Das Leben e.V. ("Norweger", "Smithianer")

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  1. Ein Heim für 100 Geschwister
  2. Schwere Vorwürfe
  3. " ... wurde er mächtig von Jesus ergriffen"

Ein Heim für 100 Geschwister

"Freie christliche Gemeinschaft" will bauen von Jürgen Gebhard

Herford/ Vlotho-Exter (HK). "Das Leben e.V." - eine "freie christliche Gemeinschaft" - möchte in Vlotho-Exter bauen. Auf einem 17.000 Quadratmeter großen Grundstück soll ein Versammlungsgebäude entstehen. Vorgesehen sind ein kleiner und ein großer Saal, dazu eine Hausmeisterwohnung. 100 "Geschwister" aus der Region und aus Hannover sollen dort ein Domizil für ihre Zusammenkünfte erhalten. Daß eine Bauvoranfrage dazu im Rathaus vorliegt, wäre nichts Besonderes - wären da nicht die Negativ-Schlagzeilen aus Orten, in denen sich diese Gemeinschaft bereits niedergelassen hat.

In jüngster Zeit ist in Süddeutschland und in Österreich massive Kritik an dieser Religionsgemeinschaft laut geworden, von "kollektiver Selbstüberschätzung", "sektiererischen Praktiken", "Psychodruck", "unchristlichen Zuständen" und "fragwürdigen Entwicklungen" seit einer "kräftigen geistlichen Erweckung" in 1991/1992 ist die Rede. Vornehmlich von ehemaligen "Geschwistern" wird diese Kritik laut. - Vorwürfe, die von dem für die Region zuständigen Verein jedoch mit Bestimmtheit zurückgewiesen werden.

Schwere Vorwürfe

Kritische Aussagen Ehemaliger: "Wer in eine andere Versammlung geht, wird zu den Feinden der Gemeinde gerechnet." "Es werden hauptsächlich aggressive Lieder gesungen." "Nach Redebeiträgen werden spontan Lieder oder Chorusse angestimmt, mit denen die Rede unterstützt oder niedergesungen wird." "In den übermäßig häufigen Versammlungen ... wurden Techniken der Gruppendynamik eingesetzt", mit dem Ziel der "Abhängigmachung aller Teilnehmer": Dabei wurde fortwährend betont, daß das Verlassen der Versammlung den Verlust der Seligkeit mit sich bringe."

Obwohl man nicht der Evangelischen Allianz angehört - dort sind u.a. Freikirchen und EC-Gemeinschaften, aber auch die lutherischen Kirchen zusammengeschlossen - versteht man sich als "in die christliche Religionsgemeinschaft" integriert. Man arbeite nicht "gegen die Kirche", betont Vorsitzender Klaus Hauptmann.

Die Stellungnahme der "offiziellen" Kirche drückt sehr deutlich die Skepsis gegenüber dieser Gemeinschaft aus: "Nach evangelischem Verständnis ist der Heiligungsweg der "Norweger"-Gemeinschaft eine Engführung und verträgt sich nicht mit der dort ebenfalls bejahten Rechtfertigung allein aus dem Glauben. Daraus erwachsen Probleme, die zur Überlastung des Gewissens und skrupulöser Alltagsgestaltung führen können. Lehrinhalt und Frömmigkeitsstil sind somit eng verknüpft und bedürften dringend des Austauschs und der Kritik durch andere Christen" (Klaus Sturm, Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen).

"Das Leben e.V. - Verein für Lebenshilfe" hat seinen Sitz in Lage, ihm gehören keine zehn Mitglieder an. Zur "Gemeinschaft" gehören auch Vlothoer, regelmäßige Versammlungen fanden früher in einer Privatwohnung statt. "Wir sind eine freie Gemeinschaft", erklärt Hauptmann. Eine Mitgliedschaft sei für die "Geschwister" nicht erforderlich: "Jeder, der zu uns kommen will, ist herzlich willkommen." Grundlage des Glaubens sei allein die Bibel: "Die legen wir nicht aus. Die nehmen wir so an, wie sie ist." Angenommen als Gabe Gottes wird auch der Kindersegen, Verhütungsmittel sind konsequenterweise tabu.

" ... wurde er mächtig von Jesus ergriffen"

Das Leben e.V. gehört zu einer Glaubensgemeinschaft, die unter den Namen "Smith's venner" oder "Norweger" bekannt ist. Gründer ist der Norweger Johan Oscar Smith (1871-1943) "Bei seiner Bekehrung im Jahre 1898 wurde er mächtig von Jesus Christus ergriffen und fing an, ein Leben in Gerechtigkeit und Gottesfurcht zu führen. Er legte besonderen Wert darauf, daß Christi Tugenden im Leben zum Vorschein kommen", heißt es in einer Selbstdarstellung. Die Bewegung hat sich nach eigenen Angaben seit 1945 "über viele Länder Europas bis nach Übersee" ausgebreitet. Die Gemeinschaft zähle in 40 Ländern 20.000 "Geschwister".

"Durch die Kraft des Heiligen Geistes ist es möglich, über alles zu siegen, von dem wir wissen, daß es Sünde ist. Wenn wir dem Heiligen Geist gehorchen, können wir in allen Versuchungen siegen," sind Glaubensgrundsätze. Quelle: "Materialdienst (11/1995), Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen.

Aus: -Westfalen-Blatt-14-12-95--

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