Schulaufsicht ist "nicht ausreichend"
Verwaltungsgericht München zur Kontrolle einer Einrichtung des "Universellen Lebens". Auswirkungen auf die Kinder zu wenig bedacht - Sektenbeauftragter: Betrieb "grundgesetzwidrig" . (Würzburg) - Nach diesem Urteil hält Wolfgang Behnk, Sektenbeauftragter der evangelischen Landeskirche, die Zeit für gekommen, die Volksschule der umstrittenen Sekte Universelles Leben (UL) in Esselbach (Kreis Main-Spessart) von Amts wegen zu schließen. Das Münchner Verwaltungsgericht (VG) erlaubte es dem Kirchenmann, die private Schule grundgesetzwidrig zu nennen. Und nicht nur das: Die Richter übten auch deutliche Kritik an den Schulaufsichtsbehörden.
Die Schule, in der nur Kinder von UL-Angehörigen unterrichtet werden, war von Anfang an umstritten. Das UL setzte die Zulassung durch die Gerichte durch. "Wir verloren einen Prozeß nach dem anderen", sagte Toni Schmid, Sprecher des Kultusministeriums.
Nach Ansicht von Behnk kann es das Ministerium nach dem jüngsten Urteil nicht mehr dabei belassen. Die Meinung des Sektenbeauftragten, so das VG, die Schule verstoße gegen das Grundgesetz, weil sie die freie Entfaltung der Persönlichkeit mißachtet, ist nicht "abwegig", oder "aus der Luft gegriffen". Zwar gab es bei wiederholten Visitationen der Regierung von Unterfranken keine Beanstandungen. Die Aussagen über den Schulbetrieb seien, so die Richter, aber "sehr allgemein" und setzten sich "nicht ausreichend mit den möglichen Auswirkungen der schulischen Vermittlung der Glaubensinhalte des Universellen Lebens auf die unterrichteten Kinder auseinander". Sie könnten sich "kaum einer denkbaren Indoktrinierung entziehen".
Auf 33 Seiten begründeten die Richter ihren Beschluß ausführlich mit dem Hinweis auf den Bayerischen Verwaltungsgerichtshof (VGH), der sich in verschiedenen Verfahren gründlich mit UL-Schriften auseinandersetzte. Dort heißt es zum Beispiel der Mensch gebe nichts auf, wenn er das Individuelle abstreife, nur so könne er sich veredeln und sich ausrichten auf die Allharmonie. Erforderlich sei Disziplin, um ein neues Menschtum entstehen zu lassen, das sich nicht um seinen Nächsten und die weltlichen Dinge kümmere.
"Große kosmische Lehren"
Es sei erforderlich, wenig zu reden und noch weniger zu denken. Man solle, so die UL-Schrift, "Die großen kosmischen Lehren", nur sprechen, wenn man gefragt werde, wenn möglich, solle man nichts fragen. Die Konsequenzen der UL-Lehre stufte der VGH im Hinblick auf ihre möglichen sozialen und psychischen Folgen als gefährlich ein.
Dieser Auffassung schließt sich das VG in seinem jüngsten Beschluß an. Das Bestreben der Glaubensgemeinschaft, ihre Anhänger zu "entprivatisieren" und zu "entpersönlichen" sei erkennbar ein wichtiger Baustein für das Fundament des UL. Nach seiner "Gemeindeordnung" könne dem UL ein "Hang zum Totalitarismus" bescheinigt werden. Sie könne ein Instrument totalitären Machtanspruchs in einem System von gegenseitiger Bespitzelung, Kontrolle und Überwachung sein.
Für Ministeriumssprecher Toni Schmid ist der VG-Beschluß Anlaß, "sich noch einmal mit der Schulaufsicht in Unterfranken zu unterhalten". Bisher habe es keine Beanstandungen gegeben, "dabei glaube ich nicht, daß es in Bayern eine Schule gibt, die sich lückenloser Beaufsichtigung erfreut" wie die UL-Einrichtung.
Auch Günter Fries, Leiter des Schulamtes Main-Spessart, bestätigt, daß es "mit dem UL bisher keine Probleme gab", Lehrbücher, Lehrpläne und sogar Schulhefte wurden regelmäßig begutachtet, "das vorhandene Instrumentarium voll ausgeschöpft". Eine "echte Kontrolle" durch Langzeitbeobachtungen sei aber nur eingeschränkt möglich. Die Verantwortlichen der Schule könnten sich auf die Besuche einrichten und mögliche Probleme vorher aus dem Weg räumen.
Für den Sektenbeauftragten steht fest: "Auch wenn noch keine konkreten Mißstände sichtbar geworden sind, der Staat kann nicht untätig bleiben, wenn eine Gruppe wie das UL eine Schule mit so gefährlichen Globalzielen betreibt." (Michael Kasperowitsch) Aus: -Nürnberger Nachrichten-03-07-95-
Presseerklärung: Ganzheitsmedizin mit Sekten-Hintergrund.
- Mit Vorträgen über Ganzheitsmedizin werben derzeit im Rhein-Main-Gebiet ein "Internationales Institut für Erfahrungskunde" sowie die Naturklinik "Haus der Gesundheit", ansässig im fränkischen Marktheidenfeld-Michelried. Beide Institute zählen zu den "Christus-Betrieben" von Angehörigen der Neuoffenbarungs-Sekte "Universelles Leben". Neben Diagnose-Methoden wie Auras-Tests und Kirlian-Photographie, die von der wissenschaftlichen Medizin abgelehnt werden, spielen hier die eigenwilligen Krankheitstheorien des "Universellen Lebens" eine Rolle. So führt die erste Vorsitzende des Instituts für Erfahrungs-Heilkunde Epidemien auf "Kosmische Gesetzmäßigkeiten" und "Verstöße gegen die göttlichen Gesetze" zurück.
Hinter vorbeugenden Impfungen stehe "eine mangelndes Vertrauen zur Führung durch Gott" (Alle Zitate aus "Der Christusstaat" 10/87). Eine "Ganzheits-Medizin", deren theoretischer Hintergrund von den vorgeblichen Offenbarungen der 'Prophetin' des Universellen Lebens mitbestimmt wird, ist weltanschaulich nicht unabhängig. Diese Bindung an das "Universelle Leben" ist jedoch den Werbezetteln für die Veranstaltungen nicht zu entnehmen. Es drängt sich der Verdacht auf, daß hier das Interesse vieler Menschen an einer ideologiefreien "sanften Medizin" klammheimlich für eine weltanschauliche Werbung ausgenutzt wird. -Unterzeichnet: Lutz Lemhöfer, Weltanschauungsbeauftragter, Limburg - Eckhard Türk, Weltanschauungsbeauftragter, Mainz - Kurt-Helmuth Eimuth, Beauftragter dür Religions- und Weltanschauungsfragen, Frankfurt. -Frankfurt am Main - 16.05.95-