"Unheimliche" Karriere-Kurse ?

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"Landmark Education" in Münster aktiv. Der Hörsaal S1 im münsterschen Schloß ist am Mittwochabend hell erleuchtet. Um halb acht findet hier ein Informationsabend statt. Es geht um das Seminar "Vom Diplom zum Beruf". Etwa 40 bis 50 Interessierte haben sich eingefunden, um den Worten von Seminarleiter John Carl Webb zu lauschen. Es geht um Bewerbungstraining. Er mache hier nichts besonderes, sagt Webb. Das Seminar sei ein "08/15 Karriere-Planungs-Kurs", in Amerika an jedem Gymnasium zu finden.

Das von ihm benutzte Verfahren heiße "Life-work-planing", erklärt der seit 20 Jahren in Münster lebende Amerikaner. Es gehe zurück auf Richard Nelson Bolles, er habe es mit Hilfe einiger Erweiterungen "etwas schmackhafter" gemacht. Das neuntägige Seminar wird vom Verein zur Förderung der wissenschaftlichen Weiterbildung in Zusammenarbeit mit der Universität veranstaltet. "Es bringt eine Berufssituation mit sich, mit der man sich total identifizieren kann", so Webb.

Kurse in der Art des Uni-Seminars gibt Webb auch für die Volkshochschule und das Arbeitsamt. Letzteres fühlt sich nicht mehr sehr wohl mit dem Mann aus Chicago. Der Verdacht, Webb arbeite für die Scientologen, sei öfter geäußert worden, so ein Mitarbeiter. Bisher habe man ihm jedoch nichts nachweisen können. Auch dem Generalvikariat blieben die Aktionen des 43jährigen nicht verborgen. "Wir haben uns schon verschiedentlich mit ihm beschäftigt", so Heinz Wansing, Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Sekten und Weltanschauungsfragen. "Ich habe das Gefühl, da steckt eine unheimliche Sache dahinter."

Szenenwechsel: Wieder ein Informationsabend, diesmal in der Grundschule in Berg Fidel. Webb ist Initiator der Veranstaltung, er informiert zusammen mit zwei Kollegen über die "Landmark Education GmbH". Vor etwa 70 bis 80 Leuten, schätzt eine Teilnehmerin später. Die Veranstaltung sei nicht öffentlich gewesen, "es handelte sich größtenteils um geladene Leute."

Die "Landmark Education" ist den Sektenbeauftragten nicht fremd. Pfarrer Joachim Keden, Beauftragter für Sekten und Weltanschauungsfragen der Evangelischen Kirche im Rheinland, schätzt sie als "dubiose Einrichtung" ein. Die Teilnehmer der Landmark-Kurse würden "psychisch und physisch sehr belastet", so Eberhard Kleinmann, Vorstandsvorsitzender der Verbraucherschutzorganisation "Aktion Bildungsinformation". Er rechnet sie zum Dunstkreis der Scientologen, ebenso wie diese stehe auch "Landmark" auf der Sekten-Liste.

Das Firmenregister in München führt als Hauptgesellschafter der "Landmark Education" Werner Erhard an. Erhard ist Anhänger der Scientology-Sekte gewesen, wie aus einer Materialsammlung der "Aktion für geistige und psychische Freiheit" hervorgeht. Er spaltete sich jedoch von der Sekte ab und gründete unter dem Namen "Erhard Seminar Training" ("est") eine eigene Organisation. Die rüden Praktiken in den "est" - Seminaren seien in Verruf geraten, berichtet Keden. Daraufhin entstanden aus "est" verschiedene andere Organisationen, unter dem Namen Landmark.

Webb hat gegen die Landmarker nichts einzuwenden, ganz im Gegenteil. Er arbeite nicht für die GmbH, veranstalte jedoch Informationsabende, da "sie sehr gute Kurse machen". Er habe dort viel gelernt, von dem auch seine eigenen Trainingskurse profitiert hätten, sagt er auf Anfrage.

Aus: -Westfälische Nachrichten-03-02-95-

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