wie es die Heuchelheimerin im Gespräch mit dem Anzeiger schilderte, nur ein paar Handzettel auslegen.

Für Gastwirtin Steinmüller ist dies freilich nichts Neues: "Es kommt immer mal einer vorbei und fragt, ob er ein Plakat aufhängen dürfe für einen Verein. Auch wird das eine oder andere Info-Material hier ab und zu ausgelegt." Also ließ Inge Steinmüller die junge Frau gewähren, erst im nachhinein erkannte sie, um was für eine Sorte Info-Material es sich handelte, nachdem ihr ein Gast, der in der katholischen Kirche mitarbeitet, die Augen geöffnet hatte.

"Entdecken sie ihr wahres geistiges Potential!" heißt es in großen Lettern auf dem Handzettel. Drüber ein Bild des honorigen Wissenschaftlers Albert Einstein. Der Zettel wirbt für ein Buch mit dem Titel "Dianetik". Im Grunde eine scheinbar ganz unverfängliche Geschichte, zumal die junge Frau, die die Zettel ausgelegt hatte, nichts weiter über den Hintergrund des Materials gesagt hatte.

Das Buch "Dianetik - der Leitfaden für den menschlichen Verstand" kann bei einem Dianetik-Informationszentrum bestellt werden. Zugleich kann man Informationen über "Dianetik aus erster Hand" erhalten. Wem der Name des Autors, L.Ron Hubbard, noch nichts sagt, der sollte eine Lupe zur Hand nehmen. Denn in einer zwei Millimeter "großen" Schrift wird auf dem Zettel völlig unauffällig mitgeteilt, daß das Dianetik-Zentrum eine Abteilung der nicht unumstrittenen Scientology-Kirche ist.

Und dies ist der Punkt, wo Inge Steinmüller kein Verständnis aufbringen kann: "Ich hätte es nie auslegen lassen, wenn ich gewußt hätte, um was es sich da wirklich handelt. Jeder soll nach seiner Facon selig werden, aber man sollte doch vorher schon wissen, um was es hier geht", so die entrüstete Heuchelheimerin.

Sie will auch andere davor warnen, auf ähnliche Art und Weise ausgenutzt zu werden.

Aus: -Gießener Anzeiger-17-12-94-

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Scientologen verlassen Ahrensburg

Die in Ahrensburg residierende "Gesellschaft für Managementtraining" (GMT), hinter der die Scientology-Sekte steckt, wird die Schloßstadt verlassen. Sie hat den Mietvertrag über das Büro im Haus an der Großen Straße 19 gekündigt. Offizielle Begründung: Die Räume seien zu klein geworden, weil die GMT expandiere.

Das Abendblatt hatte die GMT-Verbindungen zu Scientology aufgedeckt. Genauso überrascht wie Politiker und Verwaltung war auch die Hausverwaltung, die nach eigenen Angaben bis zu diesem Zeitpunkt nichts von den Verbindungen zu der Sekte ahnte. Die GMT war vor rund einem Jahr in das Gebäude eingezogen.

Die Wählergemeinschaft Ahrensburg für Bürgermitbestimmung will dafür sorgen, daß Scientologen nicht mehr aktiv werden können. Sie will Sektenmitglieder vom Kauf städtischer Grundstücke ausschließen. Für die Stadtverordnetenversammlung am kommenden Montag hat die Fraktion einen entsprechenden Dringlichkeitsantrag eingereicht.

Aus: -Hamburger Abendblatt-14./15.-01-95-

Warnung vor "Gelbem Bus"

Scientology vor neuer Werbe-Kampagne ? - Wenn in nächster Zeit ein auffallender gelber Bus durch Baden-Württemberg tourt, an exponierten Plätzen in Städten und Gemeinden hält und Personen ausspuckt, die Passanten ansprechen und zu Tests und Info-Gesprächen einladen, ist Vorsicht geboten: Das baden-württembergische Kultusministerium hat nach eigenen Angaben aus zuverlässiger Quelle erfahren, "daß Scientology beabsichtigen soll, mit einem Informationsbus in Baden-Württemberg Bürger für ihre Ziele zu gewinnen.

Staatssekretär Rudolf Köberle warnte vor dem Einsatz eines "gelben Busses", wie er beispielsweise in der Hamburger Region unterwegs gewesen sei. Der Informationsbus soll in Gegenden, in denen keine "Missionen" von Scientology betrieben werden, dazu dienen, Passanten anzusprechen, Formulare für sogenannte Persönlichkeitstests unter die Leute zu bringen und andere Scientology-Werbematerialien zu verteilen. Nach Erfahrung der Hamburger Innenbehörde, so Köberle, seien Passanten dazu aufgefordert worden, zur Auswertung der sogenannten "Persönlichkeitstests" in den Bus zu kommen. Laut Information der evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen in Stuttgart seien diese Tests darauf ausgerichtet, in jedem Fall angebliche Mängel in der Persönlichkeitsstruktur der Befragten aufzuzeigen. Mit der Werteordnung der Scientology-Organisation werden den Betroffenen dann ein Mittel angeboten, um diese vorgeblichen Persönlichkeitsmängel zu beheben. Der Einstieg über solche Tests führe in vielen Fällen letztlich zur Abhängigkeit von dieser Organisation.

Staatssekretär Köberle machte deutlich, daß Scientology ein Menschenbild vermittle, das nicht der Werteordnung des Grundgesetzes entspreche. Darüber hinaus erhebe Scientology den Anspruch, Deutschland bis zum Jahr 2.000 zu kontrollieren.

Genehmigungen erforderlich Wann genau und auch wo mit dem Einsatz des "gelben Busses" gerechnet werden muß, verlautete aus dem Kultusministerium nicht. "Schließlich schicken sie uns keinen Fahrplan", so Pressereferent Volker Gehaar auf Anfrage. "Auf jeden Fall aber müssen die zuständigen Behörden - Landratsämter oder Rechtsämter - eine Genehmigung für die Aufstellung des Busses an öffentlichen Plätzen erteilen.

Aus: -Pforzheimer Zeitung-27-01-95-

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Bei Anruf : Sektenpost

Audiotex-Dienste sind für die Betreiber oft eine Goldgrube. In den USA wurden Anrufer besonders dreist geködert - und anschließend mit Werbung von Scientology eingedeckt.

Der Audiotex-Service der US-Firma Future Films aus Dallas lief blendend: Mit einer Anzeigenkampagne warb das Unternehmen unter anderem in der Illustrierten "Variety" für eine 1900 Nummer (vergleichbar mit dem 0190-Dienst der Telekom), unter der die Anrufer ihre Favoriten aus Kino und Fernsehen nennen sollten.

Etliche Kunden gingen den Betreibern auf den Leim: Für eine Gebühr von umgerechnet bis zu 18 Mark nutzten sie den Dienst, der ihnen - so die Werbung - Mitsprache bei der Auswahl künftiger Kinofilme und Darsteller ermöglichen sollte. Den Anrufern wurden Gewinne versprochen und umfangreiche Frageböden zugeschickt.

Firmengründer Darcey Hollingsworth schilderte 1991 dem "Los Angeles Business Journal" sein Geschäftsziel: "Wir werden genau jene Filme produzieren, die das Publikum sehen will." Im Vorfeld der Produktion sollten "umfangreiche Marktstudien den Geschmack des Publikums ermitteln". Der Züricher Geschäftsmann Walter Hegetschweiler, einer der Investoren von Future Films, erinnert sich: "Das ist wirklich super gelaufen. Die haben sehr viel Material gesammelt - Adressen und so."

Aus den geplanten Filmprojekten, mit denen das Unternehmen wohl nur die Aufmerksamkeit der Medien wecken wollte, wurde dann allerdings nichts. Hollingsworth und seine beiden Mitstreiter, Robert Cefail und Ken Lee, hatten keine Erfahrung mit der Filmproduktion.

Mehr Erfolg hatte das Trio indes mit den gesammelten Adressen. Die wertete das Unternehmen womöglich nicht nur für eigene Zwecke aus, sondern gab sie offenbar an Geschäftsfreunde weiter: In den Briefkästen vieler Anrufer landeten kurz nach der Telefonaktion Werbebotschaften der Sekte Scientology.

Für den Audiotex-Experten Olav Strawe, Herausgeber des Fachblattes "Tele Talk" aus Hannover, ein "klarer Fall von Verbrauchertäuschung", denn die beworbene Leistung stimmt nicht mit der tatsächlich erbrachten überein. "Grundsätzlich ist so etwas auch in Deutschland möglich", so Strawe. Die Telekom vergebe die 0190-Nummern freizügig. Das gibt es kaum Kontrollen." Zwar werde geprüft, ob ein Interessent die Gebühren regelmäßig bezahlen kann, doch der Service sei mittlerweile für fast jeden erschwinglich.

Rund 1.500 Mark kostet der Einstieg: Im sogenannten intelligenten Netz genügen vier Anschlüsse, um bundesweit erreichbar zu sein. Monatlich fallen dann noch 500 Mark Betriebskosten pro Leitung an.

Das Prinzip der schnellen Geldbeschaffung ist beliebt: Viele gemeinnützige Organisationen nehmen über Audiotex Spendengelder ein", weiß Strawe. Verbraucherschutz und Wettbewerbswächter werden inzwischen immer aufmerksamer, wie der Fall der deutschen Aids-Hilfe zeigt: Das Landgericht Frankfurt untersagte dem Anbieter Legion und der Zeitung "Teleruf", "die soziale Hilfsbereitschaft der Telefonteilnehmer für kommerzielle Zwecke der beiden beteiligten Firmen auszunutzen".

In Anzeigen hatten Legion und die Zeitung den 0190-Dienst der Aids-Hilfe zum Beispiel mit dem Slogan "Jeder Anrufer ist bereits ein Spender" geworben. Von den anfallenden Telefongebühren (1,15 Mark pro Minute) kamen jedoch nur 30 Prozent beim eigentlichen Adressaten an. 52 Prozent kassierte die Telekom, den Rest strichen die Betreiber ein.

Joachim Caspary, Chef des Münchener Audiotex-Anbieters Maya Travels, schildert eine weitere Gefahrenquelle: "Firmen, die als Unteranbieter ins System kommen, können sich aufgrund des gängigen Gebühren-Sharings leicht bereichern. " Ein simpler Computertrick genüge bereits, um - auf Kosten ahnungsloser Telefonkunden - "Gebühren zu produzieren, die von der Telekom über den Betreiber an den Unteranbieter ausgezahlt werden". Wenn die Sache auffliegt, "fordert die Telekom das Geld vom Betreiber zurück die Betrüger sind dann oft nicht mehr aufzufinden.

Vor dem Mißbrauch von Audiotex-Diensten durch Scientology oder betrügerische Firmen warnt auch Bernd Steinmetz, Jurist bei der Hamburger Arbeitsgruppe Scientology: " Die bewegen sich in vielen Bereichen der Wirtschaft." Es gebe zwar "im Moment keine konkreten Hinweise", daß die Sekte neue Mitglieder per Telefonmarketing gewinnen wolle. Doch im Prinzip sei die clevere Marktforschungsmasche "auch bei uns denkbar".

Hegetschweiler - seit Jahren Mitglied bei Scientology - ist jedenfalls überzeugt: "Die Idee von Future Films hätte eine große Zukunft gehabt. " Die Firma mußte zwar im vergangenen Jahr dicht machen, aber "das war letztlich ein PR-Problem", relativiert der Investor. "Die Verwicklung mit Scientology sei "von der Presse hochgeschaukelt" worden. (Frank Lassak)

Aus: -Werben und Verkaufen-03-02-95-

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Scientologen versuchen sich zu tarnen

neuartige Werbung unter anderen Namen mit irreführenden Versprechungen. - (Von Achim Winkel)

Die äußerst umstrittene Scientology-Organisation kommt nicht aus den negativen Schlagzeilen. Nachdem die Nachfolger des Gründer der Organisation, L. Ron Hubbard, bisher schon durch Werbung auf sich aufmerksam machten, die mehr verschleiert als die gefährlichen Folgen eines Kontaktes mit Scientology offenbart, wird nun anscheinend eine neue Offensive umgesetzt. Darauf deuten neuartige Flugblätter ebenso hin wie ein ungewöhnliches Werbemittel - ein gelber Bus - oder auch die wiederholten Versuche, unter einer anderen Bezeichnung als Scientology oder Dianetik auf die Gefahr von Psychodrogen für Kinder hinzuweisen.

So schreibt etwa die Kommission für Verstöße der Psychiatrie gegen Menschenrechte e.V. (KVPM) in einem zweiseitigen Brief an eine Karlsruher Kinderkrippe, daß man nun einen "erschreckenden Aspekt bezüglich Hyperaktivität offen" darlegen müsse. Es folgen in dem Schreiben - es stammt übrigens vom "Koordinationsbüro Süddeutschland" in der Karlsruher Straße "Am Wetterbach" - neben weiteren Ausführungen auch einige Quellen, auf die sich die Scientologentochterorganisation KVPM beruft. Darunter befindet sich ein Buch mit dem Titel "Die Männer hinter Hitler" aus dem Pi-Verlag. Was die Scientologenfiliale freilich nicht mitteilt: Einer der Herausgeber des Buches ist selbst bei der KVPM, der andere, ein Zahnarzt, sorgte schon vor Jahren in Wetzlar wegen seiner Scientologenmitgliedschaft für erhebliche Unruhe. Vor diesem Hintergrund warnt etwa der stellvertretendetende Leiter der Karlsruher Polizeibehörde, Dieter Behnle, der sich mit der Scientologyproblematik seit Jahren kompetent befaßt, vor jeglicher Kontaktaufnahme mit der KVPM, zu der in dem Schreiben aufgefordert wird.

Nicht anders verhält sich das im Fall der neuartigen Flugblätter, die in jüngster Zeit verstärkt in Briefkästen aufzufinden sind. Auf grünem Grund steht in dicken schwarzen Buchstaben zu lesen: "Die Verunreinigung des Körpers behindert Ihr klares Denkvermögen" oder auch "Ein klarer Kopf fürs Leben!". Darunter ist ein Mensch zu sehen, auf den Pfeile deuten (oder von ihm wegweisen), die Umweltgifte, Pestizide oder auch Medikamente symbolisieren sollen. Versprochen wird unter Berufung auf den Scientologygründer L. Ron Hubbard klares Denken, verbesserte Konzentrationsfähigkeit in Verbindung mit einem "reinen Körper".

Dahinter steckt nichts anderes als der Versuch, das dazugehörige Scientologybuch zu verkaufen und möglicherweise die sogenannten "Reinigungs-Rundowns", Kurse, vor denen Scientologykritiker mit Nachdruck warnen. Dabei müssen sich die Kursteilnehmer stundenlang in einer Sauna aufhalten, nachdem sie zuvor ein Gemisch verschiedener Vitamine und Mineralstoffe einnehmen mußten.

Noch nicht ganz sicher ist, was die Scientologyorganisation mit einem Autobus im Schilde führt, der, in gelber Farbe gestrichen, auf Werbetour gehen soll, wie das Stuttgarter Kultusministerium kürzlich schrieb. Nach diesen Angaben wird das Fahrzeug versuchen, sich überall dort zu Werbezwecken aufzuhalten, wo es keine Scientologyniederlassungen gibt. Allerdings dürfen die Behörden hier einschreiten: Dazu ist eine Sondererlaubnis wegen des geltenden Straßenrechtes nötig, und diese kann nach derzeit geltender Rechtslage guten Gewissens verweigert werden. Den Scientology wurde, auch wenn die Anhänger der Organisation gerne etwas anderes behaupten, keineswegs als Religion anerkannt und schon in mehreren Urteilen und Verwaltungsanweisungen als Wirtschaftsunternehmen mit eindeutiger Gewinnerzielungsabsicht klassifiziert.

Aus: -Badische Neueste Nachrichten-04-02-95-

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Sekte attackiert ihre Kritiker online

Seit Anfang des Jahres bekämpft Scientology ein Meinungsforum im Internet. Die Betroffenen wehren sich nun mit einer Petition. - Mit verschiedenen Methoden habe die Sekte das Forum im Datennetz ausschalten wollen, heißt es von Seiten der Internet-Betreiber. "Die Übergriffe gingen so weit, daß einzelne Beiträge auf bisher unbekannte Weise aus dem Netz gelöscht wurden", berichtet Jeff Jacobsen, einer der Initiatoren der Kritiker-Gruppe. Mitte Januar hätten von der Sekte beauftragte Netzexperten überdies versucht, "das gesamte Forum zu löschen".

Auch ein Münchener Internet-Benutzer klagt über Manipulationen: "Zahlreiche Nachrichten, die ich anonym ins Netz geschickt habe, kamen entweder nicht im Forum an oder wurden verstümmelt."

Für Uwe Kauss, Datennetz-Experte beim Münchener Vogel-Verlag, ist die Zielsetzung der Sekte klar: "Scientology will auf diesem Weg Einfluß in den neuen Medien gewinnen und Kritiker mit Mitteln der Zensur bei der Verbreitung womöglich brisanter Informationen behindern."

"Technisch", so Kauss weiter, sei die von der Organisation angewandte Methode "auf den ersten Blick wahrscheinlich recht aufwendig". Dies verdeutliche aber um so mehr, daß die "kriminelle Energie von Scientology bisher vielfach unterschätzt" würde. Die Sekte habe nicht nur den Meinungsaustausch im Internet unterbinden wollen, sondern laut Auskunft von Betroffenen womöglich auch "auf den Festplatten einzelner Forumsmitglieder online geschnüffelt".

Scientology-Verantwortliche wiesen die Vorwürfe zurück. Mit einer Petition, in der die Sekte aufgefordert wird, die Übergriffe einzustellen, wandten sich die Betreiber des Forums am 7. Februar an die Verantwortlichen bei Scientology. Mehrere Tausend Internet-Nutzer hatten unterzeichnet. fl

Aus: -Werben & Verkaufen-10-02-95-

"Scientology-Suchthilfe"

Vor der Selbsthilfeorganisation "Narconon" hat der Fachverband Freier Einrichtungen der Suchtarbeit (FES) gewarnt. In einer in München veröffentlichten Erklärung heißt es, "Narconon" sei an die "Scientology"-Bewegung angeschlossen. Daher sei "durchaus nicht auszuschließen", daß die Organisation in "Narconon" ein "Rekrutierungsbüro" für Scientology-Jünger" unterhalte.

Die Erfahrung lehre, so der Fachverband weiter, daß Suchttherapie weltanschaulich, religiös, politisch und ideologisch strikt neutral sein müsse, "damit der Süchtige nicht von einer Abhängigkeit in die nächste geführt wird". Hinlänglich bekannt sei, "daß Scientology es mit der Menschenwürde und ganz besonders mit den Persönlichkeitsrechten nicht sonderlich genau nimmt". Gerade die Respektierung dieser Rechte sei aber unabdingbare Basis jeder Suchthilfe. Der FES ist ein Zusammenschluß von 50 deutschen Suchthilfeeinrichtungen sowie der Telefonnotrufe für Suchtgefährdete.

Aus: -Regensburger Bistumsblatt-12-02-95-

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Auch Scientology mischt auf dem Nachhilfemarkt mit

Kommerzielle Anbieter auf dem Vormarsch - Bildungspolitiker sehen die Entwicklung mit Skepsis - Keine Regeln im Schulgesetz. (Eva Dähne)

Schwach in Mathe ? Zeugnissorgen ? Abi '95 ? Alles ganz "easy", so verspricht es jedenfalls die immer offensivere Werbung der kommerziellen Nachhilfeinstitute. Insgesamt 93 dieser freien Unterrichtsanbieter gibt es in Baden-Württemberg. Deren Tun verfolgen manche Politiker allerdings mit äußerster Skepsis.

Norbert Zeller, SPD-Landtagsabgeordneter und Mitglied im Schulausschuß, sprich von einem "großen Dunstfeld außerhalb der Schule". Wie auch Detlef Träbert von der Aktion Humane Schule würde Zeller diese Einrichtungen am liebsten überflüssig machen. Unbegründet ist das Mißtrauen nicht. Kommerzielle Nachhilfeinstitute sind als freie Einrichtungen weder dem baden-württembergischen Schulgesetz noch dem Privatschulgesetz untergeordnet. Sie unterliegen nicht der Schulaufsicht, sondern lediglich dem Gewerberecht. Ein Institut hat sich vor Beginn seiner Tätigkeit folglich nur bei der zuständigen Gemeinde anzumelden.

Nicht allein wegen der fehlenden Kontrolle befürchten SPD-Landtagsabgeordnete, daß hier Sekten ein Betätigungsfeld suchen und finden. Sie richteten daher eine Anfrage ans Stuttgarter Kultusministerium. In der Antwort heißt es: "Es ist davon auszugehen, daß der "Nachhilfemarkt" für Scientology wie auch andere Psychoorganisationen ein Umfeld darstellt, um Einfluß auf junge Menschen zu gewinnen.

Diese Vermutung wird bei der für Verbraucherfragen im Bildungssektor zuständigen Aktion Bildungsinformation (ABI) bestätigt. Nach Auskunft von Werner Kinzinger sind zwei Institute bekannt, die der Scientology-Sekte zuzurechnen sind: "Ziel" und "Applied Scholastics". In einem Abi-Infoblatt über "Applied Scholastics" heißt es, daß die "Tarnorganisation der Scientology-Sekte" durch ihre Lernmethoden - beispielsweise die Umdeutung von Begriffen - einen "Prozeß der Persönlichkeitsmanipulation" vorbereite.

Der Nachhilfemarkt ist äußerst lukrativ: Nach Angaben der Aktion Humane Schule werden jährlich 1,5 Millionen Mark umgesetzt. Marktführer im Bereich kommerzielle Nachhilfe sind die "Schülerhilfe" und der "Studienkreis". Beide wurden Mitte der siebziger Jahre gegründet und haben allein in Baden-Württemberg jeweils etwa 70 Niederlassungen. Bei den Anbietern handelt es sich laut Werner Kinzinger um "ein Drittel weiße, ein Drittel graue und ein Drittel schwarze Schafe". Die Entscheidung der Verbraucher soll ein Abi-Merkblatt "Ratschläge bei Nachhilfe" leichter machen. Gleichzeitig schränkt Kinzinger ein: Eine Aussage, ob ein Institut gut oder schlecht sei, könne die ABI kaum treffen. Dazu wechsle beispielsweise das Lehrpersonal zu häufig.

Da mag es für Eltern tröstlich sein, daß der ABI "gravierende Mißstände" in Baden-Württemberg noch nicht zu Ohren kamen. In einem Kellerloch oder dem Nebenraum einer Gaststätte - so in Bayern geschehen - habe noch kein privater Nachhilfeanbieter seinen Unterricht erteilt.

Aus: -Stuttgarter Nachrichten-15-02-95-

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Freispruch für China, Deutschland an den Pranger

Empörung über einen angeblichen Menschenrechtsexperten der UNO / "In unkritischer Weise zum Werkzeug der Scientologen gemacht". Korrespondentenbericht von Annette Birschel

Abdelfattah Amor ist ein wichtiger Mann. Er schreibt im Namen der Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen in jedem Jahr auf, wie es um die Religionsfreiheit in der Welt bestellt ist. Er soll die Länder öffentlich nennen, in denen Menschen wegen ihres Glaubens verfolgt, mißhandelt oder gar getötet werden. In diesem Jahr wandte sich manch ein westlicher Diplomat nach der Lektüre des Berichts empört ab. Die Kritik richtet sich gegen den tunesischen Autor Amor. Gerhard Baum, deutscher Delegationsleiter bei der in Genf tagenden Menschenrechtskommission, spricht von einem "Skandal".

Der Bericht kommt einer Ehrenerklärung für einige der schlimmsten Regime gleich. In geradezu "unverantwortlicher Weise", so der frühere Innenminister Baum, werde zum Beispiel das Thema China behandelt. Tatsächlich schildert Amor eine fast idyllische Situation für Menschen aller Glaubensrichtungen in China und Tibet. Die Mönche der großen Kloster in Tibet, die nach Aussagen zahlreicher Menschenrechtsorganisationen schlimmen Verfolgungen ausgesetzt sind, erhielten von Peking sogar bald ein offizielles Gehalt, lobt Amor.

Ähnlich erstaunliche Wahrheiten fand der Tunesier auch in anderen Ländern, in denen Religionsfreiheit nach zahlreichen Berichten anderer UN-Experten mit Füßen getreten wird.. Der Regierung von Sri Lanka überließ er 21 Seiten, um die Verfolgung der Tamilen mit einer langen Auflistung von Terrorakten der tamilischen Tiger zu rechtfertigen. Die Geste kommt die UNO teuer zu stehen. Denn pro Seite eines Dokuments werden fpr Schreiben, Übersetzen in sechs Sprachen, Drucken und Verteilen 5.000 Dollar angesetzt.

Zu den 50 Ländern, die der Tunesier in diesem Jahr an seinen Pranger stellt, gehört überraschenderweise auch Deutschland. Volle drei Seiten, mehr als für den Sudan oder Birma, widmet der Sonderberichterstatter der angeblichen "religiösen Intoleranz" in Deutschland. Er listet auf, daß SPD und CDU eine Mitgliedschaft bei Scientology mit der Parteizugehörigkeit für unvereinbar halten. Die Quelle der Anschuldigungen nennt er nicht. Offensichtlich aber druckt der UN-Sonderberichterstatter die Propaganda der "Scientology"-Organisation ab. Anhänger der umstrittenen Sekte gehen auch damit bereits hausieren, daß die UNO Deutschland ihretwegen anprangere. Aufgebracht erklärt Baum : " Amor macht sich in unkritischer Weise zum Werkzeug der Scientologen."

Aus: Allgemeine Zeitung/Mainz-16-02-95-

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Warnung vor neuem "Scientology"-Werbetrick

"Neue Variante zur Geldbeschaffung": Gezielt werden junge Ehepaare angesprochen. - Die umstrittene Scientology-Organisation hat nach Darstellung des baden-württembergischen Kultusministeriums junge Ehepaare als neue Zielgruppe entdeckt. In einer Mitteilung warnte der Staatssekretär im Kultusministerium, Rudolf Köberle, vor den Werbetricks der Organisation, die unter dem Deckmantel "Kirche" auftrete. Es gelte, die Tricks zu durchschauen und nicht unversehens in ein ausgeklügeltes Kurssystem zu geraten, in dem von "Scientology" gnadenlos abkassiert werde. In der "neuen Variante zur Geldbeschaffung" wende sich ein "Eheberater" der Scientology-Organisation an frisch vermählte Paare und gratuliere zur Hochzeit, sagte Köberle. Zugleich biete sich "Scientology" als Beistand bei einem Streit mit dem Ehepartner an. In "scientology-üblicher Weise" werde jedoch Druck ausgeübt. Zugleich biete "Scientology" eine Propagandaschrift zum Kauf an und gebe Hinweise auf weitere Schriften, die alle auf der "Technologie des Scientology-Gründers L.Ron Hubbard gründeten. Nach Köberle ist mit dem Beginn eines Kontaktes mit "Scientology" häufig die Gefahr verbunden, in den Sog von weiteren, zum Teil sehr teuren Angeboten zu geraten. Aus: -Pforzheimer Zeitung-25-02-95-

Polizist gab Daten an die Sekte weiter

Ein Berliner Polizist hat Bewerber für den Polizeidienst einen Persönlichkeitstest der Scientology-Sekte ausfüllen lassen und die Daten dann an die Sekte weitergegeben. Berlins Justizsprecher Frank Thiel sagte, gestern, gegen den Man habe ein Amtsgericht bereits einen Strafbefehl über 16.000 Mark wegen Verstoßes gegen das Datenschutzgesetz erlassen. Der Beschuldigte habe Einspruch eingelegt. Der Beamte wurde inzwischen vom Dienst suspendiert. Gegen ihn läuft ein Disziplinarverfahren.

Den Ermittlungen zufolge legte der Polizist den Fragebogen der Sekte vier Bewerbern für die Polizeitechnische Untersuchungsanstalt vor. Die Bewerber glaubten, daß sie die Fragen regulär ausfüllen müßten. Die Antworten zum Beispiel über persönliche Ängste der Bewerber gab der Polizist an die Sekte, wo die Angaben von einem Computerprogramm analysiert wurden.

Aus: - Märkische Allgemeine-08-02-95-

Scientology Church ist keine Kirche

Die Scientology Church ist nach einem Urteil des Bundesarbeitsgerichts rechtlich keine Kirche, sondern ein Wirtschaftsunternehmen. Das Auftreten als Glaubensgemeinschaft sei nur ein Vorwand für das Verfolgen wirtschaftlicher Interessen, so die Richter. Es reiche nicht aus, sich selbst zur Religionsgemeinschaft zu erklären. Vielmehr müßten geistiger Inhalt und äußeres Erscheinungsbild dem einer solchen Gemeinschaft entsprechen. Das sei bei der Scientology Church nicht der Fall.

Aus: -Westfalen-Blatt-23-03-95-

Blüm gewinnt gegen Scientology

Bundesarbeitsminister Norbert Blüm (CDU) darf die Scientology Kirche weiter als "verbrecherische Geldwäscheorganisation" bezeichnen. Dies hat das Verwaltungsgericht Köln entschieden. Das Gericht wies in einem Eilbeschluß einen Antrag der Scientology-Kirche zurück, mit dem Blüm untersagt werden sollte, diese und ähnliche Äußerungen zu wiederholen. Der Minister hatte die Organisation auch als "menschenverachtentendes Kartell der Unterdrückung" bezeichnet. (AZ.: 10 L 1942/94)

Aus: -Westfalen-Blatt-29-03-95-

Konten verweigert

Die Hamburger Vereins- und Westbank macht Front gegen die Scientology-Sekte. Seit einem Jahr, so bestätigte vergangene Woche die Bank, läßt sie Kredite an Firmen von bekannten Scientologen auslaufen; auch neue Konten würden nicht mehr eröffnet, denn die Banker wollen diese Kunden loswerden. Unter Bankjuristen ist die Methode umstritten. Es sei rechtlich ungeklärt, ob ein Kunde abgelehnt werden dürfe, weil er einer bestimmten Organisation angehöre, sagt der Kölner Bankrechtsexperte Norbert Horn. Grundsätzlich aber könne jede Bank entscheiden, mit wem sie Geschäfte machen wolle. Das Bundesarbeitsgericht entschied vergangene Woche, die Sekte sei ein gewöhnliches Unternehmen und keine Kirche. Firmen, die mit Scientology verbunden seien, sagt Ursula Caberta, Scientology-Beauftragte des Hamburger Senats, hätten allerdings "vorrangig das finanzielle Wohl der Sekte im Auge". Diese Einstellung lasse die Unternehmen unwirtschaftlich handeln, "notfalls bis zum Konkurs". Banker beobachteten deshalb, ob größere Summen aus Sekten-Firmen zugunsten des Scientology-Konzerns abgezogen würden. Diese Prüfung müsse sich eine "aggressive Organisation wie Scientology" gefallen lassen, so Caberta, "auch wenn's weh tut".

Aus: -Der Spiegel-Nr.13-27-03-95-

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