WEISSENSEE

Landkreis Sömmerda

Bedeutung erlangte das Städtchen Weißensee südlich der Hainleite durch seine Lage an der alten Handelsstraße Nürnberg - Magdeburg. Die älteste Ansiedlung lag im Bereich der Runneburg, die mit 1,5 ha Innenfläche zu den größten romanischen Profanbauten in Deutschland gehört. Eine 400 m lange Mauer umschließt das Burggelände. Die aus dem 12. Jahrhundert stammende Runneburg war im frühen Mittelalter eine der Residenzen der Thüringer Landgrafen, daher auch der Name "Schwester der Wartburg und Neuenburg".

Die Reinhardsbrunner Annalen berichten, daß Landgräfin Jutta, Stiefschwester Kaiser Barbarossas, zwischen Wartburg und Neuenburg trotz offiziellen Verbotes eine Herberge bauen ließ. Das Gebiet gehörte jedoch dem Grafen von Beichlingen, der daraufhin Klage beim Kaiser führte. Er mußte sich aber dem mächtigeren Landgrafen Ludwig II. beugen. Dieser erwarb für nur geringes Entgelt die Runneburg und das umliegende Land. Die romanische Anlage weist neben einer Vorburg einen mächtigen Wohnturm, eine Warmluftheizung aus dem 12. Jahrhundert, einen schönen Palas und das sogenannte Fürstenhaus von 1738 auf. Sie wird gegenwärtig restauriert.

In ihren Mauern beherbergt sie eine kleine Ausstellung mit Grabungsfunden vom Burggelände und das Historische Archiv der Stadt Weißensee. Gleichzeitig ist die Burg Sitz der Landesgruppe Thüringen der Deutschen Burgenvereinigung e. V. Die Stadt der thüringischen Landgrafen kam 1485 bei der Leipziger Teilung an die Albertiner und gehörte dadurch zum späteren Kurfürstentum bzw. Königreich Sachsen. 1815 gelangte die Stadt mit anderen Teilen des Thüringer Kreises an das Königreich Preußen. Die Siedlung um die Nikolaikirche am Alten Markt südlich der Burg ist der älteste Teil der Stadt.

Östlich der Burg ist noch heute das Straßengitternetz der Plangründung Ludwigs II. aus der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts erkennbar. Reste der Stadtmauer sind erhalten geblieben. Das Stadtrecht Weißensees geht auf das Jahr 1265 zurück. Im Zentrum des Neuen Marktes befindet sich die gotische Stadtkirche St. Peter und Paul, die vermutlich in der Gründungszeit der Stadt errichtet wurde. Ihr Chorneubau stammt aus dem 14. Jahrhundert. Vor 1337 siedelten Johanniter von Heilingen nach Weißensee über. Der Orden wurde vom Rat zur Errichtung eines Spitals verpflichtet.

[Rathaus] Außerdem mußte er den Kirchen- und Schuldienst innerhalb und außerhalb der Mauern der Stadt übernehmen. An den Johanniterorden erinnert heute noch der sogenannte Pfaffenhof, ehemals Großkomturei. Im Rathaus der Stadt sind Teile des 1474 durch ein Feuer in Mitleidenschaft gezogenen Vorgängerbaus erhalten geblieben. Der 1584 erbaute Fischerbrunnen diente bis Ende des 19. Jahrhunderts als öffentliche Wasserstelle. Da die Stadt infolge der Höhenlage im Mittelalter unter Wassermangel litt, wurde in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts ein künstlicher Lauf der Helbe angelegt.
Rathaus in Weißensee

Heute ist das restaurierte Helbe-System "Wasserkunst" eine Besonderheit der Stadt. Relikte aus vergangener Zeit sind außerdem eine Postsäule, Waidsteine und die Holländerwindmühle. Angebote für Touristen im Erholungs- und Sportbereich werden ergänzt durch alljährliche große Volksfeste, wie die Ritterspiele auf der Runneburg am 4. Juliwochenende, das Wasserfest am letzten Wochenende im August und den mittelalterlichen Weihnachtsmarkt.

Weißensee-Information,
Langer Damm 2,
99631 Weißensee,
Tel. 03 63 74 / 2 03 48,
Fax 2 20 30

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