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Esoterik: Falsche Freunde für den Frieden

Mitglieder der Mun-Sekte, Atomkriegsanbeter aus Schottland und asiatische Heilslehrer gehören zu den Gründern der Friedensuniversität in Potsdam. - Es sähe im ehemaligen Jugoslawien heute anders aus, wenn die internationale Bosnien-Kontaktgruppe früher gewußt hätte, daß der "Stille Qi Gong" durch "12 Tore zum inneren Frieden" führt.

Derlei Peace-Poesie offeriert im September das Promotion-Programm für eine Friedensuniversität, die am 1. Oktober offiziell in Potsdam gegründet werden soll. Gott und die Welt - von Seiner Heiligkeit dem Dalai Lama bis zum Pop-Patissier Peter Maffay - referieren, diskutieren, spekulieren und meditieren über den Frieden.

Beschirmt von nicht weniger als zehn Friedens- und 25 sonstigen Nobelpreisträgern, hat der Schriftsteller Uwe Morawetz, in Berlins Esoterik-Szene als Geschäftsführer eines Astroshops bekannt, ein Treffen von Wissenschaftlern, Pop- und Filmstars, Schriftstellern, Wunderheilern und Politikern organisiert.

Ein Brainstorm von Hurrikan-Stärke wird es wohl werden, wenn Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth auf den schlagfertigen Bud Spencer trifft, Inge Meisel sich an Walentin Falin reibt, Michael Ende der italienischen Diva Milva unendliche Geschichten erzählt oder der Clown Dimitri mit dem Entsetzen seine Scherze treibt.

Ob tatsächlich alle kommen, "weiß nur Gott, und dem vertrauen wir", sagt Morawetz. Verlassen kann er sich auf seinen Gönner, den Dalai Lama. Leider sorgt gerade der tibetische Gott-König für Ärger: Seit 1987 hat er sich fünfmal mit Shoko Asahara getroffen, dem Chef der Aum-Sekte, die für die Giftgas-Anschläge auf die Tokioter U-Bahn verantwortlich gemacht wird. In zwei peinlichen Empfehlungsschreiben lobte er den mittlerweile inhaftierten Sektenführer als "kompetenten religiösen Lehrer".

Noch Wochen nach dem ersten Gasangriff nannte der Dalai Lama den Sekten-Terroristen einen "Freund, wenn auch nicht unbedingt einen vollkommenen". Morawetz entschuldigt: "Der Dalai Lama ist leider ein sehr offener Mensch."

1991 hatte der Uni-Gründer ein Erlebnis der besonderen Art. "Ich kannte mal einen Indianer", erinnert er sich. "Mit dem ging ich in Berlin spazieren. Und plötzlich sagte der: "Man müßte mal ein großes Treffen machen, bei dem alle Weisen der Welt zu einem Medizinrad-Treffen zusammenkommen." So ist die Fördergemeinschaft zur Gründung der Friedensuniversität entstanden."

Im Überschwang der Gefühle hat Morawetz offensichtlich den Bodenkontakt verloren. Anders lassen sich die Pannen und Pleiten, die mittlerweile auch die Justiz beschäftigen, nicht erklären.

Kritische Kommentare, das "Potsdamer Mysterium" seien "Hochstapelei", beeindrucken vor allem die Prominenten, mit denen sich das Projekt schmückt. Um so mehr, seit sich herausstellte, daß Morawetz deren Teilnahme an früheren Friedensgesprächen als Blankoscheck für seine Universität mißbrauchte.

Der Berliner Ärztekammerpräsident Ellis Huber, bis 1994 Vorstandsmitglied im Gründungsrat, hält es "für unseriöse kulturpolitische Hochstapelei, Leute anzuschreiben und deren freundliche Antworten als Zusage zu mißbrauchen". Ganz so blauäugig können die Prominenten indes nicht gewesen sein.

Wenn auch heute Bundestagsvizepräsidentin Antje Vollmer, der Publizist Fritz J. Raddatz, Klaus Bednarz vom WDR oder die PDS-Spitzenfunktionäre Gregor Gysi und Lothar Bisky entrüstet erklären, niemals zugestimmt zu haben, Beiratsmitgieder der alternativen F.U. zu werden - in Briefen, die Morawetz vorlegt, klingt das anders.

Antje Vollmer am 28. Dezember '91: "Möchte gerne meine Bereitschaft erklären, Mitglied des Ehren-Beirats zu werden." Fritz J. Raddatz am 12. Februar 1992: "Ich bin nicht nur einverstanden, sondern freue mich ...." Klaus Bednarz am 7. Januar 1992: "Ich nehme diese Einladung gern an." Gregor Gysi empfiehlt sich Ende 1991 sogar als Referent und legte noch eine 500-Mark-Spende bei.

Ein Grund der wachsenden Zurückhaltung: die Verfilzungen zwischen der Fördergemeinschaft und der "Astra-Data-GmbH", die beide in Morawetz' Privatwohnung in der Berliner Akazienstraße 27 residieren. Das Gefühl, daß auch Gelder hin- und herflossen, führte dazu, daß der gesamte Vorstand des Vereins im November 1994 zurücktrat. Ex-Vorständlerin Manina Lassen-Grzech: "Morawetz ist ganz einfach unseriös im Umgang mit Finanzen."

Aufgeschreckt gingen etliche Sponsoren auf Distanz: So das Kempinski Hotel, der Ostdeutsche Rundfunk Brandenburg und die Hamburger Werbeagentur Scholz & Friends. Graf Dohna, Syndikus der Friedrich-Naumann-Stiftung, hat die Justiz bemüht, um klarzustellen, daß die Stiftung nichts mit der geplanten Uni zu tun haben wolle. Der FDP-Verein klagt gar auf Unterlassung und droht Schadensersatz-Forderungen an.

Die Panikmache ärgert vor allem Marie-Luise Schwarz-Schilling, seit Januar Schatzmeisterin des Projekts und Frau des Ex-Bundespostministers: "Solche Rufmord-Kampagnen sind mir nicht fremd. Dennoch finde ich die Idee einer Friedensuniversität toll", sagt die 60jährige, die sich selbst als "expimentierfreudig" beschreibt und mit "Anmerkungen zu Liebe und Partnerschaft" unter dem Titel "Himmelhochjauchzend, zu Tode betrübt" die Friedensdiskussion belebt. "Viele erschrecken eben schon über Morawetz' Kahlkopf."

Seriöse Friedensforschungsinstitute halten sich aus anderen Gründen fern. Der Leiter des Hamburger Instituts, Dr. Dieter S. Lutz: "Da ist kein wissenschaftlich ausgewiesener Friedensforscher dabei."

Mitmachen will dagegen die schottische Findhorn Foundation. Einer der geistigen Väter der Vereinigung, George Trevelyan, preist die Erlösung der Menschheit durch einen atomaren Holocaust: "Nach einem Atomkrieg könnte die Erde in neuer Schönheit entstehen."

Gleich mit zwei Referenten ist die faschistoide Mun-Sekte dabei: Paulos Mar Gregorius sitzt als Schirmherr im "Mun Council of World Religions". Huston Smith hat sich um die Jugendarbeit der Sekte verdient gemacht.

Frieden verspricht bei so viel Konfliktstoff allenfalls die Hamburgerin Mechthild Scheffer. Die Gründerin des "Instituts für Bach-Blütentherapie, Hamburg, Wien, Zürich", stellt ihre Therapie unter dem Titel "Erfühle deine Seelenlandschaft" in den Dienst der guten Sache. (Nicolaus Neumann)

Aus: -Stern 36/95-31-08-95-

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Urteil:

Bei einer Scheidung wurden die Kinder der Mutter zugesprochen. Dagegen klagte der Vater. Erfolgreich: Das Oberlandesgericht Frankfurt übertrug ihm das Sorgerecht. Begründung: Die Mutter hatte sich nach der Trennung den Zeugen Jehovas angeschlossen. Der Richter war überzeugt, daß die religiöse Gruppe negative Auswirkungen auf die Kinder hat (6 UF 105/93).

Aus: -Hörzu-29-09-95-

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Literaturhinweise

"Der Sekten-Konzern - Scientology auf dem Vormarsch"/ Billerbeck/Nordhausen
Chr. Links Verlag
ISBN 3-86153-071-6
29,80 DM

"Scientology: Magie des 20. Jahrhunderts"/ Friedr.-Wilh. Haack
Claudius-Verlag
3. durchgesehene u. erweiterte Aufl. 1995
ISBN 3-532-62003-0
44,-- DM

"VPM - Die Psychosekte"/ Efler/Reile
Rohwohlt Verlag
ISBN 3-499-19911-4
14,90 DM

"Transzendentale Meditation"
Friedr.-Wilh. Haack
Münchener Reihe
ISBN 3-583-50622-7
9,80 DM

Gabriele Witteks "Universelles Leben" / Friedr.-Wilh. Haack
Münchener Reihe
ISBN 3-583-50643-X
14,80 DM

Jehovas Zeugen /Fr.-W. Haack
Münchener Reihe
ISBN 3-583-50608-1
6,60 DM

Neuapostolische Kirche/Fr.-W. Haack
Münchener Reihe
ISBN 3-583-50617-0
6,50 DM

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