Universelles Leben

zurück zum Inhaltsverzeichnis

  1. Steht UL vor der Spaltung ?
  2. Auch plakative Kritik ist erlaubt
  3. Starke Nerven gegen "Universelles Leben"

Steht UL vor der Spaltung ?

Viele Sekten-Mitglieder wollen mehr Selbstbestimmung. - Die weltweit aktive Sekte "Universelles Leben" (UL) steht möglicherweise vor einer Spaltung, nachdem Sektenführerin Gabriele Wittek (61) ein Teil ihrer Verantwortung entzogen wurde. In der neuesten Ausgabe der UL-Zeitschrift "Christusstaat" erklären 432 Angehörige der UL-"Bundgemeinde", bisher von der Prophetin wahrgenommene Verantwortung künftig selbst zu übernehmen.

Die Bundgemeinde, Zentralorganisation der Sekte, mit etwa 40.000 Anhängern im deutschsprachigen Raum, hat nach eigenen Angaben derzeit rund 780 Mitglieder. Sie leben nach einer straffen Gemeindeordnung vorwiegend in Wohngemeinschaften und arbeiten in Betrieben, die weitgehend vom Management der Sekte kontrolliert werden.

Offen war am Sonntag die Position der rund 350 Anhänger Witteks, deren faksimilierte Unterschriften unter der Mitteilung im "Christusstaat" fehlen. Die "Posaune des Herrn" trat am Sonntag wie gewohnt mit den sie umgebenden "Garanten" zu Unterweisungen in der Würzburger Sektenzentrale am Hauptbahnhof auf.

Bereits im Mai vergangenen Jahres war im "Christusstaat" erklärt worden, daß Wittek "als Lehrprophetin des Inneren Weges und als Botschafterin Gottes" ihr Werk vollbracht habe. Die neueste Ausgabe enthält auch einen Leserbrief, in dem namentlich nicht genannte Anhänger ihrer "in großer Dankbarkeit gedenken". An anderer Stelle wird betont, daß sie ihrem Werk weiterhin beratend zur Seite stehen werde.

Die Stimme ihres Herrn

Gabriele Witteks Aufstieg zur "Prophetin" begann vor 20 Jahren. Am 6. Januar erlebte sie eigenen Veröffentlichungen zufolge nach schweren "Seelenkämpfen" den "Durchbruch des Inneren Wortes". Fünf Tage später will sie erstmals die Stimme Jesu Christi vernommen haben, doch auch andere Wesen meldeten sich bei ihr, ein "Geistbruder Emanuel" etwa und ein "Schutzgeist Hierlya" sowie ein "Bruder aus dem All" namens "Mairadi", Bewohner des Planeten "Maiami-Chulli".

Die etwa 3.000 "Urchristen", die sich als Folge sogenannter Christusoffenbarungen der "Prophetin" in Würzburg und Umgebung niedergelassen haben, unterhalten neben zwei Kliniken, einer staatlich geförderten Grund- und Hauptschule, einem Kindergarten und einer Sozialstation mindestens 80 Unternehmen verschiedenster Branchen, deren Geschäftsführer und Beteiligungsverhältnisse auf schwer nachvollziehbare Weise ständig wechseln.

Aus: -Meininger Tageblatt-23-01-95-

zurück zum Inhaltsverzeichnis

Auch plakative Kritik ist erlaubt

Auch plakative Kritik ist erlaubt

Richter weisen Antrag gegen staatliche Broschüre zurück. - die umstrittene Glaubensgemeinschaft "Heimholungswerk Jesu Christi / Universelles Leben hat vor dem Verwaltungsgericht München ein Eilverfahren gegen den Freistaat verloren: Sie wollte der Landeszentrale für Politische Bildungsarbeit per einstweiliger Verfügung verbieten lassen, eine Broschüre über neureligiöse Bewegungen an bayerischen Schulen zu verteilen.

Bereits verschickte Hefte sollten sogar zurückgerufen werden. Die durch den früheren Münchener Rechtsanwalt Christian Sailer vertretene Glaubensgemeinschaft glaubt sich durch die Schrift verunglimpft: Die Darstellung in der Broschüre suggeriere dem Leser das Bild einer besonders üblen Gruppierung.

Die Richter der 3. Kammer meinten jedoch, dem Freistaat stehe das Recht zu, in der Öffentlichkeit diskutierte Probleme aufzugreifen und hierzu seinerseits öffentlich Stellung zu nehmen. Die Informationsschrift sei deshalb von der Glaubensgemeinschaft hinzunehmen. Auch wenn die Mitglieder von "Universelles Leben" (UL) meinten, ihrer Glaubensgemeinschaft würden zu Unrecht "totalitäre" Züge und Ansprüche angelastet, so handle es sich doch um eine zulässige Schlußfolgerung, die auf einer Interpretation der vom "Universellen Leben" selbst herausgegebenen Schriften beruhe. Aus wesentlichen Passagen gehe hervor, daß im UL eine geistige und psychische Abhängigkeit das Ziel sei. "Hieraus das Werturteil 'totalitär' zu ziehen, überschreitet nicht die Grenzen des Neutralitätsgebotes.

Bei der Darstellung , daß UL nicht unerhebliche finanzielle Leistungen von ihren Mitgliedern verlange - auch von "Hungerlohn" ist die Rede - handle es sich um eine weitverbreitete Kritik, die von einer Aussteigerin bestätigt und von Gerichten als sachgerecht angesehen werde. Ebenso die Bezeichnung "Manchester Kapitalismus im religiösen Gewand" ist nach Ansicht der Verwaltungsrichter "angesichts der ausführlichen Darstellung und des zitierten Materials legitim".

Da die Broschüre eine Vielzahl von Beiträgen enthält, wäre es nach Meinung des Gerichts unverhältnismäßig, bereits in einem Eilverfahren eine endgültige Entscheidung zu treffen. Sollte UL im Hauptsacheprozeß Erfolg haben, könne sie immer noch eine Gegendarstellung oder einen Widerruf verlangen. "Auch Glaubensgemeinschaften ist es daher zuzumuten, kritische Aussagen, auch soweit sie scharfe, plakative oder überspitzte Formulierungen enthalten, jedenfalls vorläufig hinzunehmen."

Peter Stoeckle, Leiter der Landesanwaltschaft München, äußerte sich gestern "erleichtert, daß dem Freistaat das grundsätzliche Recht bestätigt wird, entsprechende Aufklärungsschriften herauszugeben." Ihm werde jetzt attestiert, "daß das betreffende Kapitel nicht gegen die Pflicht zur Zurückhaltung und Sachlichkeit bei der Darstellung von Lehre und Verhaltensweisen der Glaubensgemeinschaften verstoße".

Aus: - Süddeutsche Zeitung-04/05-02-95-

zurück zum Inhaltsverzeichnis

Starke Nerven gegen "Universelles Leben"

Die Kritiker der Gruppierung werden mit Drohungen und Prozessen überzogen. - Autoverfolgungsjagden, Anzeigen, Telefonterror: Wer das von den Kirchen als "pseudoreligiöse Vereinigung" eingeschätzte "Universelles Leben" (UL) öffentlich kritisiert, braucht starke Nerven. - und Geld für einen guten Anwalt. "Mit allen Mitteln sollen Kritiker mundtot gemacht werden", glaubt Hans-Walter Jungen, Gründer einer Bürgerinitiative in Hettstadt bei Würzburg, wo besonders viele UL-Anhänger wohnen. "Ich habe beim Landgericht Würzburg schon eine Stechkarte", schmunzelt er nach etlichen gewonnenen Prozessen. Einschüchterungsversuche scheinen den Ingenieur nicht zu treffen. Eine fünfstellige Summe hat er schon in seinem Kampf gegen die Ausbreitung des "Universellen Lebens" investiert.

Jungen und andere Kritiker halten die sich selbst als "urchristliche Glaubensgemeinschaft" bezeichnete Gruppierung für eine "totalitäre Organisation". Den Teilrückzug der UL-Anhänger aus Hettstadt, wo die "Urchristen" in Endzeitstimmung ihr "Neues Jerusalem" errichten wollten, sieht der Katholik auch als Erfolg seiner 50köpfigen Bürgerinitiative. Selbst von anonymen Drohanrufen ließ sich der hartnäckige Kritiker nicht lähmen: "Es vergeht kein Tag, an dem ich mich nicht mit dem UL beschäftige." Längst geht es ihm nicht mehr nur um seinen Wohnort. Die ganze Region sei von der Gruppierung bedroht, warnt der Ingenieur.

Marktheidenfeld etwa steht inzwischen "unter der Knute der Sekte", wie es Thomas Müller, ein anderer Kritiker, formuliert. Im Gegensatz zu Hettstadt, wo sie in der Gemeinde "wie die Löwen gekämpft haben", habe er im Marktheidenfelder Rathaus "noch nie ein kritisches Wort" zum UL gehört. Alle Anträge der Gruppierung seien bisher "reibungslos" durchgegangen. Der gebürtige Michelriether mußte zusehen, "wie die in fünf Jahren ein funktionierendes Gemeinwesen umgekrempelt" haben. Von den rund 550 Einwohnern Michelrieths, so schätzt Müller, gehört inzwischen jeder zweite zum "Universellen Leben", die meisten stammten von auswärts. Mit den Neuzugezogenen sei das Gespräch im Dorf gestorben. Statt dessen habe sich hinter einer Mauer aus Angst und Schweigen ein Klima des Neides und der Anfeindungen breit gemacht.

Bürgerprotest sei durch die Macht des Geldes ausgehebelt worden. Praktisch "über Nacht" habe das UL der Leiterin der Bürgerinitiative, so schätzt Müller, den doppelten Verkehrswert ihres Hauses angeboten - eine unwiderstehliche Offerte und das Ende der Bürgerinitiative. Es funktioniert, ganz einfach: Die einen machen Geschäfte mit dem UL, die sie sich nicht durch Kritik verderben wollen, anderen sind ebenfalls die Hände gebunden, weil ihre Arbeitsplätze sonst in Gefahr sind.. Wieder andere schließlich halten still aus Furcht vor Repressalien, die allen drohen, die den Mund aufmachen, wie Thomas Müller. Der stand jahrelang allein auf weiter Flur mit seiner Kritik am "Universellen Leben". Fast hätten sie ihn ruiniert.

Im Dezember 1992 trat Müller zum ersten Mal öffentlich gegen das "Universelle Leben" auf. Er sammelte Unterschriften gegen weitere Baupläne des UL in Michelrieth und übergab sie dem Bürgermeister von Marktheidenfeld. Nach einem "äußerst frostigen Gespräch" hinterließ er seine Visitenkarte im Rathaus mit seltsamen Folgen. "Eine halbe Stunde später begann der Telefonterror." ( KNA )

Aus: -Badische Neueste Nachrichten -09-03-95-

zurück zum Inhaltsverzeichnis