Scientology

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  1. Klausel gegen Scientology
  2. Boykott gegen Lehrerin
  3. Verbrecherisch
  4. Scientologin muß Schule verlassen
  5. Der Kommentar: Gewonnen
  6. Codename Schneewittchen
  7. Reich des Bösen
  8. Beobachten lassen
  9. Die Sekten-Connection
  10. Scientology- Einfluß auf Kruzifix-Klage ?
  11. Scientology-Literatur
  12. Die Tiger machen sich fit
  13. CDU fordert Scientology-Verbot
  14. Scientology-Gefahr

Klausel gegen Scientology

Senatsinnenverwaltung will Einflußnahme verhindern. - Die Berliner Senatsinnenverwaltung will eine Einflußnahme der sogenannten Scientology-Church auf die Verwaltung verhindern.

Mit sofortiger Wirkung wurde deshalb in alle Verträge mit Wirtschaftsberatungsunternehmen und ähnlichen Firmen eine Schutzklausel aufgenommen, hieß es gestern. Danach kann ein Vertragsverhältnis sofort angefochten beziehungsweise gekündigt und Schadenersatz verlangt werden, wenn der Geschäftspartner mit der Sekte in Verbindung stehen sollte.

Wer es ernst meint mit der Gegnerschaft zu Scientology, der dürfe es nicht bei Deklarationen belassen, betonte gestern Innen-Staatssekretär Eike Lancelle. Durch diese Klausel würden Scientology-Bewerber abgeschreckt. Das Land schütze sich davor, "Steuermittel in diese dunklen Kanäle fließen zu lassen". Er verwies darauf, daß vor einer Auftragsvergabe "selbstverständlich" auch die einschlägigen Auflistungen der zuständigen Behörden und anderer Stellen über enttarnte Scientology-Unternehmen ausgewertet würden. ADN Aus: -Berliner Zeitung-30-08-95-

Boykott gegen Lehrerin

Wegen ihrer Mitgliedschaft in der umstrittenen Scientology-Sekte wird in Hemmingen bei Hannover eine Lehrerin boykottiert. Diese Woche werde kein Kind der Grundschule den Unterricht der 56jährigen besuchen, so ein Elternsprecher. Kultusminister Rolf Wernstedt (SPD) sagte, die Lehrerin sei nach Elternprotesten seit 1985 fünfmal versetzt worden. Fehlverhalten sei ihr nicht nachzuweisen. Bis zum Wochenende werde eine Lösung gefunden. Aus: -Westfalen-Blatt-05-09-95-

Verbrecherisch

Bundesarbeitsminister Norbert Blüm (CDU) hat die Beobachtung der Scientology-Sekte durch den Verfassungsschutz gefordert. Sie sei eindeutig verfassungsfeindlich und eine Gefahr für den Rechtsstaat, erklärte Blüm bei einer Demonstration in Stuttgart. Er bezeichnete Scientology als verbrecherische Geldwäscheorganisation. Scientology verspricht ihren Mitgliedern Bewußtseinserweiterung durch das Praktizieren der Scientology-Lehre. Aus: -Westfalen-Blatt-09.10.95-

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Scientologin muß Schule verlassen

Kultusminister reagiert auf Proteste gegen Hemminger Lehrerin. - Die Lehrerin und Scientology-Anhängerin Helga H. soll nicht mehr an die Grundschule Hemmingen zurückkehren. Das hat Kultusminister Rolf Wernstedt gestern nach einem Gespräch mit Elternvertretern mitgeteilt. Ob die Lehrerin aus dem Schuldienst entlassen oder an eine andere Schule versetzt wird, sein noch nicht klar, sagte Ministeriumssprecher Heinz-Gunter Morell: "Denkbar ist alles."

Mit der "Quasi-Beurlaubung" habe das Ministerium wieder Ruhe und Frieden an der Schule herstellen wollen, betonte Morell. Bevor weitere Schritte entschieden würden, müssen Helga H. erst vor der Bezirksregierung angehört werden. Das habe bislang noch nicht geschehen können, weil die Lehrerin krank gemeldet ist. Die Behörde müsse auch prüfen, welche Vorwürfe juristisch haltbar sind.

Wie berichtet, hatten Eltern der Grundschule Hemmingen mit Protestaktionen, einer Unterschriftensammlung und einem Unterrichtsboykott die sofortige Entlassung der Lehrerin gefordert. Die 55jährige, die seit 17 Jahren Mitglied bei den Scientologen ist, hatte nach mehrfachen Versetzungen im August eine Stelle an der Grundschule angetreten. In der Vergangenheit war sie nicht nur durch fragwürdige Unterrichtsmethoden aufgefallen, sondern hatte auch Bücher der Scientologen an Eltern verkauft und Werbematerial der Psycho-Organisation verschenkt - unter anderem an eine Schülerin.

Die Elternratsvorsitzende Christiane Schnehage-Nasner zeigte sich ausgesprochen zufrieden mit der Entscheidung des Kultusministers: "Herr Wernstedt hat Wort gehalten, wir sind ihm sehr dankbar." Nun sei der Schulfrieden wieder hergestellt. Die Eltern hoffen darauf, zum 1. Februar eine Ersatzlehrkraft zu bekommen. Um den Unterrichtsausfall aufzufangen, soll möglicherweise eine Elterninitiative gegründet werden, die Förderunterricht organisiert. "Was weiter mit der Lehrerin passiert, soll nicht unsere Sorge sein", sagte die Elternratsvorsitzende. Helga H. selbst war gestern nicht zu einer Stellungnahme bereit. Dafür forderten die Scientologen Kultusminister Wernstedt auf, "die menschenverachtende Entscheidung zurückzunehmen". "Andernfalls werden wir geeignete Maßnahmen bei der UN-Menschenrechtskommission und der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa in die Wege leiten", sagte eine Sprecherin. ac/chb Aus: -Hannoversche Allgemeine-09-09-95-

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Der Kommentar: Gewonnen

Der Widerstand hat gefruchtet, die Eltern haben gewonnen. Kultusminister Rolf Wernstedt hat sich ihrem Willen gebeugt und der umstrittenen Lehrerin die weitere Arbeit an der Grundschule Hemmingen untersagt. Das ist gut so. Denn der Weg zurück zu einem vertrauensvollen Miteinander von Schülern, Eltern und Pädagogin ist unwiderruflich verbaut.

Bei weiteren Schritten tut sich das Ministerium zu Recht schwer. Das Beamtenrecht ließe ein sofortiges Amtsverbot zu. Aber das will gut begründet sein. In der Vergangenheit hat es solche Fälle nur bei schwerwiegenden Vergehen, wie zum Beispiel sexuellen Übergriffen, gegeben. Eine Pädagogin, die aus dem Schuldienst entlassen wird, weil sie nachgewiesen Scientology-Lehren an ihre Schüler weitergegeben hat, wäre ein Präzedenzfall. Nicht nur deshalb steht viel auf dem Spiel. Sollte die Pädagogin mit Hilfe des angekündigten rechtlichen Beistands der Scientologen vor Gericht einen Sieg erringen, hätte die PsychoOrganisation einen Freibrief, ihre verblendete Ideologie in die Schulen zu tragen. Christa Beckmann Aus: -Hannoversche Allgemeine-09-09-95-

Codename Schneewittchen

Die Scientology-Sekte kämpft um den Standort Deutschland. Mit seinem bisher aufwendigsten Werbefeldzug diffamiert der Psychokonzern seine Gegner. Ein Aussteiger enthüllt, warum: Schon Sektengründer L.Ron Hubbard hatte Deutschland zum Feind Nummer eins erklärt, er fürchtete, deutsche Psychiater wollten ihn ermorden.

Das bunte Heftchen mit dem Monster auf dem Titel tauchte ganz plötzlich im Bonner Regierungsviertel auf. Am Parlamentsgebäude, vor Ministerien und an Bushaltestellen entlang der Bannmeile hatten Helfer des Psycho-Konzerns "Scientology-Church" die Postille gleich stapelweise ausgelegt. Die Botschaft des Pamphlets: Deutschland stehe vor dem Abgrund.

Eine Phalanx von Politikern, Kirchenführern, Alt- und Neonazis, so die wirre Nachricht, habe sich mit Deutschlands Psychiatern verbündet, um Scientology den Garaus zu machen. Die Sekten, die "die gut getarnten dunklen Flecken auf der weißen Weste der deutschen Psychiatrie wieder zum Vorschein" bringe, werde den Seelenklemptnern und ihren Handlangern in der Politik lästig. Scientologen seien die Juden der Neunziger, würden verfolgt und vernichtet.

Mit dem Stuß, gesammelt auf 52 Seiten, wurden nicht nur die Bonner bedacht. Bundesweit verteilte die Sekte nach eigenen Angaben eine Million Gratisheftchen mit dem Titel Freiheit.

Der bislang größte Werbefeldzug von Scientology in Deutschland gilt Experten als Beleg dafür, daß der Sekte in der Bundesrepublik allmählich die Luft ausgeht. "Die stehen mächtig unter Druck", sagt Ursula Caberta, Scientology-Beauftragte des Hamburger Senats.

Blanke Nerven zeigt die Sekte besonders gegenüber Aussteigern und kritischen Journalisten. So erhielt die Ehefrau eines Scientology-kritischen Redakteurs der Hamburger Morgenpost Besuch von einem Detektiv. Er habe, so die Auskunft, Informationen über das Liebesleben ihres Gatten. Als seinen Auftraggeber nannte der Mann ein Anwaltsbüro von Scientology. Die Sekte bestreitet dies, behauptet aber trotzdem, der Journalist betrüge seine Frau, um an Infos über Scientology zu gelangen.

Auch der SPIEGEL wird von Scientology attackiert, seit er Kontakt zu dem amerikanischen Journalisten Robert Vaughn Young, 56, aufgenommen hat. Young hat der Sekte mehr als 20 Jahre lang auf wichtigem Posten gedient. Rund 15 Jahre lang gehörte er dem Sekteneigenen Geheimdienst an, der Mitglieder und Gegner der Organisation überwacht und jegliche Außenkontakte der Sekte kontrolliert. 1989 stieg Young aus.

"Young lügt" - mit dieser Mitteilung bombardierten Sektenanwälte im Dutzend die SPIEGEL-Redaktion. Egal, ob Youngs Darstellungen "wahr oder unwahr" seien, so die Scientology-Juristen, der Mann verstoße gegen Schweige-Gelübde, die er einst als Mitglied unterschrieben habe.

Der SPIEGEL, so die Drohung, werde für jede Veröffentlichung von Youngs Insider-Wissen büßen müssen. Der Vizechef des Scientology-Geheimdienstes, Kurt Weiland, ein alter Bekannter Youngs, bemühte sich persönlich von Los Angeles nach Hamburg, um in der Redaktion Stimmung gegen seinen Ex-Kollegen zu machen. Auch vor Youngs Wohnhaus in Seattle demonstrierten Sektenanhänger gegen die Enthüllungen des Aussteigers.

Die Furcht der Sekten-Anhänger ist begründet: Was der Aussteiger über die Kampagne gegen Deutschland erzählt, könnte Sycientology in der Bundesrepublik endgültig die Anerkennung als religiöser Verein kosten.

Die Führung von Scientology, so Young, versuche seit Jahren, die Bundesrepublik mit Hilfe von Firmen und Tarnorganisationen zu unterwandern und Deutschland international in Mißkredit zu bringen - mit einer Geheimaktion unter dem Codenamen "Schneewittchen".

Die antideutsche Kampagne habe der Scientology-Gründer L.Ron Hubbard selbst inszeniert. Hubbard habe unter dem Wahn gelitten, daß Psychiater und Psychologen ihn umbringen wollten. Als Zentrum der Verschwörung machte er deutsche Wissenschaftler aus, die auch Hitler an die Macht gebracht hätten und noch immer aktiv seien.

Deutschen Politikern ist Scientology seit längerem nicht geheuer. Im Mai haben die Innenminister der Länder beschlossen, Erkenntnisse über die Sekte durch Verfassungsschutz und Polizei auszuwerten und ein Verbot der Organisation zu prüfen.

Auch die Wirtschaft geht auf Distanz. Immer mehr Banken weigern sich, Geschäfte mit Scientologen zu machen. Seit Monaten kämpfen zudem Maklerverbände und Mietervereine gegen Scientologynahe Immobilienhändler und deren dubiose Geschäftspraktiken. "Die werden ihre Wohnungen kaum noch los", berichtet eine Insiderin.

Um den Niedergang des deutschen Zweiges vor der Sektenführung in den USA zu kaschieren, habe die inzwischen abberufene Leiterin der Hamburger Scientology-Filiale, Wiebke Hansen, 50, sogar die Bilanzen über Einnahmen und Beitritte geschönt, berichten Insider der Organisation. Als der Betrug aufgeflogen sei, habe die amerikanische Scientology-Zentrale Hansen umgehend in ein Straflager abkommandiert. Scientology dementiert heftig: Frau Hansen widme sich in Amerika lediglich ihrem "spirituellen Weiterkommen". Aus: -DER SPIEGEL-39/1995-25-09.95-

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Reich des Bösen

Robert Vaughn Young über Scientologys Kampf gegen Deutschland. - Vor einem halben Jahr wurde ich nach Hamburg eingeladen, um Regierungsstellen über Scientology aufzuklären, denn ich habe fast 21 Jahre in der Sekte verbracht, zum größten Teil als einfacher Mitarbeiter und später dann als Mitglied des Führungskreises. Ich kenne die Geheimnisse der Sekte, ihre inneren Strukturen, ihre Habgier, ihre Erfolge und Fehlschläge. Ich weiß von den Straflagern, den Schlägen, von dubiosen Geldquellen und mysteriösen Todesfällen.

Vor allem aber: Ich weiß, warum sich die Sekte ausgerechnet mit Deutschland so heftige Gefechte liefert.

Für die meisten Leute begann die Attacke der Scientologen gegen die Deutschen im September vergangenen Jahres, als der Psycho-Konzern beinahe wöchentlich ganzseitige Anzeigen in der New York Times und der Washington Post schaltete, um die Bundesrepublik als neonazistischen Staat zu verleumden. Beispielsweise zeigten die Anzeigen auf einem großen Foto Nazi-Aktionen wie die Bücherverbrennung oder die Judenvernichtung. In den Texten verglich die Sekte ihre deutschen Mitglieder mit den Juden unter Hitler. Andere Annoncen zeigten deutsche Jugendliche, die ihre Hand zum Hitlergruß heben und Parolen gegen Ausländer und Juden skandieren.

Anzeigen und auch Broschüren erwecken den Eindruck, als stände Deutschland am Rande eines zweiten Holocousts - nur daß jetzt die Scientologen, wie damals die Juden unter Hitler, als Opfer ausersehen seien. Die Leser wurden aufgerufen, bei Regierungsbehörden gegen "den Haß in Deutschland" zu protestieren.

Die Medien berichten seit einigen Monaten über die Kampagne mit dem Hinweis, daß die Marketingmethoden von Scientology und der Einfall in den deutschen Immobilienmarkt der Hintergrund für den Kampf sein könnten (SPIEGEL 20/1995). Das ist nicht so. Es geht viel tiefer - ich weiß es, weil ich dabei war als es anfing.

Deutschland ist eines der wichtigsten Ziele eines Programms, das Scientology-Gründer L.Ron Hubbard 1973 entwickelte. Er gab ihm einen Codenamen: "Snow White" ("Schneewittchen"). Nur eine Handvoll Auserwählter bekam Einblick in das Ausmaß und die Zielsetzung dieses Programms. Denn Hubbard hatte Angst um das Image von Scientology.

Außenstehenden muß die Sekte wie eine wohlwollende, aber unverstandene Bewegung erscheinen. Ihr erklärtes Ziel: "eine Zivilisation ohne Geisteskrankheit, ohne Verbrecher und ohne Krieg".

Dahinter aber verbirgt sich die wahre Seite der Sekte. Die Organisation ist ein totalitäres System, das nur ein Ziel kennt: die Kontrolle über den Planeten. Nur Hubbards Ideen gelten als wahr, alle anderen sind verboten. Jede Kritik wird als "kriminell" abgestempelt, Kritiker werden offiziell zu "Freiwild" erklärt, zu "Vogelfreien".

Mitglieder des Führungskreises, der sogenannten Sea-Organization, müssen schon bei der kleinsten Verfehlung damit rechnen, im Straflager zu landen. Ich habe diese Sonderbehandlung selbst erlebt: 1987, im Machtkampf um die Nachfolge von L.Ron Hubbard, den David Miscavige, der heutige Führer der Organisation, schließlich gewann, geriet ich auf die Verliererseite und wurde in ein Arbeitslager abkommandiert.

14 Monate verbrachte ich in diesem Gulag der Sekte, nicht weit von Los Angeles. Ich mußte zwölf Stunden am Tag in schwarzer Uniform schwere Erdarbeiten erledigen. Häuser bauen, Wassergräben ausheben. Anschließend ab 18 Uhr mußten wir fünf Stunden lang Hubbards Texte studieren.

Zweimal versuchte ich zu fliehen, zweimal holten sie mich zurück, und ich ging mit Ihnen, weil ich überzeugt war, etwas Unrechtes zu tun, überzeugt davon, daß ich Hilfe brauchte.

Die Angst der Lagerinsassen war groß, sie fürchteten, zu Vogelfreien gestempelt zu werden, zu "Unterdrückern", wie Hubbard sie nannte. Seine Weisung für solche Outlaws: "Jeder Scientologe kann ihnen Grundbesitz wegnehmen, kann ihnen mit welchen Mittel auch immer Schaden zufügen, ohne daß er gemaßregelt wird. Er kann sie austricksen, verklagen, belügen und vernichten."

Was das bedeutet, habe ich am eigenen Leib erfahren. Während meiner geheimgehaltenen Mission in Hamburg hielten ausgesuchte Journalisten in Deutschland bereits ein Dossier in Händen, in dem Scientology mich als Lügner und eine Art von Sexmonster diffamiert.

Die Geschichte von Scientology begann 1950 mit der Veröffentlichung von Hubbards Buch "Dianetik: Der Leitfaden für den menschlichen Verstand". Bis dahin war er fast nur als Autor von Sciencefiction-Geschichten bekannt. Dianetik war als Bewußtseinstherapie gedacht. Die Idee war, daß jeder Mensch einen "reaktiven Verstand" habe, nicht unähnlich dem Freudschen Unterbewußtsein. Unbemerkt speichere dieser schmerzliche Erfahrungen ("engrams"), die im Geheimen unsere Ängste und unser Verhalten bestimmen und die jede bekannte Krankheit, auch Krebs, auslösen können.

Dieser "reaktive Verstand" kann laut Hubbard nur durch eine spezielle Therapie erreicht werden, bei der der Patient zumeist im sogenannten Auditing mit geschlossenen Augen auf einer Couch liegt und die "engrams" zurückruft, so daß die Probleme bearbeitet werden können.

Die Kritik der Experten war schlimm: Der Physik-Nobelpreisträger Isidor Isaac Rabi etwa sagte über das Dianetik-Buch, es enthalte "mehr Versprechen und weniger Beweise per Seite als irgendeine Veröffentlichung seit der Erfindung des Buchdrucks".

Hubbards Dianetik-Gesellschaften wurden in Rechtsstreitigkeiten verwickelt. Hubbard brauchte eine neue Organisationsform, und so wurde 1954 Scientology erfunden - Scientology, die Religion.

Jedem Mitglied, das mit Journalisten oder Regierungsvertretern in Berührung kam, wurde eingeimpft, Scientology als religiöse Bewegung darzustellen. Nur so konnte Hubbards Firma ein neues Image aufbauen und in vielen Ländern von der Steuer befreit werden.

Zugleich wurde den Mitarbeitern beigebracht, Gruppen zu gründen, die nicht der Scientology-Kirche angehörten, um derart getarnt Schulen, Firmen und Regierungen zu durchdringen.

1971 kam ich zum Sekten-Geheimdienst, dem "Guardian Office", in die Außenstelle San Francisco. Zu der Zeit hatte das Office vor allem vier Aufgaben: Der Nachrichtendienst verwahrte Dossiers über Mitglieder und Kritiker und sammelte über ein eigenes Spionagenetz Informationen: Die Rechtsabteilung beschäftigte sich mit Klagen und werbewirksamen Gerichtsverhandlungen; die Abteilung Finanzen verwaltete Einkünfte des Psycho-Konzerns, und die Abteilung für Werbung, in der ich arbeitete, machte PR. Wir kümmmerten uns um Medien und Behörden, dabei ging es hauptsächlich darum, Steuerbefreiung zu erlangen.

Meine Arbeit war erfolgreich genug, um mich 1973 ins amerikanische Hauptquartier des Guardian Office in Los Angeles aufsteigen zu lassen. Da hatte Hubbard gerade seinen "Schneewittchen"-Plan zu Ende geschrieben, der uns mit Deutschlands auf Kollisionskurs bringen sollte.

Hubbard fühlte sich verfolgt von Kommunisten, Psychiatern und Regierungsbehörden. Er litt offensichtlich unter dem Wahn, daß Psychiater und Psychologen ihn ermorden wollten, weil er ihre Wissenschaft als Schwindel entlarvt habe. Schließlich kam er auf die Idee, daß der Kern der Anti-Hubbard-Verschwörung sich in Deutschland befinde, sie sei auch die Wurzel des Nationalsozialismus und habe Hitler an die Macht gebracht. Hubbard wurde zum Deutschen-Hasser. Die Psychologie, so verbreitete er, lasse sich zurückverfolgen bis zu "Professor Wundt, der 1879 von Bismarck bedrängt wurde, eine Philosophie zu entwickeln, die dessen Soldaten dazu bringen sollte, Menschen zu töten".

"Daraus", so Hubbard", "können wir die moderne Psychologie als ein deutsches Militärsystem definieren, das benutzt wurde, um Menschen auf den Krieg zu programmieren." Nicht Hitler habe später die Judenvernichtung inszeniert, sondern ein Geheimbund deutscher Psychiater: "Sie haben die Todeslager errichtet, und sie , nicht Hitler, befahlen die Vernichtung der Juden."

Diese Verschwörung der Psychiater habe den zweiten Weltkrieg überlebt. Eine kleine Clique von Psychiatern und Altnazis kontrolliere nun den Weltdrogenmarkt; alle Drogenfirmen der Welt seien entweder "ehemals deutsch oder mit Deutschland verbunden", so Hubbard. Diese Gruppe habe auch starken Einfluß auf das internationale Finanzsystem. O-Ton Hubbard: "Deutschland besitzt heute den größten Teil aller Geldvorräte der Welt oder zumindest eine Menge davon."

Mit Hubbards Frau Mary Sue an der Spitze bekam das US-Guardians Office mehr und mehr Informationen. Bald hatte Hubbard genug Material für eine weitere wirre Theorie: Die bundesdeutsche Nazi-Verschwörung nutze die Informationswege von Interpol, um Scientology weltweit zu bekämpfen.

Ich hatte unbekanntes Material zur Geschichte von Interpol entdeckt, das in Dokumenten und Fotos belegte, wie die internationale Polizeiorganisation im Dritten Reich tatsächlich von SS-Führern wie Reinhard Heydrich und Ernst Kaltenbrunner dominiert und zur Verfolgung von Juden und politischen Gegnern benutzt wurde. Selbst der bis 1972 amtierende Interpol-Chef Paul Dickopf, so hatte ich entdeckt, war in der SS gewesen.

Hubbard ordnete an, die Verschwörung gegen ihn sei weltweit zu zerstören. Der Aktionsplan dazu bekam dann den Codenamen "Schneewittchen".

"Schneewittchen" enthielt Begriffe aus dem Märchen als Bezeichnung für die Länder, in denen Scientology aktiv war. Deutschland, das Reich des Bösen, erhielt den Namen des grimmigen Zwerges Grumpy aus der Walt-Disney-Verfilmung von Schneewittchen, andere Länder, auf die die Nazi-Konspiration angeblich übergegriffen habe, hießen Snezzy (Holland), Doc (Schweden) oder Happy (Dänemark). Die US-Sektion von Scientology hieß Hunter - der Jäger.

Ich wurde zum US-Leiter der Propaganda-Abteilung des "Schneewittchen"-Programms ernannt, wodurch ich Zugang zu allen wichtigen Papieren der Kampagne bekam.

In Deutschland übernahm der Österreicher Kurt Weiland diesen Job. Seine Aufgabe war es, so der Geheimplan, zunächst "Unterlagen zu beschaffen über alle laufenden Gerichtsprozesse", in die Scientology verwickelt war. Dazu sollte er in den Besitz von "Akten von Polizei und Interpol" kommen, "sofern sie das Schneewittchen-Programm unterstützen können".

Weilands Büro sollte die Quellen aller Attacken auf Hubbard ausfindig machen. Gleichzeitig sollte er Interpol durch Skandale und Rechtsklagen beschädigen und Angriffsziele für unsere Rechtsabteilung und PR-Sektion finden. Die Rechtsabteilung sollte eine Klage nach der anderen anstrengen, um Akten der Scientology-Gegner zu bekommen, die dann an die Geheimdienstabteilung gehen konnten.

In den USA lief das Programm gut. Es gelang mir, vor einem Unterkomitee des Kongresses über die Nazi-Vergangenheit Interpols auszusagen. Ich trat in landesweiten Fernsehshows und im Radio auf, und unsere Interpol-Geschichten fanden in aller Welt Gehör.

Nur in Deutschland funktionierte Schneewittchen nicht wie geplant. Niemand interessierte sich so recht für unsere Nazi-Geschichten. Am 17. Januar 1977 wurde ich deshalb nach München, Bonn und Wiesbaden geschickt, getarnt als Mitglied einer Organisation, die wir "Nationaler Ausschuß für Gesetzesvollzug und soziale Gerechtigkeit" nannten. Weiland und ich versuchten auf diese Weise erneut, die "Schneewittchen"- Kampagne in den deutschen Medien zu lancieren. Wir sprachen mit vielen Journalisten, etwa von der Welt, der Frankfurter Allgemeinen und der Süddeutschen Zeitung, und übergaben ihnen Material über Nazi-Verflechtungen von Polizei und Interpol.

Allerdings ohne Erfolg: Kein Reporter war interessiert, kaum einer traute Weiland und mir über den Weg.

Elf Mitarbeiter von Hubbard kamen ins Gefängnis

Wenige Monate später, im Juli 1977, kam uns in den USA das FBI auf die Schliche. Einige Mitarbeiter des Guardian Office hatten sich Scientology-Unterlagen aus Bundesbehörden verschafft.

Dutzende FBI-Fahnder durchsuchten die Sekten-Zentren in Los Angeles und Washington. Dabei stießen sie auf Teile des "Schneewittchen"-Plans. Elf ranghohe Mitarbeiter Hubbards, darunter seine Frau Mary Sue, kamen ins Gefängnis.

Damit war unser Ruf lädiert. Die neue Strategie hieß deshalb: Was gewesen ist, ist vorbei. Scientology ist reformiert, die Verbrecher sind hinter Gittern. Schneewittchen kam in den Safe - aber nicht in den Reißwolf.

Das Geschäft lief weiter: Private Unternehmen unter dem Dach von Wise (World Institut of Scientology Enterprises) füllen etwa als Immobilienmakler, Unternehmensberater und Software-Hersteller die Kriegskasse ("war chest") der International Association of Scientologists.

Ausgerechnet Hubbards Feind Nummer eins, Deutschland, fiel dabei nach seinem Tod 1986 eine neue, noch wichtigere Rolle zu - durch den Fall der Mauer. Denn in Osteuropa tat sich auf einmal ein bislang unzugänglicher Markt für die Sekte auf, und Deutschland lag direkt vor der Tür, es sollte der Stützpunkt sein, um den Osten zu erobern.

Der Erfolg war enorm. Allein in Rußland verfügt der Konzern inzwischen über drei Missionen und "Kirchen" sowie vier Wise-Niederlassungen. Weitere Zentren wurden in Bulgarien, Rumänien, Polen, Ungarn gegründet und in Tschechien, wo die Sekte sogar versucht hat, ihre Dianetik-Kurse in einer Grundschule anzupreisen.

Wenn Scientology jedoch in Deutschland auf Dauer nicht als Religion, sondern als gewinnorientierte Firma eingestuft würde, könnte dies die Nachbarländer im Osten stark beeinflussen, denn die hatten bislang kaum Erfahrungen mit Sekten, und sie orientierten sich in vielen Fragen an Deutschland. Darum ist die Bundesrepublik nun noch entscheidender für Scientologys Welteroberungsplan. Schneewittchen mußte wieder aufgeweckt werden.

Die Zeitläufe im vereinigten Deutschland scheinen die Thesen des Plans zu bestätigen: Es gibt Neonazis, Anschläge auf Türken und Asylbewerber und dazu Attacken der Bundesregierung und der Länder gegen die Sekte, Mieterproteste gegen Immobilienspekulationen von Scientologen oder das "Arbeitsverbot" für mehrere Sektenmitglieder, das Bundesarbeitsminister Norbert Blüm aussprechen ließ.

Blüm und seine Helfershelfer von der Psychiatrie suchen angeblich, so lautet die jüngste Propaganda, nach der " Lösung der Sektenfrage". Schlimmer noch: Selbst der Krieg in Bosnien mit seinen Greueln sei von diesen "kriminellen Psychiatern" entfacht worden.

Doch Schneewittchen kennt das Rezept gegen Staaten und Regierungen, die es Scientology so schwer machen: Stellt sie als Schurken dar, denen man nicht trauen kann." Und so geschieht es: Norbert Blüm und die Bundesregierung planten, so die Sekte, "Scientologen und andere Minderheiten in Deutschland zu Menschen zweiter Klasse zu degradieren". Blüms wahres Gesicht: "ein Brandstifter in Feuerwehruniform".

Am Hamburger Flughafen wurde ich im Februar dieses Jahres von Ursula Caberta, der Scientology-Beauftragten des Hamburger Senats, abgeholt - unter strengen Sicherheitsvorkehrungen. Drei Polizeibeamte waren zu meinem Schutz abkommandiert.

Fast täglich traf ich mit ranghohen Beamten aus Hamburg und anderen Städten zusammen, etwa mit dem Chef des Hamburger Verfassungsschutzes, Ernst Uhrlau, mit Staatsanwälten und Mitarbeitern von Ministerien und Landeskriminalämtern. Stundenlang beantwortete ich Fragen und erklärte Scientology-Dokumente.

Um Scientology in Deutschland wirksam bekämpfen zu können, gab ich ihnen folgende Tips:

Inzwischen, ein halbes Jahr nach meinem Besuch in Hamburg, ist ein weiterer Schachzug der Organisation offenbar geworden. Sie versucht, Deutschland nicht nur von innen zu bekämpfen. Der Druck, so ihr Plan, muß aus der ganzen Welt kommen.

Das Propaganda-Heftchen Freiheit wird bereits in mehrere Sprachen übersetzt. Eine amerikanische Übersetzung liegt seit einigen Wochen vor - und sie wird gezielt eingesetzt, um Anhänger und Geldgeber für die Angriffe gegen Deutschland zu gewinnen.

Mitte Juli trafen sich mehr als tausend Sektenanhänger zu einer Jubelfeier in Pasadena bei Los Angeles. Motto des Abends: "Reinigt die Erde von der Psychiatrie".

Unter dem "brausenden Applaus der Menge", so erinnert sich ein Teilnehmer, berichtete Scientology von den jüngsten Attacken gegen die psychiatrischen Verschwörer, verteilte die amerikanische Version der Freiheit-Postille und schwor die Gemeinde auf die neue, alte Hubbard-Taktik der Sekte ein: Findet Opfer von Psychiatern. Helft ihnen, die Psychiater zu verklagen. Verklagt auch die Universitäten und Schulen, die Psychiater ausgebildet haben und es noch immer tun.

Ganz nebenbei ließen die Veranstater im Publikum ihre Klingelbeutel herumgehen - schließlich braucht Scientology Geld für den internationalen Überlebenskampf.

Wieviel Geld, läßt sich nur erahnen, wahrscheinlich soll die Kampagne gegen Deutschland ja weitergehen. Wie schreibt doch Thomas G. Whittle, verantwortlicher Redakteur der Freiheit: Deutschland sei "weit mehr als ein deutsches Problem. Es ist ein Problem für die Welt". Aus: -DER SPIEGEL 39/95-25-09-95-

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Beobachten lassen

Bayern. - Bayern will als erstes Bundesland die Scientology-Sekte überwachen und ihre Millionengeschäfte verbieten. Eine "bundesweit abgestimmte Beobachtung durch den Verfassungsschutz" will Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) morgen im Kabinett beraten. Es gehe darum, "den Scientology-Organisationen ihr Gewerbe mit Bücherverkauf und teuren Kursen zu untersagen," erläuterte Bayerns Innenminister Günther Beckstein (CSU). iN Bonn planen CDU und SPD den Psychomarkt gesetzlich zu regeln. Ziel ist, nach Focus-Informationen, den Bürger vor Mißbrauch der Psychotechniken zu schützen. Aus: -Westfalen-Blatt-16-10-95-

Die Sekten-Connection

Wie der Psycho-Konzern Scientology über seinen Ableger KVPM den geflüchteten Frauenmörder Thomas Holst als Spitzel in der Psychiatrie benutzte. Nach dessen Flucht erstrecken sich die Ermittlungen nun auch auf die Sekte.

Wilfried K. kam meist am Wochenende, hinterlegte seinen Personalausweis in der Sicherheitsschleuse der Geschlossenen Psychiatrie des Allgemeinen Krankenhauses Ochsenzoll und bekam eine rote Besucher-Plakette. Danach deponierte er sein Münzgeld und wurde vom Wachpersonal der Anstalt auf Waffen durchsucht. "Ich möchte zu Herrn Holst", mußte er nur sagen, dann wurde ihm die Tür zum Besucherraum geöffnet.

Thomas Holst wartete dort mit Kaffee; manchmal konnte er auch Kuchen anbieten. Seit Juli 1994 saß der "Heidemörder" im Hochsicherheitstrakt der Psychiatrischen Klinik. Verurteilt zu einer lebenslangen Haftstrafe, nachdem er von 1987 bis 1990 drei junge Frauen im Umkreis von Hamburg erst vergewaltigt und dann bestialisch ermordet hatte.

Vor drei Wochen ist Thomas Holst die Flucht aus Ochsenzoll gelungen. Er seilte sich vom Dach der Turnhalle ab, nachdem er, so die Überzeugung der Polizei, mit fremder Hilfe die Sicherheitstüren der Station geöffnet hatte (STERN Nr. 41/1995: "Mittel und Wege, rauszukommen").

Seit dem spektakulären Ausbruch überprüft eine Sonderkommission Kontakte von Holst zur "Scientology-Kirche". Sicher ist, daß der Triebtäter gleich nach seiner Unterbringung im Haus 18 in der Anstalt Ochsenzoll Kontakt mit einer Scientologen-Organisation aufgenommen hat, die sich "Kommission für Verstöße der Psychiatrie gegen Menschenrechte e.V." (KVPM) nennt. Die gibt vor, sich für Menschen einzusetzen, die in der Psychiatrie mißhandelt werden.

Holst glaubt, an einer "Multiplen Persönlichkeits-Störung zu leiden. Er ist davon überzeugt, daß nicht er, sonder eine seiner anderen "Persönlichkeiten" in ihm gemordet hat, er selbst also unschuldig sei. Den Psychiatern der Klinik gegenüber ist er feindlich eingestellt. Er blockt Gesprächstherapien ab, glaubt, man wolle ihn nur so schnell wie möglich ins Gefängnis abschieben. Davor hat Holst Angst. Er weiß, daß Frauenmörder wie er im Knast kein Pardon erwarten dürfen. Wilfried K. sollte ihm helfen.

Der 50jährige Brillenträger mit dem sorgfältig gescheitelten Haar hat früher selbst als Pfleger in der Psychiatrie gearbeitet. Seit Jahren steht er im Dienst der KVPM, reist umher und besucht Insassen in Anstalten. Ein Profi der Indoktrination, sagen Zeugen, und ein Feind jeder psychiatrischen Behandlung. Einer der Zeugen ist Dieter Blank, 28, der ebenfalls im Ochsenzoll-Haus 18 einsitzt. Blank berichtet dem STERN, was Holst ihm über seine Treffen mit K. erzählt hat: Sein Besucher sei bereit gewesen, ihm zu helfen. Aber dazu habe er bestimmte Bedingungen der KVPM erfüllten müssen. So läßt Wilfried K. seinen neuen Schützling eine "Betreuungsverfügung" unterschreiben, die ihm und seinem Verein "alle erdenklichen Vollmachten" einräumt. In einem weiteren Dokument läßt sich K. zu Holsts "Vertrauensperson" ernennen.

Holst ist begeistert von dem Mann, der ihn von nun an vertreten soll, und beginnt, in dessen Auftrag weitere Patienten für die Kommission zu gewinnen. Dieter Blank zum Beispiel. Ihm erzählt er, daß er eine Organisation gefunden habe, die dafür sorgen will, "daß ich so schnell wie möglich aus der Klinik entlassen werde".

Blank war sofort interessiert. Der Bisexuelle galt als renitent und aggressiv. Er sah nicht ein, weshalb man ihn hier festhielt, da er doch nach einem Mordprozeß freigesprochen worden war.

1990 hatte Blank in Hamburg einen Mann kennengelernt, der ihn mit in seine Wohnung nahm. "Ich bin Alkoholiker und war schon stark angetrunken", sagt Blank heute. "Er bot mir Alkohol an. Später wollte er Sex mit mir haben. Ich habe das abgelehnt. Dann hat der Mann mir einen Schnüffelstoff gegeben, der mich erregen sollte. Und immer mehr Alkohol. Ab da ist bei mir Filmriß. Tatsache ist, daß ich den Mann mit 123 Messerstichen getötet habe. Zwei Tage später habe ich mich der Polizei gestellt. Das Gericht hat mir völlige Schuldunfähigkeit zur Tatzeit attestiert und mich zur Unterbringung in die Psychiatrie auf unbestimmte Zeit eingewiesen."

Holst gab Dieter Blank die Telefonnummer von Wilfried K. Schon am nächsten Wochenende, so Blank, kam der wieder zu Besuch. Auch Blank mußte die Verträge unterschreiben, die Wilfried K. ihm vorlegte. "Erst dann würde der Verein mich vertreten und dafür sorgen, daß ich hier rauskäme." K. hatte unauffällige Broschüren für ihn dabei von Scientology-Gründer L.Ron Hubbard. "Die sollte ich lesen. Scientology sei eine weltweit operierende Organisation. Ich hätte die Möglichkeit, mich dieser Organisation anzuschließen", sagt Blank.

Am nächsten Tag trafen sich Holst und Blank wieder in der Werkstatt. Holst bemalte wie üblich Spielzeug-Trucks. Stierkämpfer, Känguruhs und Orca-Wale waren seine Lieblingsmotive. Blank arbeitete in der Schufertigung. "Ich habe mich viel Mit Holst über die KVPM unterhalten." Holst, unter den Patienten nur "die Ratte" genannt, soll gern Spitzeldienste für die Scientologen übernommen haben.

Beide wurden von ihrer "Vertrauensperson" angehalten, Informationen aus der Klinik zu liefern: K. sei an Grundriß- und Pflegedienstplänen, Hinweisen auf Mitpatienten und verabreichte Medikamente, Berichten über Therapeuten und Pflegepersonal interessiert gewesen, sogar an Adressen von Ärzten.

Das gesamte Material holte sich K. bei regelmäßigen Besuchen ab. Die KVPM speist ein internationales Archiv mit Informationen, die sie aus den Kliniken holt. Die Daten stehen auch ausländischen Partnerorganisationen zur Verfügung. Im Gegenzug darf der Patient ein "Psychiatrisches Testament" unterschreiben, daß "ich jeder Art von unfreiwilliger Freiheitseinschränkung, Fesselung, Anwendung von Psychopharmaka, Insulin- oder Elektroschocks, hirnchirurgischen Eingriffen ... an mir absolut widerspreche". Zuwiderhandlungen würden "als Körperverletzung im strafrechtlichen Sinne" erachtet. Die Ärzte werden gegenüber der "Vertrauensperson" von der Schweigepflicht befreit und müssen Akteneinsicht geben.

Auch Blank machte mit: "Wir haben Dossiers für die KVPM zusammengestellt. Sie wollten, daß ich alles aufschreibe - wer hier drin ist, wer welche Medikamente bekommt, welche Therapeuten mit mir beschäftigt sind." Jedes Gespräch hätten Holst und Blank notieren sollen, jedes Detail sei Wilfried K. wichtig gewesen.

Sehr häufig rief Blank, so sagt er dem STERN, seine Vertrauensperson im Büro der Kommission an: "K. war immer da, wartete schon auf meine Berichte." Während seiner Besuche machte K. seinen Schützlingen immer wieder klar, daß Psychopharmaka eine "Zwangsjacke" seien und jede Therapie ein "Mord auf Raten".

Blank wundert sich noch heute, daß Holst trotz solcher Vorhaltungen offenbar eine Therapeutin regelrecht ins Herz geschlossen hat: die 39jährige Tamar S., die mit ihm vor allem autogenes Training machte. Offenbar legte sie Wert darauf, bei diesen Übungen mit dem Frauenmörder allein zu sein. Dafür wurde sie von der Klinikleitung mehrfach abgemahnt. Üblicherweise dürfen Patienten vom Schlage Holst nur in Begleitung eines männlichen Pflegers therapiert werden.

Ein anderer Patient, der Holst gut kennt, bestätigt dem STERN ebenfalls "eine ganz spezielle Beziehung" zwischen Holst und seiner Lieblingstherapeutin, die er stolz als "meine Kleine" bezeichnete. Auch durch diese enge Beziehung geriet Tamar S. in den Verdacht, als Fluchthelferin fungiert zu haben.

Merkwürdig, daß der Scientology-Gesandte Wilfried K. gegen diese Therapeutin offenbar keine Einwände hatte. Wo er doch sonst jede Form der Therapie im Sinne seiner Kommission vehement ablehnte.

Am 9. April 1995 machte Wilfried K. einen entscheidenden Fehler. In seinem Missionierungsdrang brachte er an diesem Sonntag nicht nur Kollegin Freya M. mit, sondern auch einen dicken Packen scientologischer Schriften und Bücher. Das fiel einem Pfleger auf, der umgehend seine Chefin Kristina Erichsen-Kruse, 53, informierte. "Ich habe mich dann bei der Hamburger Innenbehörde nach diesen Leuten erkundigt", sagt Kristina Erichsen-Kruse. "Dort bestätigte man mir, daß es sich um Scientologen handelte. Ich habe ihnen sofort Hausverbot erteilt."

Für Thomas Holst ein schwerer Schlag. Denn mittlerweile hatte er sich mit seinem Mitpatienten Blank überworfen, der als Redakteur der Anstaltszeitung "Ochsenzoller Aufbruch" eine von Holst verfaßte Rezension des Scientology-Buches "Die Männer hinter Hitler" partout nicht drucken wollte. "Mit erschütternder Genauigkeit" und "in sehr detaillierter und lesenswerter Weise" hätten die Autoren die Beteiligung deutscher Psychiater an der Judenvernichtung im Dritten Reich aufgedeckt, lobte Holst handschriftlich.

Blank hatte in der Zwischenzeit einen Therapeuten gefunden, mit dessen Hilfe er langsam, aber spürbar seine psychischen Probleme in den Griff bekam. "Ich hatte endlich erkannt", sagt Blank, "daß ich noch nicht reif bin für die Freiheit. Ich bin gefährlich."

Außerdem war Blank enttäuscht. Scientologe K. hatte in einem Zusatzvertrag am 22. Januar dem Gewalttäter verschiedene Versprechungen gemacht - unter anderem die, ihm einen Rechtsanwalt zu vermitteln, der seine Belange vertritt und versucht, "mich alsbald aus dieser Klinik herauszuholen, damit ich wieder in Freiheit leben kann." (Vertragstext).

Blank hatte bei Holst ein von Wilfried K. unterschriebenes Schriftstück mit gleichlautendem Text gesehen. Deshalb, so Blank, sei Holst "immer sicher gewesen, hier schnell rauszukommen".

Der Anstaltsleitung war seit längerem bekannt, daß Holst an Flucht dachte. Für ihn galten deshalb strengere Sicherheitsmaßnahmen als für andere. Die Polizei überprüft jetzt, ob die Therapeutin Tamar S. ebenfalls Kontakte zu den Scientologen hat. Sie, die nach der Flucht Holsts sofort suspendiert worden war, zählt für die Fahnder nach wie vor zu dem Kreis der als mögliche Fluchthelfer Verdächtigten.

Dubios erscheint in diesem Zusammenhang auch die Rolle ihres Rechtsbeistands Martin Schleifenbaum, 45, ExRechtsanwalt, der heute als Assesor in der Hamburger Kanzlei Ihli tätig ist. Denn Schleifenbaum ist gleichzeitig für Thomas Holst tätig, den er in dessen Hamburger U-Haft-Zeit kennengelernt hatte. Seitdem stand er in ständigem Kontakt mit dem Frauenmörder. Als der STERN am vergangenen Donnerstag über Schleifenbaum die suspendierte Psychologin Tamar S. sprechen wollte, blockte er ab: "Frau S. wird nur verdächtigt, weil sie Jüdin ist, diese Art von Kampagnen und die Verfolgung meiner Mandantin durch die Polizei ist schließlich aus der deutschen Vergangenheit wohlbekannt."

Schleifenbaum argumentiert so, wie es Scientologen gern tun, um der öffentlichen Stimmung gegen ihre "Kirche" entgegenzuwirken - heute werde gegen sie genauso gehetzt wie früher gegen die Juden.

Fünf Minuten nach dem Telefonat des STERN mit Schleifenbaum meldete sich der KVPM-Scientologe Bernd Trepping, 28. Er habe gerade mit Herrn Schleifenbaum gesprochen. Trepping erkundigte sich, ob der STERN an zusätzlichem Material interessiert sei und faxte daruf ein Pamphlet über den "Heide-Mörder". Inhalt: Die KVPM habe enthüllt, daß Holst bereits mit fünf Jahren mit dem Psychopharmakon "Haloperidol" traktiert worden sei, dessen Einnahme zu Gewaltverbrechen führen könne.

Wir verabreden uns mit Trepping ("Ich bin Scientologe, und bin stolz darauf") in seinem Hauptquartier im Hamburger Stadtteil St. Georg. Hochnervös sitzt er hinter seinem Schreibtisch und bittet darum, das Gespräch aufzeichnen zu dürfen, "damit mir nicht wieder jedes Wort im Munde herumgedreht wird". Holst habe im November vorigen Jahres Kontakt zu seiner Organisation aufgenommen. "Holst gehört nicht in die Psychiatrie", eifert Trepping. "Der gehört ins Gefängnis. Der gehört weggeschlossen. Vor einem, der so abgedreht ist, so brutal, so blutrünstig und gefährlich wie der, muß die Gesellschaft geschützt werden.

Wir wollen wissen, ob es neben Holst noch andere Patienten in Haus 18 gibt, die von seiner Kommission kontaktet worden sind. "Nein", beteuert Trepping, "wir haben uns nur um Holst gekümmert." Eine Lüge, wie die gestempelten und unterschriebenen Dokumente von Blank beweisen.

Würde die KVPM jemandem, der darum bittet, aus der Anstalt heraushelfen? "Niemals, sagt Trepping schnell. Ein Gespräch mit Wilfried K. wird von Trepping abgelehnt, da K. nicht geschult sei, mit der Presse zu reden - ohnehin habe er sich derzeit "etwas zurückgezogen".

War Holst Scientologe? "Blödsinn. Wir haben keinen einzigen Kriminellen in der Kirche." Wie kümmert sich der KVPM um Patienten, die aus der Psychiatrie entlassen wurden? "Wir vermitteln Kontakte, wo man weiterbetreut werden kann, ohne daß man dabei zerstört wird - zu Ärzten zum Beispiel, die mit homöopatischen Mitteln arbeiten."

Darüber kann Dieter Blank nur lächeln. Zu oft hat er mit Holst über die Möglichkeiten gesprochen, die ihnen Wilfried K. bei seinen Besuchen offeriert habe. K. hat uns von den Häusern in Österreich und in der Schweiz vorgeschwärmt, wo wir in ländlichen Wohngemeinschaften der KVPM absolut sicher leben könnten."

Wilfried K. habe ihm sogar die Flucht schmackhaft gemacht, so Blank. "Ein paar Jahre in Freiheit, und Sie können beweisen, daß Sie ohne Psychiater leben können", habe der KVPM-Mann gesagt.

Heute ist Dieter Blank davon überzeugt, "daß ich für die Scientologen draußen nützlicher gewesen wäre als hier drinnen". Der Mann mit dem Schnauzbart hat offenbar Angst weiterzudenken: "Was habe ich denen denn zu bieten? Daß ich töten kann?"

Das Netz der KVPM

Hamburg-St. Georg, Rostocker Straße 20. Im 1. Stock des unauffälligen Nachkriegsbaus, das dem Scientologen und Immobilienmakler Götz Brase gehört, residiert die Bundesleitung der Kommission für Verstöße der Psychiatrie gegen Menschenrechte e.V. (KVPM).

300 Mitglieder zählt nach Angaben des KVPM-Funktionärs Bernd Trepping, 28, die Landesgruppe Norddeutschland (Hamburger Vereinsregister Nummer 12768). 1972 wurde, nach dem Vorbild und mit aktiver Unterstützung der amerikanischen "Citizens Commission on Human Rights" (CCHR), die erste deutsche Kommission in München gegründet - mittlerweile gibt es zwölf dieser Vereine in der Bundesrepublik; die Aktivitäten koordiniert die Hamburger Bundesleitung.

Ihre Tarnung, wie sie anfangs noch praktiziert wurde, haben die KVPM-Vereine aufgegeben: Offen bekennen sie sich jetzt zur "Scientology-Kirche", die nach eigenen Angaben rund 30.000 Mitglieder in Deutschland hat.

Die Kommissionen, die angeblich gegen Zwangseinweisungen in psychiatrische Kliniken, den Mißbrauch von Psychopharmaka und die Elektroschock-Therapie kämpfen, versuchen immer wieder, durch Inserate und Broschüren Kontakte zu Psychiatrie-Patienten herzustellen.

In bundesweiten "Aufklärungskampagnen" werden Journalisten, Politiker und Mediziner instrumentalisiert. Ein KVPM-"Rückblick '93" vermeldete stolz: "Mit allein 100 verschiedenen Zeitungsartikeln erreichte die Öffentlichkeitsarbeit der Kommission zusammengenommen mehr als 53 Millionen Leser regionaler und nationaler Presse in Deutschland." Und: "Verbrechen aus den Reihen der Psychiater, Psychologen und Therapeuten konnten in dreizehn Fernsehsendungen durch die Mitarbeit und Mitwirkung der Kommission dokumentiert und gesendet werden."

Mit Strafanzeigen gegen Psychiater bombardiert die KVPM die Gerichte, mit "individuell verfaßten und versandten Informationsbriefen" von Psychiatrie-Patienten die Redaktionen. In KVPM-Berichten werden Erfolge dann so gefeiert: "Ein weiterer Therapeut konnte durch die Arbeit der Kommission zur Strecke gebracht werden."

Selbst um das Wohl der Jüngsten sorgt sich der Scientology-Ableger KVPM: In Tausenden von Briefen an Kindergärten und Schulen warnt die Organisation vor "Psychodrogen für Kinder". KVPM-Mitglieder, behauptet die Sektenexpertin Dr. Helga Lerchenmüller, verschafften sich außerdem als Teddybär- oder Puppen-Vertreter Zutritt in Kinderhorte: "Danach flattert den Eltern Post von der KVPM ins Haus - überaktive Kinder brauchten psychologische Hilfe, die man hiermit anbiete."

Der Kampf gegen die Weltverschwörung der Psychiater war von Scientology-Gründer L.Ron Hubbard höchstpersönlich angeordnet worden. Der paranoide Sciencefiction-Autor hatte sich zeitlebens von Seelenklemptnern, FBI-Agenten und Kommunisten verfolgt gefühlt. Der prominente Scientology-Aussteiger Robert Vaughn Young: " Er litt offensichtlich unter dem Wahn, daß Psychiater und Psychologen ihn ermorden wollten." Hubbard sei der Meinung gewesen, nicht Hitler habe die Vernichtung der Juden betrieben, sondern ein Geheimbund deutscher Psychiater.

Dieser angeblichen Verschwörung widmet sich auch das von der KVPM herausgegebene Buch "Die Männer hinter Hitler". Zu den Autoren gehört das KVPM-Bundesvorstandsmitglied Volker Kubillus. Stolze 990 Mark kostet eine auf 499 Exemplare limitierte Spezialausgabe, mit Ledereinband und Goldschnitt.

Eine andere Organisation, die "Friedensbewegung Europa/Aktionsbündnis Bosnien-Herzegowina", spinnt die obskure Komplott-Theorie unterdessen weiter und macht serbische Psychiater wie Radovan Karadzic für den Krieg auf dem Balkan verantwortlich. Als die Hamburger CDU-Bürgerschaftsabgeordnete Antje Blumenthal vor zwei Jahren auf die Verbindung der "Friedensbewegung" zur "Scientology-Sekte hinwies, rastete KVPM-Funktionär Trepping aus: "Wenn sie nicht zur Besinnung kommt, muß sie als Mitangeklagte vor das UN-Kriegsgericht gestellt werden." Aus: -STERN 43/95-19-10-95-

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Scientology- Einfluß auf Kruzifix-Klage ?

Untersuchung der "Robin Direkt"-Gründerin Renate Hartwig.

Ulm/Bielefeld. Gewährsleute der international operierenden "Scientology-Church" sollen maßgeblichen Einfluß auf die erfolgreiche Klageführung in dem sogenannten Kruzifix-Verfahren vor dem Bundesverfassungsgericht genommen haben. Zumindest indirekt hätten insbesondere der "Bund gegen Anpassung" und der "Ahriman-Verlag", beide mit Sitz in Freiburg im Breisgau, dem Kläger-Ehepaar Ernst und Renate Seler aus Reuting bei Regensburg nachhaltige juristische Schützenhilfe gegeben.

Dies schreibt Renate Hartwig (Pfaffenhofen), die Gründerin und Vorsitzende der Anti-Scientology-Initiative "Robin Direkt" und Verfasserin des Buches "Scientology - ich klage an!" (Pattloch-Verlag, Augsburg 1994), in ihrem soeben erschienenen neuen Buch "Scientology - Das Komplott und die Kumpane" (Metropolitan Verlag, Düsseldorf). Die Karlsruher Verfassungsrichter, so Renate Hartwig, seien der Verhandlungsführung der Kläger auf den Leim gegangen, sie hätten deren "geschickte Strategie" nicht erkannt.

Unter Verweis auf eine Analyse der sogenannten "Ketzerbriefe", einer Schrift des Ahriman-Verlages, sowie auf einen Beitrag der jüngsten Ausgabe der "Scientology"-Zeitschrift Freiheit kommt Renate Hartwig zu dem Schluß, "die Drahtzieher der Kruzifix-Affäre" praktizierten unverhohlen "den Schulterschluß mit scientologischen Ideologien".

Das Magazin "Freiheit", das dem WESTFALEN-BLATT vorliegt, greift die Bonner Regierung sowie zudem auch nicht näher bezeichnete "Regierungsbeamte" scharf an: Sie hätten "ihren grundgesetzlichen Auftrag hintergangen, um statt dessen die Diskriminierung reilgiöser Minderheiten in Deutschland gezielt anzuheizen"; sie müßten daher "für ihre Taten zur Rechenschaft gezogen werden". Hohes Lob hingegen spendet das Organ der "Scientology-Kirche" dem Bundesverfassungsgericht für die Entscheidung, dem Verlangen des Kläger Ehepaares Seler stattzugeben, daß in Klassenräumen bayerischer Volksschulen die Kruzifixe abgehängt werden müßten, wenn schon ein Einzelner oder eine Minderheit (der Eltern) dies verlange.

Der als undurchsichtig und außerordentlich finanzkräftig geltende "Scientology"-Konzern macht in vielen Ländern einträgliche Umsätze unter anderem mit dem Verkauf von Psychotests und Management-Kursen, die auf den Lehren seines "Erfinders" und Gründers Ron Hubbard fußen. Scientology ist hierzulande nicht als Religionsgemeinschaft anerkannt. Wiederholt verlangen führende Politiker eine Beobachtung durch den Verfassungsschutz oder sogar ein Verbot der Organisation. (Rolf Dressler) Aus: -"Westfalen-Blatt" -02-11-95-

Scientology-Literatur

Die Scientologen schleusen nach einem Zeitungsbericht Sektenliteratur in öffentliche Büchereien ein. Mitglieder der Scientologen hätten Bibliotheken Werke des Sektengründers Ron Hubbard sowie andere Bücher und Videos als Geschenk angeboten, berichtete die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung". Die Scientologen ließen dabei die Bibliothekare über ihre Zugehörigkeit sowie über die Art der Literatur im Unklaren. Aus: -Westfalen-Blatt-21-08-95.

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Die Tiger machen sich fit

Mission nach Moskau: Der Scientology--Konzern, im Westen unter Druck geraten, breitet sich mit aller Macht in Rußland aus/ von Alexander Dworkin

Für westliche Gurus und Psychosekten ist Rußland nach dem Ende des Sowjetimperiums ein offenes Feld. Seit im Lande wirtschaftliches Chaos und ideologische Leere herrschen, hat der Scientology-Konzern allen voran, schon Tausende von Jüngern rekrutiert. Besonders in den Großstädten ist Scientology allgegenwärtig: die Sekte wirbt ständig in Funk und Fernsehen und verbreitet die Botschaft ihres Gründers L.Ron Hubbard millionenfach auf Plakaten, Flugblättern oder in Zeitungsbeilagen.

Seit zwei Jahren versucht Scientology auch, Einfluß zu gewinnen auf Provinzregierungen, hohe Beamte und Wirtschaftsunternehmen. Dabei konzentriert sich die Sekte vor allem auf die Ural-Region, wo Industriekombinate Schwermaschinen und Rüstungsgüter produzieren. Der Bürgermeister der Millionenstadt Perm am westlichen Ural, Wladimir Fil, zeigte sich besonders zugänglich. Er stellte Scientology im März ein mehrstöckiges städtisches Gebäude für die Einrichtung eines Hubbard College of Administration zur Verfügung. Nach einem Bericht der Moskauer Zeitschrift Ogonjok wurden dort inzwischen Direktoren und Manager von 28 staatlichen oder halbstaatlichen Firmen mit Zehntausenden von Mitarbeitern auf die Sektenideologie eingeschworen. Zwei Kombinate aus Perm, die die bizarre "Verwaltungstechnologie" der Scientologen einführten - beides Rüstungsfabriken mit der Einstufung "geheim" -, haben ebenfalls Hubbard -Colleges eingerichtet, um ihr Personal direkt auf dem Fabrikgelände zu schulen. Bei Perm-Motoren, einem Staatsbetrieb mit 3.000 Mitarbeitern, der unter anderem Antriebe für die Iljuschin-76 produziert, gegen Scientologen ein und aus.

Die sogenannte Verwaltungstechnologie der Sekte soll Unternehmen und Behörden für den kapitalistischen Konkurrenzkampf fit machen - Scientology-Jargon: "Nur die Tiger überleben." Häufig überwachen Scientology-Aufseher die Buchhaltung und das Personal. Wer die "Tech" benutzt, muß dafür eine Art Steuer an den scientologischen Wirtschaftszweig World Institute of Scientology Enterprises (WISE) in Los Angeles abführen.

In einem offenen Brief an den Bürgermeister von Perm warnten besorgte Bürger vor dem "gefährlichen Weg". Der Psychokonzern sei auf dem besten Weg, die bedeutende Industriestadt, ja die ganze Region um Perm - zwei Flugstunden von Moskau entfernt - administrativ und wirtschaftlich zu dominieren. Bürgermeister Fil versicherte daraufhin: "Die Einwohner Perms werden nicht von der Sklaverei bedroht. Wir haben alles unter Kontrolle." Fil macht aber keinen Hehl daraus, daß er selber Kurse in einer Moskauer Scientology-Einrichtung besucht hat.

Alexander Guriew, der Chef der Permer Provinzverwaltung, hat sich ebenso einem Scientology-Training unterzogen wie Grigorij Wolchek, der Boß des örtlichen Fernsehsenders. Der Brite John Atack, ehemaliger Scientologe und einer der besten Kenner der Sektenstrategie, fürchtet: "Perm könnte die erste Scientology-Metropole der Welt werden." Wie zur Bestätigung überreichte Bürgermeister Fil im Mai einem ranghohen Scientology-Funktionär aus den USA symbolisch die Schlüssel der Stadt.

Schon 1992 hatte Scientology in einer "Wichtigen Unterweisung Rußland" alle europäischen Scientologen aufgerufen, Geld für die Mission in Rußland zu spenden: "Wir haben die Technologie, um die Menschheit wirklich zu befreien!" Inzwischen hat die Sekte im Lande ein regelrechtes Imperium von Hubbard-Colleges, "Missionen" und Dianetik-Zentren errichtet.

Allein im Moskauer Dianetik-Zentrum absolvierten nach Scientology-Angaben 1994 über 14.000 Menschen teure Kurse zur "totalen geistigen Freiheit". Die Hubbard-Jünger haben relativ leichtes Spiel, den ihre Philosophie gilt als westlich, schick und karrierefördernd: den meisten Interessenten bleibt zunächst verborgen, daß sich hinter der "wissenschaftlichen Methode" das System Scientology verbirgt.

Scientology zielt vor allem auf die Reichen, die Mächtigen, die Massenmedien, aber auch die Sicherheitsorgane. Bruce Wiseman, ein leitender WISE-Mann, wurde 1993 vom Moskauer Innenministerium eingeladen, um vor Polizeichefs aus der gesamten russischen Föderation die Hubbard-Technologie vorzustellen. Bedeutende russische Militärs trafen mehrfach mit Lynn Irons, dem Leiter des Hubbard-College in Moskau, und anderen führenden Scientologen aus den USA zusammen.

Die scientologische Invasion begann 1990. Damals besuchten bekannte russische Persönlichkeiten die Londoner Zentrale der Sekte: Kosmonautengeneral Pawel Popowich, der russische Drogenexperte Wladimir Iwanow und der Vizedirektor der damaligen Regierungszeitung Iswestija, Igor Andrejew. Eigenladen hatte die vorgebliche Drogenrehabilitation Narconon, eine Scientology-Tarnorganisation. Narconon erhielt wenig später die Erlaubnis zum Bau einer Filiale mit 400 Betten in Moskau. Dort werden jetzt reiche Russen zur Kasse gebeten, die über Alkoholprobleme klagen. Man traktiert sie mit dem sogenannten Reinigungs-Rundown. Dabei handelt es sich um stundenlange Saunagänge mit hochdosierten Vitamingaben, eine Roßkur, die Fachleute wie Klaus Behrend von der Hamburger Klinik Ochsenzoll schon vor Jahren als "medizinischen Müll" bezeichneten.

Der Reinigungs-Rundown soll laut Scientology-Broschüren nicht nur bei Drogensucht, sondern auch bei verschiedenen anderen Leiden helfen, von Kopfschmerzen bis "Kriminalität". Mit solchen Heilsversprechen gelingt Scientology offenbar der Einbruch ins medizinische Establishment. In den Kremlkliniken, wo sich Politiker, hohe Beamte und Neureiche behandeln lassen, agieren nach unserer Kenntnis bereits mindestens zehn Scientology-Ärzte als fünfte Kolonne der Sekte und kassieren bis zu tausend US-Dollar pro "Sitzung".

Geschickt nutzen Scientologen die Hilflosigkeit der russischen Medizin, um sich als Retter der Tschernobyl-Opfer aufzuspielen. Sie behaupten, ihre Saunakuren würden "die Radioaktivität vollständig aus dem Körper zu spülen". In der Klinik Wasilieskoje bei Moskau wurden in diesem Frühjahr 27 Kinder aus Tschernobyl zwei Wochen mit dem Reinigungs-Rundown behandelt: sechs Stunden Sauna pro Tag. Anschließend wußten die Kinder zwar alles über L.Ron Hubbard, aber besser ging es ihnen nicht, im Gegenteil. Die kleinen Patienten litten unter Schwindelanfällen, beschleunigtem Herzschlag oder bedrohlicher Furunkulose. Die "Behandlung" wurde zudem gegen den Protest seriöser Ärzte durchgeführt und ohne Wissen der Eltern.

Dessen ungeachtet hielten die Scientologen am 15. Mai im Sanatorium Wasilieskoje eine große Pressekonferenz ab, auf der sie das "erfolgreiche Entgiftungsprogramm"" L.Ron Hubbards" feierten. Die Festrede hielt der englische Scientologe David Gaiman, der als Hintermann einer Firma namens Humanitarian Detoxification Services mit Lizenz des Gesundheits- und Justizministeriums die Experimente steuert. Gaiman ist jedoch kein Arzt. Er war Anfang der achtziger Jahre Chef des scientologischen Geheimdienstes Guardian's Office und gilt als Experte für Subversion. Seine Firma G & G Vitamins mit Sitz in England stellt die Vitamine her, die beim Reinigungs-Rundown verabreicht werden. Die "erfolgreiche Therapie" der Kinder sollte dem Sektenkonzern offensichtlich weitere Türen in den Kremlkliniken öffnen und damit den Weg zu einflußreichen Patienten aus der russischen Elite ebnen.

Offiziell agieren in Wasilieskoje, Moskau oder Perm russische Scientologen, doch im Hintergrund stehen die Offiziere des wohl größten privaten Geheimdienstes der Welt, der heute nicht mehr Guardian's Office, sondern OSA (Office of Special Affairs) heißt und als dessen Filialen in Rußland die Hubbard-Colleges gelten können. Obwohl der russische Geheimdienst Federalnaja Sluschba Kontrrazwiedki (FSK) die seltsamen Akademien unlängst als Zentralen "ausländischer Spione" einstufte, scheinen auch die KGB-Nachfolger selbst infiltriert zu sein. Im Sommer 1992 fand im brandenburgischen Senftenberg ein Ferienlager für Tschernobyl-Kinder aus der Region Brjansk statt, an dem nach Angaben eines der Veranstalter Geheimagenten aus dem Stab des damaligen russischen Vizepräsidenten Alexander Ruzkoj teilnahmen. Das Lager war von Berliner Scientologen mitorganisiert worden. Ruzkoj zitierte in einem Interview mit der Literaturnaja gasjeta - kurz vor seinem Putsch gegen Präsident Jelzin - ausführlich aus Hubbards Dianetik-Buch. Und in Brjansk gibt es heute ein Dianetik-Zentrum.

Damals standen die Scientologen bereits mit einem Bein im Kreml. Mittlerweile reichen ihre Verbindungen in weite Bereiche von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Dianetik-Zentren und Hubbard-Colleges existieren in über vierzig Großstädten zwischen Brest und Wladiwostok; die meisten haben Dutzende von Mitarbeitern. Mehrere tausend Industriemanager aus meist maroden staatlichen Kombinaten besuchten seit 1992 die verschiedenen Seminare, deren fünf Basiskurse allein 500 US-Dollars kosten. Scientology nutzt die gewaltige Nachfrage nach Management-Know-how und das unkritische Vertrauen in westliche Produkte. Kursabsolventen berichteten, daß die Hubbard-Jünger ihnen totale Kontrolle über ihre Untergebenen, unbegrenzte Profite und persönliche Bereicherung versprechen. Dabei verlangt die Sekte, daß ihre Anordnungen strikt befolgt werden.

Über ein Beispiel mit schlimmen Folgen, den Fall der Moskauer &Ventilatorenfabrik Moven AG, berichtete die Zeitschrift Ogonjok. Danach &führte Alexander Mironow, der Präsident des 600 Mitarbeiter &starken Unternehmens, nach der Absolvierung von Scientology-Kursen 1993 in &dem Werk die Hubbard-Technologie ein. Zunächst wurden alle leitenden &Angestellten, dann die Arbeiter in "Kurse" geschickt. Wer sich weigerte, &mußte mit Prämienentzug rechnen. Die Arbeiter hatten &"Wissensberichte" über sich selbst, aber auch über ihre Kollegen &zu schreiben. Infolge der Maßnahmen sank die Produktivität; Ende &1994 hatten fast alle qualifizierten Kräfte des Werk verlassen. &Zugleich zahlte Moven immer höhere Kurs- und Lizenzgebühren an &die Sekte. Dann nahm die Geschichte eine überraschende Wendung: Am 25. &Januar 1995 betraten Unbekannte das Büro des Fabrikchefs und &erschossen ihn. Der nach dem Mord eingesetzte neue Direktor stoppte das &Hubbard-Programm. Die Polizei ermittelt noch in dem Fall; bisher wurden die &Mörder nicht gefaßt.

Zu dem in kurzer Zeit aufgebauten verzweigten Netz von Unternehmen, die die "Verwaltungstechnologie" von Scientology verwenden, gehören offensichtlich nicht nur Betriebe der Schwerindustrie, sondern auch Versicherungsunternehmen, Beratungsfirmen und sogar Banken, insgesamt mindestens 300 Betriebe. Westliche Erfahrungen lehren, daß Personaldaten und geheime Produktionsunterlagen häufig an die Sekte weitergegeben werden. "Scientologen sind, entsprechend ihrem Ehrenkodex, nur der Organisation und niemand sonst gegenüber loyal", erläutert der Berliner Sektenexperte Thomas Gandow.

Das ist besonders brisant, wenn die Organisation Zugriff auf Staatsgeheimnisse gewinnt. Am 10. Januar 1995 berichtete die einflußreiche Moskauer Zeitung Nezawisimaja gasjeta, daß Scientologen die Arbeiter eines Rüstungsbetriebes in der "Nuklearstadt" Obninsk (Klassifikation "topsecret") ausführlichen psychologischen Tests unterzogen hätten. Der Direktor der großen Optisch-Mechanischen Werke in Jekaterinburg - auch eine Waffenschmiede mit Geheimhaltungsstufe - gründete ein Hubbard-College auf dem Firmengelände und kündigte im März 1995 an, er werde sämtliche Arbeiter auf die Hubbard-Technologie verpflichten.

In den Moskauer Vororten Jubileiny und Kaliningrad liegen zwei Wissenschaftszentren, die so geheim sind, daß über ihre Arbeit bis vor kurzem kaum etwas bekannt war: die russische Nasa mit ziviler, aber vor allem militärischer Weltraumforschung. Scientologen gelang es, sich unter dem Vorwand, Englisch zu unterrichten, Adressenlisten der Mitarbeiter zu verschaffen. In Jubileiny versuchten sie sogar, Mitglieder aus dem militärisch abgeschirmten Zentralen Wissenschaftlichen Forschungsinstitut Nr. 4 zu werben. Dort werden die strategischen Atomraketen Rußlands entwickelt. Leitende Militärs glauben, daß es im Institut eine Reihe scientologischer "U-Boote" gibt. John Atack kommentiert: "Es ist eine furchterregende Vorstellung, daß Mitglieder dieser totalitären Organisation Einfluß auf russische Nuklearwaffen oder illegalen Handel damit bekommen könnten."

Noch weiß die russische Öffentlichkeit wenig von Scientology. Doch der Skandal um die inzwischen verbotene Aum-Sekte hat dazu geführt, daß Sektenkritiker jetzt mehr Platz in den Medien erhalten. Bürgermeister Fil in Perm wird sich dadurch kaum beirren lassen. Auf die Frage, wann den die ersten "Agenten" in seinem Büro auftauchen würden, antwortete er im Interview mit Ognojok: "Wieso auftauchen ? Sie sind schon längst da." (Mitarbeit und deutscher Text: Frank Nordhausen) Der Autor, Alexander Dworkin, ist Sektenbeauftragter der russisch-orthodoxen Kirche in Moskau. Eine ausführliche Analyse der russischen Scientology-Aktivitäten wird er in der Dezemberausgabe des Berliner Dialogs (Zeitschrift des Dialog-Centers Berlin, Heimat 27, 14165 Berlin) veröffentichen. Aus: -DIE ZEIT Nr. 45-03-11-95-

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CDU fordert Scientology-Verbot

Ein Verbot der Scientology-Sekte hat die CDU-Landtagsfraktion gefordert. Da die Scientologen mit totalitären Mitteln immer mehr Menschen in psychische und materielle Abhängigkeit brächten, müßten alle Organisationen der Sekte durch den Verfassungsschutz geprüft werden, um genügend gerichtsverwertbares Material für ein Verbot der Sekte zu erhalten. In einem Antrag im Landtag warnt die CDU-Fraktion vor der Gefahr durch die mafiaähnlich operierende Organisation. Nach Angaben des CDU-Fraktionschefs Helmut Linssen deutet alles darauf hin, daß es sich bei der Scientology-Church um eine Sekte handelt, deren Verständnis von Demokratie und Rechtsstaat nicht dem Grundgesetz entspreche. Sollten sich die zahlreichen Aussagen von Aussteigern über Gehirnwäsche von Mitgliedern sowie Erpressung und Psychoterror gegenüber Außenstehenden in einer Prüfung durch den Verfassungsschutz bestätigen, müsse Scientology verboten werden.

Selbst vor Kindergärten und Schulen macht Scientology nicht mehr Halt. Das ausgestiegene Scientology-Führungsmitglied Vaughn Young bestätigte, daß die Sekte keine Seelen retten wollte. Young: "Wir wollten Regierungen auf unsere Linie bringen, Kontrolle über Banken und Medien erhalten."

Linssen: Unter dem Deckmantel der "kirchlichen Einrichtung" versucht Scientology, Einfluß und Macht in allen gesellschaftlich relevanten Schichten und Organisationen zu gewinnen." Hauptziel sei die Erzielung von Gewinn. Das Institut der Deutschen Wirtschaft warnt vor Folgen: "Psychische Deformation, bis zum Ruin verschuldete, erpressbare Mitarbeiter, Wirtschaftsspionage und Veruntreuung." Aus: -Westfalen-Blatt-08-11-95-

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Scientology-Gefahr

Brisantes Thema im Osnabrücker Rat. - Ein heißes Eisen wird in der Ratssitzung am Dienstag angefaßt: Schutz vor der weiteren Verbreitung der Scientology-Organisation.

Die SPD hat einen Antrag eingebracht, der verhindern will, daß Scientologen "in die Verwaltung eindringen und dort insbesondere Führungspositionen besetzen". Danach sollten externe Stellenbewerber, die für Posten ab Abteilungsleiterebene vorgesehen sind, künftig schriftlich versichern, daß sie nicht nach Methoden des Psychosektengründers L.Ron Hubbard arbeiten, nicht in Scientology-Seminaren geschult wurden und Hubbards Strategien ablehnen.

Franktionsvorsitzende Alice Graschtat: "Eine vorsorgliche Maßnahme, die auch im Hinblick auf die anstehende Verwaltungsreform zu sehen ist, die einen größeren Beratungsbedarf mit sich bringt." Vor allem Marketing- und Seminarbereich gelten als Betätigungsfeld Scientologynaher Firmen. Auch städtische Vertragspartner sollen deshalb in Zukunft eine Anti-Sekten-Erklärung unterschreiben.

Hamburg hat sogar eine "Arbeitsgruppe Scientology" ins Leben gerufen, die die Sekten-Aktivitäten beobachtet. Es gibt auch Hinweise, daß Osnabrück keine Scientology-freie Zone ist. Ein Nachrichtenmagazin soll nach Information eines lokalen Sekten-Kenners recherchiert haben. Aus: -ON am Donnerstag-02-11-95-

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