Scientology

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  1. "Scientology" ködert junge Leute mit Lehrstellen
  2. Info-Stand untersagt
  3. Scientologen haben gewerbliche Ziele
  4. "Das ist Psychokrieg"
  5. Verbindungen bis in die Chefetagen
  6. Gegen Scientology vorgehen
  7. Scientology unterliegt vor Gericht in USA
  8. Scientology gegen die Grundordnung
  9. Scientology ist verfassungsfeindlich
  10. Scientology wirbt in der Psychiatrie
  11. Scientology-Urteil
  12. "Krake Einhalt gebieten"
  13. Sakrales für die Scientologen ?
  14. Schätzle: Mit kritischen Argumenten unnachgiebig Standpunkt beziehen.

"Scientology" ködert junge Leute mit Lehrstellen

NRW-CDU-Chef Linssen will Sekte verbieten lassen. (Helmuth v.d.Gathen) "Scientology" geht in die Offensive. Die neuesten Methoden, an Rhein und Ruhr vor allem jüngere Mitglieder zu werben:

Pfarrer Joachim Keden, Sektenbeauftragter im Rheinland: "Solche Aktionen sollen das Image von Scientology aufbessern". Das Diakonische Werk Düsseldorf verschickte bereits Warnbriefe an Eltern, Kindergartenleiterinnen und Fachschulen.

Helmut Linssen (53), Chef der CDU im Landtag, würde "diese dubiose Organisation" in NRW (2.000 Mitglieder nach Eigenauskunft) am liebsten gesetzlich stoppen lassen: "Scientology ist weder Kirche noch Religionsgemeinschaft, sondern ein gewinnbringendes Wirtschaftsunternehmen. Dies braucht nicht den besonderen Schutz der NRW-Verfassung, sondern dringend Beobachtung durch den Verfassungsschutz. um gerichtsverwertbares Material für ein Verbot zu erhalten." Aus: -Bild-08-11-95-

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Info-Stand untersagt

Scientologen klagen vor OVG. - Für Scientologen beginnt die Missionsarbeit in den Fußgängerzonen, in Hamburg oder Hannover wie in Lüneburg. Zeigen sich Passanten ansprechbar, werden ihnen Angebote angedient - vom Buch über Dianetik bis zum Persönlichkeitstest, gegen Geld, versteht sich. In Hannover ist das der Scientology Kirche verboten worden. Dagegen klagt sie nun am Oberverwaltungsgericht (OVG) Lüneburg.

Die "Niedersächsische Elterninitiative gegen den Mißbrauch von Religionen" hat sich besorgt an das Jugendamt gewandt; die Behörde forschte und befand: Passanten würden in "Massiver Form" angesprochen. Der Jugendpsychologische Dienst der Stadt stufte die Persönlichkeitstests für Minderjährige als gefährlich ein.

Die Stadtverwaltung untersagte den Scientologen ihr offensives Vorgehen: Erstens gehe es hier nicht um die - bloße Informations-Arbeit einer Religionsgemeinschaft, sondern auch um Verkauf, also um genehmigungspflichtige straßenrechtliche Sondernutzung. Zweitens liege ein Verstoß gegen das Recht der Eltern vor, die Inhalte der Erziehung ihrer Kinder allein zu bestimmen.

Dagegen wehren sich die Scientologen: Die Werbung von Mitgliedern sei vom Grundgesetz ("die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet") geschützt. Leute anzusprechen, bedürfe keiner Sondergenehmigung, das gehöre zum "kommunikativen Verkehr in einer Fußgängerzone". Im übrigen seien noch nie zielgerichtet Kinder und Jugendliche angesprochen worden - höchstens mal irrtümlich, in zwei oder drei Fällen. Das Verwaltungsgericht Hannover gab der Klage der Scientologen statt.

In erster Instanz unterlegen war die "Kirche" dagegen in ihrem Begehren, in den Fußgängerzonen Info-Stände aufbauen zu dürfen. Das Ordnungsamt hatte Scientology als "auf Gewinn bedachtes Wirtschaftsunternehmen" eingestuft, bei dem "Überzeugungsarbeit nicht im Vordergrund steht", sondern der Verkauf von Büchern, Tests und SchulungsKursen.

Die Scientologen beharrten in ihren Anträgen bei der Stadt vergeblich darauf, als nichtgewerblich eingestuft zu werden. Der Rechtsanwalt vor dem OVG: Dem Kläger solle "offensichtlich kein Forum gegeben werden, sich darzustellen", er sei bei der Verwaltung "von Pontius nach Pilatus" geschickt worden".

Das Urteil des OVG Lüneburg liegt heute vor. Aus: -Landeszeitung-14-11-95-

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Scientologen haben gewerbliche Ziele

Die umstrittene Scientology-Church braucht nach einem Urteil des Oberverwaltungsgerichts Lüneburg (OVG) für ihre Straßenwerbung eine besondere Erlaubnis. Wie das Gericht in einem gestern veröffentlichten Urteil erklärte, verfolgen die Scientologen gewerbliche Zwecke, wenn sie Passanten auf der Straße ansprechen. Dafür sei eine sogenannte Sondernutzungserlaubnis notwendig. Die Stadt Hannover hatte der Sekte untersagt, Passanten in der Fußgängerzone anzusprechen, um Persönlichkeitstests und andere Dienstleistungen gegen Bezahlung anzubieten. (AZ: 12L1856/93)

Aus: -Neue Westfälische-15-11-95-

"Das ist Psychokrieg"

Arbeitsminister Norbert Blüm über die Gefährdung der Gesellschaft durch den Sektenkonzern Scientology.

SPIEGEL: Herr Blüm, Sie sind der einzige Minister in der Bundesregierung, der lautstark vor der Psychosekte Scientology warnt. Was alarmiert Sie ?

Blüm: Vor zwei Jahren traf ich auf einer Wahlveranstaltung in Süddeutschland eine Mutter, die ihren Sohn an diese menschenverachtende Sekte verloren hatte. Aus dem jungen Mann war ein völlig anderer Mensch geworden, und sie hatte keinerlei Zugang mehr zu ihrem Kind. Welchen Terror Scientology auf Menschen ausübt, ist mir da zum erstenmal klargeworden.

SPIEGEL: Inzwischen stehen Sie ganz oben auf der Feindliste der Sekte. In der Scientology-Propaganda erscheinen Sie als "geistiger Brandstifter" in der Tradition Adolf Hitlers. Der Vorwurf lautet, Sie verfolgten die Scientologen wie die Nazis die Juden im Dritten Reich.

Blüm: Wenn es nur mich träfe, ginge das ja noch. Aber wer unsere Kampagne gegen die Sekte, die wir mit rechtsstaatlichen Mitteln führen, mit dem Massenmord an den Juden vergleicht, der beleidigt die Opfer des Holocaust. Da ist bei mir Schluß.

SPIEGEL: Müssen Sie nicht mehr fürchten als Verleumdungen und verbale Angriffe ? Sektengründer L.Ron Hubbard gab die Devise aus, "jeder kann" Scientology-Kritiker wie Sie "austricksen, verklagen, belügen und vernichten", um sie mundtot zu machen.

Blüm: Das gehört zur Einschüchterungsstrategie dieses Vereins. Aber wenn einer glaubt, er könne mir Angst machen, werde ich erst recht bockig. Falls mir wirklich etwas passiert, wird ja sicher jemand auf die Idee kommen, nach Spuren zu suchen. Da bin ich besser geschützt als zum Beispiel ein Beamter im Arbeitsamt. der einem Scientologen die Lizenz zur Arbeitsvermittlung verweigert. Wenn sie den fertigmachen, dann fällt das natürlich weniger auf als bei mir.

SPIEGEL: Scientology nimmt für sich in Anspruch, eine Kirche zu sein - und genießt so den Schutz des Grundgesetzes.

Blüm: Scientology ist das Gegenteil von einer Kirche. Die Sekte gründet Glauben nicht auf Freiheit, sondern auf Unterdrückung: ach was, Glauben kann man das gar nicht nennen. Denen geht es nur darum, ihre Machtgeilheit zu befriedigen. Geld, Geld, Geld - das ist die Dreifaltigkeit von Scientology.

SPIEGEL: Sie haben die Organisation als "menschenverachtendes Kartell" und als "verbrecherische Geldwäscheorganisation" bezeichnet. Was macht Scientology so gefährlich ?

Blüm: Diese Sekte ist ein Krake, der Menschen ruiniert und gezielt in die Verschuldung treibt, weil sie maßlos überteuerte Psychokurse absolvieren müssen. Er zerstört den persönlichen Kern des einzelnen, und zwar durch verfeinerte Formen der Gehirnwäsche, wie sie die Menschheit erst in diesem Jahrhundert entwickelt hat. Da sind Verfolgte früherer Zeiten fast schon beneidenswert, die konnten bei aller äußeren Bedrohung wenigstens noch frei denken. Aber die Opfer von Scientology kriegen doch gar nicht mit, wie sie von diesen Manipulationstechniken erobert werden. Das ist eine massive Gefahr für unsere Demokratie.

SPIEGEL: Staatsfeind Scientology - solche Kategorien wurden bisher nur auf politische Extremisten angewendet. Tun Sie der Sekte da nicht zuviel Ehre an ?

BLÜM: Keineswegs. Die Demokratie braucht mündige Bürger. Wenn die Menschen aber zu Marionetten werden, ist die Demokratie am Ende. Dann braucht es nur noch einen Strippenzieher, und Scientology will diese Weltherrschaft. Deren Ziel ist eine neue Form des Imperialismus, der die Gegner nicht erschießt, sondern sie auf andere Weise erledigt. Das ist Krieg, Psychokrieg. Die neuen Eroberer wie Scientology kommen nicht mehr wie Dschingis-Khan oder Hitler auf Pferden oder mit Panzern daher. Auch nicht mit der Atombombe. Aber sie können die gleiche Verwüstung hinter-lassen, wenn sie eine ganze Gesellschaft manipulieren.

"Wir haben das Problem lange unterschätzt"

SPIEGEL: Warum verbietet der Staat dann nicht einfach Scientology ?

Blüm: Das wäre die Notbremse. Unsere Hauptwaffe ist die Aufklärung. Wir müssen die Gesellschaft immunisieren gegen diese Seelenkäufer. Bei den jungen Leuten - die sind besonders gefährdet - und auch bei deren Eltern müssen sofort die Alarmsignale hochgehen, wenn der Name Scientology auftaucht. Sehenden Auges wird niemand in sein Verderben rennen.

SPIEGEL: Mancher wohl doch. Viele Aussteiger der Sekte berichten, daß sie zwar über die Gefahren informiert waren. Aber alles, wovor man sie gewarnt hatte, Psychoterror oder Gehirnwäsche, hätten sie dort zunächst nicht wahrgenommen - statt dessen nur nette, fröhliche, hilfsbereite Menschen.

Blüm: Das ist ja der Trick. Diese vorgetäuschte Freundlichkeit ist genau der Leim, auf dem die Leute kleben bleiben. Dort glauben sie zu finden, was ihnen unsere Gesellschaft nicht mehr bieten kann. Es reicht eben nicht zu sagen: Du hast zu trinken und zu essen, und du kannst einmal im Jahr in Urlaub fahren. Was bleibt, ist ein ungeheurer Sinnhunger der Menschen, die Sehnsucht nach Transzendenz. Das ist eine Marktlücke, die Scientology ausnutzt.

Spiegel: Ist das nicht eigentlich das Geschäft der Kirchen ?

Blüm: Die Kirchen scheuen sich zu oft, ihre Rolle als Sinnstifter zu erfüllen. Wenn ich mir morgens in der Badewanne die Morgenandacht anhöre - das ist ja alles ganz interessant, aber einen Pfarrer brauche ich dafür eigentlich nicht. Da reduziert sich die kirchliche Botschaft auf Sozialbetreuung, und der Rest wird fast schamhaft verschwiegen - der liebe Gott, das unbekannte Wesen. Dann ist das Feld frei für Scharlatane und Teufel, die an die Stelle der Kirchen treten.

SPIEGEL. Scientology hat sich längst auch in der Wirtschaft breitgemacht. Ganze Branchen, wie etwa der Immobilienmarkt, drohen systematisch unterwandert zu werden. Der Deutsche Industrie- und Handelstag nennt den Sektenkonzern eine "Gefahr für den Wirtschaftsstandort Deutschland". Aber die Regierung unternimmt nichts.

Blüm: Wir haben das Problem lange unterschätzt. Aber die Gesellschaft beginnt sich zu regen. Nach Gerichtsentscheidungen zwingen Hamburg, München, Stuttgart und andere Städte die Sekte, ihre Geschäfte offiziell als Gewerbe anzumelden. Dadurch müssen sie ihre Finanzen offenlegen und zeigen, von wem die Geld kriegen und was sie damit machen. Das ist schon viel.

SPIEGEL: Den Expansionsdrang von Scientology haben diese Urteile kaum beeinträchtigt. So darf die Sekte fast überall weiterhin auf offener Straße um Anhänger werben und arglose Passanten mit ihren Psychotests ködern. Bundesweit verbindliche Entscheidungen gibt es nicht.

Blüm: Das ist ja auch in erster Linie Sache der Länder. Die Inninministerkonferenz wird sich damit beschäftigen. Wir als Bundesregierung können da nicht vorpreschen.

SPIEGEL: Warum nicht ? Als Arbeitsminister könnten Sie zum Beispiel systematisch die Berschäftigungsverhältnisse der Mitarbeiter von Scientology überprüfen. Viele schuften für ein Taschengeld 50 Stunden und mehr in der Woche und sind häufig zu niedrig oder gar nicht sozialversichert. Was spricht gegen Razzien in den Filialen der Sekte ?

Blüm: Auch das wäre Sache der Länder. Wir haben keine zentrale Stelle zur Überprüfung von Arbeitsverhältnissen in Deutschland.

SPIEGEL: Bei der Suche nach Schwarzarbeitern auf Baustellen sind solche Stichproben üblich, seitdem Sie die Länder dazu aufgefordert haben.

Blüm: Auch im Fall von Scientology empfehle ich das den Ländern dringend. Aber es geht vor allem darum, die Aktivitäten zu bündeln. Fakten und Beweise über kriminelle Machenschaften der Sekte muß der Verfassungsschutz zusammentragen. Der hat ja bisher auch nicht die Augen davor verschlossen. Aber erst die nächste Konferenz der Länderinnenminister will entscheiden, ob daraus eine bundeseinheitliche Aktion wird. Ich bin sehr dafür.

SPIEGEL: Sie verwehren Scientologen, als private Arbeitsvermittler tätig zu sein. Genügen die Vorwürfe gegen die Sekte, um den Mitgliedern ihr Recht auf freie Berufswahl zu beschneiden ?

Blüm: Wer ein Gewerbe betreiben will, braucht die Zulassung der Behörde, in diesem Fall der Bundesanstalt für Arbeit. Aber warum sollten wie jemandem eine Lizenz dafür geben, daß er unter diesem Vorwand Zugang bekommt zur Personalplanung und zu persönlichen Daten von Unternehmen; das fängt ja ganz harmlos an, mit Psychotests. Aber das Ziel ist ein Netz von Spitzeln, die die Schwächen und Nöte der Menschen ausnutzen.

Spiegel: Welchen Beruf soll ein Scientologe ausüben dürfen? Darf er Lehrer sein ?

Blüm: Nein.

SPIEGEL: Kindergärtner, Professor, Polizeibeamter ?

Blüm: Nein. Das sind doch alles Fangarme der Sekte. Warum bemüht sie sich denn um Lehrer? Um den Nachschub für ihre schmutzigen Geschäfte frühzeitig zu präparieren.

SPIEGEL: Denken Sie an ein gesetzliches Berufsverbot ?

Blüm: Berufsverbote sind die Ultima ratio, das letzte Mittel. Bis dahin sind wir im Beweiszwang, über die Techniken der Sekte aufzuklären. Aber ich will in jedem Fall verhindern, daß Scientologen sich an den Knotenpunkten der Gesellschaft - und das sind Kindergärten, Schulen, Behörden und Wirtschaftsunternehmen - einnisten. Aus der Verknüpfung dieser Kontenpunkte entsteht das Netz, in dem die Manipulierten zappeln.

SPIEGEL: Damit stehen Sie in der Bundesregierung allein da. Aus den zuständigen Ressorts Wirtschaft, Familie und Inneres ist zu dem Thema nichts zu hören.

Blüm: Also, zum Beispiel Manfred Kanther ist da jedenfalls nicht bange; der hat schon einen Scientologen in seinem CDU-Landesverband aus der Partei ausgeschlossen. Und natürlich würde ich mich freuen, wenn auch der Kollege Rexrodt mitmacht im Kampf gegen die psychische Unterdrückung, die Scientology organisiert. Freiheit ist ein urliberales Thema. Die FDP schließt, wie die CDU/CSU, Scientology-Mitglieder aus. Und Bayern steht an der Spitze des Kampfes gegen Scientology.

SPIEGEL: Und Ihre Parteifreundin im Familienministerium, Claudia Nolte ?

Blüm: Die hat die Gefahr erkannt.

"Wir brauchen ein öffentliches System von Ausstiegsberatern"

SPIEGEL: Aber offenbar, ohne daß sie daraus Konsequenzen zieht. Sektenexperten sagen voraus, daß viele Mitglieder - zum Teil hochverschuldet und seelisch am Ende - aus Scientology aussteigen würden, wenn es Institutionen gäbe, die ihnen den Weg zurück in ein bürgerliches Leben aufzeigten.

Blüm: Am Geld darf das nicht scheitern. Wir brauchen ein öffentliches System von Ausstiegsberatern. Um in der Terminologie der Militärs zu bleiben: Wir brauchen ein psychologisches Rotes Kreuz, das die Verwundeten, wie Sanitäter im Krieg, vom Schlachtfeld holt. Den Scientologen soll klarwerden: Wir meinen es ernst. Die müssen wissen, daß das Spiel aus ist.

SPIEGEL: Herr Blüm, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

Aus: -DER SPIEGEL-48/95-27-11-95-

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Verbindungen bis in die Chefetagen

"Scientology - Die Zeitbombe in der Wirtschaft" (von Curd Paetzke)

Nach Einschätzung von Renate Hartwig von der "Schutzgemeinschaft Robin Direkt e.V." (Pfaffenhofen) handelt es sich bei der Scientology-Organisation "um ein Wirtschaftssyndikat wie die Mafia, das Anspruch auf politische Macht erhebt." Die BuchAutorin und Scientology-Gegnerin, die am Montagabend auf Einladung des Lions-Clubs Löhne vor 500 Besuchern in der Werretalhalle sprach, forderte nicht nur ein entschiedeneres Eingreifen des Verfassungsschutzes gegen die Sekte, sondern auch den Einsatz einer Sonderkommission von Polizei und Staatsanwaltschaft. Damit befindet sie sich in guter Gesellschaft: Bundesarbeitsminister Norbert Blüm (CDU) hat sich ebenfalls für eine Beobachtung der Organisation durch den Verfassungsschutz ausgesprochen. Er bezeichnete Scientology als verbrecherische Geldwäscheorganisation. Die nordrhein-westfälische CDU-Landtagsfraktion votiert sogar für ein generelles Verbot der Sekte, die inzwischen selbst vor Kindergärten und Schulen nicht mehr Halt mache. Eine Entscheidung der Innenministerkonferenz wird für Mitte Dezember erwartet.

Renate Hartwig, die die Sekte seit vielen Jahren bekämpft, hat am eigenen Leibe erfahren, zu welchen Methoden die Scientology-Anhänger greifen: "Ich werde bespitzelt und stehe im Mittelpunkt von gezielten Verleumdungskampagnen, die auch meine Familie betreffen." Und so war es nicht verwunderlich, daß inmitten des Publikums etliche erklärte Scientologen saßen, die durch Zwischenrufe auffielen und später, bei der sich anschließenden Fragerunde, durch - rundheraus gesagt - wirre Wortmeldungen für allgemeine Erheiterung sorgten. Für Renate Hartwig sind diese Scientologen aber nicht "die Täter, sondern die Opfer" einer fragwürdigen Lehre, die auf den Sektengründer L.Ron Hubbard zurückgeht. Der hatte 1950 ein Buch unter dem Titel "Dianetik": Der Leitfaden für den menschlichen Verstand" geschrieben. Renate Hartwig: "Das Problem damals wie heute: Die Leute haben das Buch nicht verstanden." Daher habe sich der frühere amerikanische Science-Fiction-Autor (gestorben 1986) einen Kreis von Personen aufgebaut, die seine Gedanken weitertrügen. Das Ganze mündet dann schließlich in der Gründung einer eigenen "Religion" und in der Scientology-Church (Kirche). "Scientology" ist aber natürlich keine Kirche", so die Referentin, "aber der Titel "Kirche" ist nun einmal nicht geschützt."

Die Schaffung einer Zivilisation ohne Geisteskrankheit, ohne Verbrechen und ohne Krieg - das sind offenbar die wesentlichen Kernaussagen von Scientology. Renate Hartwig: "Dahinter steht aber ein totalitäres, faschistoides System, das die 'Fäulnisbildung in der Gesellschaft' ausmerzen will und selbst sagt:

Teure Kurse

"Kümmert Euch nicht um den Mob, sondern wartet, bis wir die richtigen Anstalten gebaut haben." Die Scientologen verfolgen Pläne, die sich "Clear Deutschland", Clear Europa" oder Clear World" nennen: "Aber in diesen Plänen steht nichts über Kranke oder Alte."

Neue Opfer werden auf der Straße angetroffen und es wird versucht, sie für die Scientology-Sache zu gewinnen. Dann gibt es Flugblätter, mit denen Scientology wirbt (wurden im Vorfeld der Veranstaltung auch in Löhner Briefkästen gestopft), dann gibt es Fragebögen, mit denen ein Persönlichkeitsprofil erstellt wird, dann gibt es Anzeigen in Zeitschriften unter der Überschrift: "Wir nutzen nur 10 Prozent unseres geistigen Potentials", die den Kopf von Albert Einstein zeigen. Frau Hartwig: "Das mit den zehn Prozent, das gilt offenbar für die Scientologen..."

Dann gibt es Kurse, die horrendes Geld kosten (mehrere tausend Mark, so die Referentin), die nach diesem Muster ablaufen: "Am Ende eines jeden sogenannten Kommunikations-Kurses bleibt eine Frage offen, die man sich dann für die Fortsetzung aufhebt." Doch hier werde Einfluß auf die Psyche des Menschen genommen. Der Mensch soll für das große Ziel "Clear" freigemacht werden. Wer aussteige, der werde verfolgt und verleumdet. Kritik lasse die Scientology nicht gelten, denn Hubbard habe die Parole ausgegeben, daß jeder Kritiker lüge. Nach Darstellung von Renate Hartwig führe die heute von Sekten-Chef Miscavige geführte Scientology eine "Kriegskasse", die eigens für die Abwehr von Angriffen gedacht sei.

Breiten Raum in ihrem Referat nahm die Einflußnahme von Scientology-Mitgliedern in der Wirtschaft ein. Hier handele es sich nicht um bekennende Scientologen, sondern um jene, die ihre Zugehörigkeit nicht preisgeben würden. Oft seien sie als Unternehmensberater getarnt, die versuchen würden, Einfluß auf das Unternehmen zu bekommen. Und zwar würden jetzt verstärkt die Chefetagen angegangen: "Früher hieß es bei Hubbard: Geh zur Sekretärin und sieh zu, daß Du an den Chef kommst; heute heißt es: geh zum Chef und schau, daß er zu einem Multiplikator wird", so die Buchautorin.

Renate Hartwig setzt sich unter anderem auch dafür ein, daß in den Arbeitsverträgen eine Klausel aufgenommen wird, die eine Mitgliedschaft von Mitarbeitern in der Scientology-Sekte ausschließt. Hartwig: "Hubbard soll einmal gesagt haben: 'Alle Menschen sind meine Sklaven'."

Nach diesem Abend waren sich wohl alle Zuhörer (bis auf die Scientologen) einig: Dazu darf es nicht kommen!

Aus: - Westfalen-Blatt-27-11-95-

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Gegen Scientology vorgehen

Bundesfamilienministerin Claudia Nolte (CDU) plädiert für eine härtere Gangart gegen die umstrittene Scientology-Organisation. Sie warnte gestern eindringlich vor den "skrupellosen Machenschaften" der Sekte, die sie als "eine der aggressivsten Gruppierungen in unserer Gesellschaft" bezeichnete. Scientology-Gruppierungen sollten die Vereinsrechte entzogen werden. Auch die Beobachtung durch den Verfassungsschutz sei notwendig, sagte Nolte. Auf eine bundesweite nachrichtendienstliche Überwachung haben sich die Länder-Innenminister bisher nicht einigen können.

Aus: -Westfalen-Blatt-11-01-96-

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Scientology unterliegt vor Gericht in USA

Die Scientology-Organisation in den USA hat eine Niederlage vor einem US-Bezirksgericht in Washington D.C. erlitten.

Richterin Leonie Brinkema wies diese Woche eine Klage von Scientology gegen die Zeitung "Washington Post" ab und ordnete an, daß die unter dem Begriff "Kirche" operierende Organisation die Kosten des bisherigen Verfahrens zu tragen hat.

Scientology hatte der Zeitung gerichtlich verbieten lassen wollen, Auszüge aus internen "religiösen" Texten zu drucken, die die Organisation nicht veröffentlicht haben wollte. Die Richterin befand jedoch, das öffentliche Interesse an der Vorgehensweise der Scientologen, vor allem der "Zerstörung ihrer Gegner", sei höher einzuschätzen. Trotz Urheberrechten sei es statthaft, daß aus den Schriften auszugsweise zitiert werden.

Aus: -Welt am Sonntag-03-12-95-

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Scientology gegen die Grundordnung

Die umstrittene Scientology-Sekte "agiert" gegen die Grundordnung der Bundesrepublik. Dies macht nach Angaben des nordrhein-westfälischen Innenministers Fanz-Josef Kniola (SPD) eine von ihm in Auftrag gegebene Studie klar. Allerdings müsse bei der Frage der Überwachung der Sekte durch den Verfassungsschutz "eine bundeseinheitliche Lösung gefunden werden", sagte Kniola am Freitag. Es werde "keinen Alleingang von NRW" in dieser Frage geben. Zu einer einheitlichen Absprache unter den Innenministern der Länder und des Bundes war es auf der Innenministerkonferenz Mitte Dezember in Erfurt nicht gekommen. Allerdings waren sich die Politiker einig, eine Verfassungsschutzüberwachung und auch ein "Vereinsverbot" von Scientology zu prüfen.

Aus: -Westfalen-Blatt-30/31-12-95-

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Gutachten: Scientology ist verfassungsfeindlich

NRW-Innenministerium ließ Sekte untersuchen.

Die umstrittene Scientology-Sekte verfolgt verfassungsfeindliche Ziele und stellt einen "politischen Extremismus neuen Typs" dar. Zu diesem Ergebnis kommt ein gestern in Düsseldorf veröffentlichtes Gutachten des Frankfurter Politikwissenschaftlers Hans-Gerd Jaschke, das von nordrhein-westfälischen Innenministerium in Auftrag gegeben worden war. Die in 107 Ländern vertretene "politische Organisation" trage "militante Züge" und agiere skrupellos nach "totalitären" Prinzipien, warnt das Gutachten.

Scientology orientiert sich dem Gutachten zufolge an Ideen des "heldischen Übermenschen", vertritt einen "elitären Absolutheits- und Alleinvertretungsanspruch" und geht mit Repression und Gewalt gegen Kritiker vor. Der "Wirtschaftskonzern" lasse sich nicht eindeutig dem Rechts- oder Linksextremismus zuordnen. "Militant-aufgeladenes Feind-Freund-Denken", "Phantasien eines heroischen Übermenschentums" sowie eine "Führer-Ideologie" deuteten aber eher in die rechtsextreme Richtung.

NRW-Innenminister Franz-Josef Kniola (SPD) kündigte an, konsequent gegen Scientology vorzugehen. Auf der Innenministerkonferenz im Dezember hatte sich Kniola nicht mit der Forderung durchsetzen können, die Organisation durch den Verfassungsschutz beobachten zu lassen. Die Länder hatten sich darauf geeinigt, eine Überwachung und ein Vereinsverbot zu prüfen.

Kniola betonte, die Anhängerschaft sei im Gegensatz zum "konventionellen Extremismus" aber nicht politisch motiviert. Ihnen gehe es vor allem um die Verbesserung ihrer Lebenssituation. Den Anhängern werde "um den Preis einer totalen psychischen Abhängigkeit und wirtschaftlichen Ausbeutung die Chance zu einem mehr an Lebensglück vorgegaukelt".

Deutschland wird laut Gutachten als "Schlüsselposition" für den Erfolg gesehen. Scientology verfüge nach eigenen Angaben über 30.000 Mitglieder in der Bundesrepublik. Seit dem Mauerfall 1989 sei Deutschland ein wichtiger Stützpunkt für den Zugang nach Mittel- und Osteuropa geworden. Befürchtungen, Scientology könne sich zu einem "rechten Sammelbecken" entwickeln, das die "aktuelle Entwicklung weit in den Schatten stellen würde, sind nach dem Gutachten nicht von der Hand zu weisen.

Gründer Ron Hubbard fungiere als totalitärer, antidemokratischer Führer. Seine Leitlinie ziele auf Abschaffung der Demokratie. Eine Gesellschaft nach scientologischen Prinzipien würde sich zu einer "totalitären Herrschaft" entwickeln, in der Demokratie und Rechtsstaatlichkeit keinen Platz fänden, so das Gutachten. Der Psychokonzern unterscheide die Welt in "grotesker, herablassender Weise" in Gut und Böse. Dabei werde eine rational kaum zugängliche eigene Sprache benutzt.

Scientology tarnt sich laut Gutachten mit einem weltanschaulichen Deckmantel und schleust Mitarbeiter in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft ein. Bei dem Ziel, einen "geklärten Planeten" zu schaffen, habe sich Scientology einen "strategischen Vorteil" geschaffen, da der Konzern nicht eindeutig als politische Organisation auftrete.

Aus: -Westfalen-Blatt-16-01-96-

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Scientology wirbt in der Psychiatrie

v. Ernst-Wilh. Pape

Bielefeld (WB). Nordrhein-Westfälische Sektenexperten haben gestern die Gründung einer zehnköpfigen Sonderkommission gefordert., um den Umtrieben der umstrittenen Scientology-Organisation Einhalt zu gebieten. Zum Einsatz sollten Fahndungsspezialisten vom Verfassungsschutz sowie aus den Polizeikommisariaten zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität kommen. Die Sonderkommission Scientology müsse beim Bundeskriminalamt angesiedelt werden und bundesweit einsatzbereit sein, sagte Karin Paetow-Froese vom Verein zur Bekämpfung geistiger und seelischer Abhängigkeit im Diakonischen Werk Westfalen dem WESTFALEN-BLATT.

Die ausgesuchten Beamten müßten zunächst das Originalmaterial der Sekte lesen und deuten, um die menschenverachtende Ideologie verstehen zu können. Die Kommission müsse sehr beweglich sein und mit der neuesten Nachrichtentechnik ausgestattet werden. Paetow-Froese: "Es ist auch sinnvoll, Scientology-Schwerpunktabteilungen bei den Staatsanwaltschaften einzurichten, ähnlich wie die Schwerpunkt-Staatsanwaltschaften zur Bekämpfung der Wirtschaftskriminalität." die Sektenexperten schätzen, daß es in ganz Deutschland 300.000 Mitglieder und Anhänger der Scientology-Organisation gibt. Für NRW wird die Zahl der Mitglieder und Anhänger mit 10.000 angegeben.

In Münster hat gestern der Gesundheitsdezernent des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL), Dr. Wolfgang Pittrich, eindringlich vor den Aktivitäten einer "Kommission für Verstöße der Psychiatrie gegen Menschenrechte e.V." gewarnt. In deren Vorgehen zeige sich das typische infame Scientology-Strickmuster: "Psychisch labile Menschen werden erst abhängig gemacht und dann finanziell ausgebeutet," sagte Pittrich. Es seien skrupellose Geschäftemacher am Werk. Unter dem Deckmantel scheinbarer Hilfe köderten sie Psychiatrie-Patienten für die Scientology-Sekte und zögen ihnen viel Geld aus der Tasche.

In diesem Zusammenhang wies Paetow-Froese darauf hin, daß Scientologen auch Gespräche mit dem verurteilten "Heidemörder" Thomas Holst geführt hatten. Holst, der drei Frauen getötet hatte, war später aus der geschlossenen Psychiatrie in Hamburg-Ochsenzoll ausgebrochen. Am Silvestertag hatte sich Holst den Behörden gestellt.

Pittrich gab gestern bekannt, daß die gefährliche "Kommission" Patienten unter anderem aus dem LWL-Zentrum für Forensische Psychiatrie in Lippstadt-Eickelborn als Mitglieder werben will. Im Briefkopf der Kommission ist eine "Landesgruppe Nordrheinwestfalen, gegründet von Mitgliedern der Scientology Kirche und Betroffenen 1972, Vereinssitz Düsseldorf VR 7439" verzeichnet. Zusammen mit einer Beitrittserklärung samt Bankeinzugsermächtigung (der Mindestmitgliedsbeitrag beträgt 600 Mark jährlich) verschickte die Gruppierung Informationen über sich wie zum Beispiel "... wendet sich seit vielen Jahren vehement gegen die brutalen, unmenschlichen und den individuellen Geist zerstörenden psychiatrischen Heilmethoden und will... auf eine humane und menschenwürdige, wirklich geistige Heilung hinwirken."

Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe hat den aktuellen Vorgang sowohl NRW-Innenminister Franz-Josef Kniola als auch dem für den Maßregelvollzug (Unterbringung psychisch kranker Straftäter zur Heiltherapie) zuständigen NRW-Gesundheitsminister Axel Horstmann berichtet. Eickelborn ist mit 350 Patienten die größte Forensische Psychiatrie in Deutschland. Insgesamt ist der LWL Träger von 20 Psychiatrischen Kliniken (insgesamt 7.000 Patienten) in Westfalen-Lippe.

Aus: -Westfalen-Blatt-18.01-96-

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Scientology-Urteil

Düsseldorf (dpa). Das Verwaltungsgericht Düsseldorf hat erstmals in Deutschland einen in Kreisen der Scientology-Sekte verwendeten Persönlichkeitstest für Auszubildende untersagt. Weil der Inhaber einer Düsseldorfer Immobilienfirma als Angehöriger der Sekte diesen Fragebogen benutzt hatte, untersagte das Gericht der Gesellschaft das Ausbilden junger Leute. Die Tests dienten dem Ausforschen und dem Mißbrauch anvertrauter Personen. Sie stellten damit einen Verstoß gegen die Grundsätze des Berufsbildungsrechts dar, lautete die Begründung. AZ.: 3 K 12881/94

Aus: -Westfalen-Blatt-24-01-96-

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"Krake Einhalt gebieten"

CDU-MdL Thiede und Arbeitskreis Sekten gegen Scientology. - "Der Verfassungsschutz muß dringender denn je die Scientology-Sekte überwachen." diese Forderung stellte der heimische Landtagsabgeordnete Dietrich Thiede (CDU) nach seinem Besuch des "Arbeitskreis Sekten e.V." des Diakonischen Werkes Westfalen in Herford. Im Gespräch mit der Leiterin Karin Paetow-Froese und dem Vorstandsmitglied Helge Schilling informierte sich der CDU-Politiker über die Arbeit des Vereins und die Aktivitäten der Scientology-Sekte.

Der seit 1991 dem Diakonischen Werk Westfalen zugehörige Arbeitskreis wendet sich mit vielfältigen Hilfsangeboten an Betroffene und deren Angehörige. Weiterhin versuchen die Mitglieder mit Informationsveranstaltungen in Schulen, Verbänden, Kirchengemeinden und Jugendgruppen die Verführungsmethoden der Sekten aufzuzeigen. In diesem Spektrum sei Scientology für Paetow-Froese die derzeit aggressivste Gruppierung in unserer Gesellschaft. "Besonders im Bereich der Unternehmensberatung versuchen Scientologen Einfluß auf die Firmenpolitik zu nehmen", wußte die Leiterin des Arbeitskreises dem Landtagsabgeordneten zu berichten.

Gezielt würden Führungspersonen aus der Wirtschaft mit Managementseminaren oder Weiterbildungsmaßnahmen "geködert". Daher sei es nach Ansicht von Paetow-Froese für Unternehmer zum Schutz ihrer Firma unerläßlich, von ihrem Direktionsrecht Gebrauch zu machen: "Alle Arbeitnehmer, Geschäftspartner, Consulting Firmen und sonstige Dienstleister sollen Erklärungen unterschreiben, in denen eine klare Stellungnahme zur Ausübung der Hubbard-Technologie gefordert wird."

Im weiteren Verlauf des Informationsbesuchs erinnerte Helge Schilling an die Scientology-Werbung, die Bürgerinnen und Bürger im Kreis Herford erst kürzlich mittels einer Postwurfsendung in ihre Haushalte zugestellt bekamen. Auch Schulen gehörten zum Einsatzgebiet von Scientology. So sei vor drei Jahren ein Scientology-Mitglied an das Lehrerkollegium der städtischen Grundschule in Exter herangetreten und habe eines seiner Bücher angepriesen.

"Gegen das Grundgesetz"

Für den Landtagsabgeordneten Thiede ist Scientology eine Herausforderung für jeden Demokraten. "Die Arbeit dieser politischen Organisation richtet sich nach den jüngsten Erkenntnissen zweifellos gegen das Grundgesetz. Damit ist diese Sekte ein klassischer Fall für die Verfassungsschützer", machte Thiede deutlich. Um noch zusätzliches Material zu erhalten, dürfe eine Überwachung durch den Verfassungsschutz nicht länger am Widerstand der mitregierenden Grünen scheitern. "Wir müssen alle rechtsstaatlichen Mittel ausschöpfen, um der Krake Scientology Einhalt zu gebieten", forderte der CDU-Politiker abschließend.

Aus: -Westfalen-Blatt-26-01-96-

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Sakrales für die Scientologen ?

Neubau am Steindamm. - Das Gebäude der Scientologen am Steindamm könnte einem Neubau weichen, der einer Verdoppelung der bisherigen Nutzfläche gleichkäme. Das Bezirksamt Mitte bestätigte das Vorliegen eines entsprechenden Bauantrages, den die Politik wegen "gestalterischer Probleme" noch nicht positiv bescheiden wollte. Amt und Bezirkspolitiker sprachen von einer "kathedralenartigen" Planung, die, "etwas Sakrales" habe und nicht zu den vorhandenen Büros passe. Keine Partei will Scientology auch nur ansatzweise entgegenkommen.

Die Sprecherin der Scientology-Organisation Hamburg, Gisela Hackenjos, bestritt jede Bauabsicht der Eigentümer auf dem Gelände. Sie bestätigte, daß der Grundstückseigentümer der Scientology "nahesteht".

Der beantragte Neubau soll eine sechsgeschossige, nichtspiegelnde Glasfront entlang des Steindamms haben, die an den Ecken Danziger und Brennerstraße von undurchsichtigen, turmartig wirkenden Elementen eingefaßt wird. Den Turmcharakter unterstreichen sollen hütchenförmige Dächer, die die Glasfassadenfront um ein Geschoß überragen.

Insider sprachen vom "perfektesten Bauantrag, den das Amt je gesehen" habe. Er sei von in Hamburg gänzlich unbekannten Architekten aus Südwestdeutschland gestellt worden, die offenbar hervorragende baurechtliche Kenntnisse hätten.

Bezirksamtsleiter Rolf Miller sagte, daß es keine Handhabe geben werde, den Bauantrag abzulehnen. "Er entspricht nahezu vollkommen dem geltenden Planrecht." Theoretisch könnte noch 1996 Baubeginn sein.

Grundsätzlich gibt es einen Rechtsanspruch auf Baugenehmigungen. Üblicherweise sind aber größere Bauvorhaben nicht ohne Ausnahmegenehmigungen möglich. Diese erteilt nicht die Verwaltung, sondern die Politik, sprich: Der Bauherr braucht Mehrheiten dafür.

Aus: -Hamburger Abendblatt-26-01-1996-

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Schätzle: Mit kritischen Argumenten unnachgiebig Standpunkt beziehen.

Am Rande der Bundestagsanhörung "Jugend und Medien" fand ein Gespräch der Beauftragten der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Ortrun Schätzle MdB und den holländischen Scientologen Paul Rood und Johannes van der Berg statt. Im Anschluß an das Gespräch - um das die Scientologen ersucht hatten - erklärt die Abgeordnete:

Die Scientologen gaben an, im Auftrag des 'office of special affairs' in Amsterdam zu arbeiten. Beide Scientologen hatten das Anliegen, der Sektenbeauftragten die Lehre L.Ron Hubbards als Anleitung zur Lebensbewältigung vorzustellen. Paul Rood, selbst ehemaliger Drogen-Abhängiger, warb dafür, die Hubbard'sche Lehre und das Buch DIANETIK als Konzept für ein drogenfreies Leben anzuerkennen. Im Gespräch machte Schätzle deutlich, daß sie die Lehren von Scientology wie auch die Verbreitung dieser Lehren in Deutschland ablehne.

Scientology verstößt mit den Visionen des heroischen Übermenschentums gegen das demokratische Gebot der prinzipiellen Gleichwertigkeit und Gleichberechtigung. Auch die Grundrechte auf freie Entfaltung der Persönlichkeit und auf Meinungsfreiheit werden von Scientology sowohl in ihren eigenen Reihen als auch außerhalb ihrer Reihen mißachtet. Ähnliches gilt für den totalitären, auf einem Alleinvertretungsanspruch basierenden Charakter von Scientology. Er schließt das Mehrparteienprinzip und das Prinzip der Chancengleichheit für alle politischen Parteien aus. Darüber hinaus ist, so Schätzle, für mich grundsätzlich jede Gruppierung unakzeptabel, die mit therapeutischen Methoden Menschen in Abhängigkeit bringt, ihre geistige Freiheit einschränkt und so - auf diese Weise manipuliert - für die Ziele dieser Gruppierung gebraucht und einsetzt.

Schätzle machte deutlich, daß Scientologen wegen ihrer angewandten Psychotechniken in Konflikt mit der Gesellschaft geraten. Sie kritisierte weiterhin die Vorgehensweise mittels moderner Psycho- bzw. Sozialtechniken bestimmte Menschen in ihrem Verhalten durch Trainings- und Kontrolltechniken zu verändern. Die Gefährlichkeit liegt in der unmenschlichen Umerziehungsideologie und ihrer Anwendung.

-Pressemitteilung -01-02-96-

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