Das Folgende ist das Konspekt einer Veröffentlichung von Thomas Gandow
AU: Gandow, Thomas TI: Guru Chinmoy und die Sri-Chinmoy-Bewegung. ST: Oneness-Home-Friedenslauf - Friedenskonzerte - UNO-Meditation KO: 76 S., 9,80 DM PP: München PY: 1993 PU: Evang. Presseverband für Bayern, Abt. Schriftenmission IS: 3-583-50657-X
Chinmoy wurde vom Geist dieses Ashrams geprägt, obwohl er das "Transzendieren" quantitativ verstand, d.h. "höher, weiter, schneller" als alle anderen. Damit wurde die Universalität des Evolutionsgedankens, den Aurobindo in den Hinduismus einbrachte, zum banalem Rekordstreben verwässert. Chinmoy verließ 1964 den Ashram und kam in die USA, wo er im Indischen Konsulat arbeitete. Etwa ab 1967 begann er öffentlich aufzutreten, sammelte Schüler. Sein Missionserfolg ist aber eher mäßig geblieben. Thomas Gandow beurteilt das so:
"Heute gibt es weltweit höchstens 1500 "Schüler" des Gurus Chinmoy, die in etwa 60 Zentren in den USA, Australien, Deutschland und der Schweiz zusammengefaßt sind." (S. 10)
Thomas Gandow weißt darauf hin, daß Chinmoy in Deutschland offensichtlich erfolgreicher gewesen ist. 1990 wurden etwa 300 feste Mitglieder geschätzt. Nach dem Fall der Mauer war Chinmoy einer der ersten, die gen Osten expandierten. So wurden unter dem Vorwand sportlicher Aktivitäten Kontakte zur damaligen FDJ und anderen Organisationen geknüpft. "Auch bis in die "Provinz" hatte der massive Werbeeinsatz der Chinmoy- Bewegung gleich bei der öffnung der DDR gewirkt: Regelmäßig tagte man Monate lang in einem Ev. Gemeindehaus in Jena, in anderen Orten wurden die neuentstandenen "Kulturhäuser" oder "Häuser für Demokratie und politische Bildung" gern von der Gurubewegung genutzt." (S. 13) Mitte der neunziger Jahre will die Grurubewegung in Deutschland den ersten Tempel für den Guru in Heidelberg bauen. Allerdings scheint die Ausführung des Projektes noch am Geldmangel zu leiden. (vgl. S. 13)
Die Meditationstechnik ist dreigegliedert in "Konzentration" (dharana, Konzentration des Denkens auf einen Punkt), in "Meditation" (dhyana, Aufhebung des Gegensatzes zwischen Meditierenden und Objekt der Meditation) und "Kontemplation" (samadhi, die Einheitserfahrung). Chinmoy gibt detaillierte Anweisungen in seinem "ABC der Meditation". Grundlage sind Atemübungen und visuelle Konzentration auf das Bild des Meisters. "Dieses Bild stellt für jeden Sucher, der mich als seinen Guru angenommen hat, den Supreme dar." (S. 18) Chinmoy läßt sich als Gott meditieren!!!
Nach hinduistischem Verständnis ist Guru die Bezeichnung für "Sprititueller Lehrer". Der Anspruch Chinmoys geht aber darüberhinaus. Er sieht sich als "Avatar", als herabgestiegene Erscheinung des Gottes Brahma. Aus diesem Anspruch ergibt sich dann auch sein Verhältnis zu seinen Jüngern: Wenn er Gott ist, dann kann er absoluten Gehorsam verlangen. Und in der Tat spielen Gehorsamkeitsübungen in der Chinmoy-Bewegung eine bedeutende Rolle. Diese Gehorsamkeitsübungen werden als Mittel der Indoktrination benutzt und sind auf Angst gegründet: "Ich sage euch, euer Guru hat ein bißchen okkulte Schau, und diese Schau ist sehr wirksam. Ich kann ohne weiteres sehen, was ihr tut, und ich werde euch in der inneren Welt ertappen." (S.25) Gleichzeitig werden die Anhänger aufgefordert, zu "Transzendieren", d.h. nach der Meditationsmethode des Kundalini Yoga, die Chinmoy lehrt, Grenzerfahrungen zu suchen. "Es ist auch den Erfahrungen z. B. von Langstreckenläufern bekannt, wie die Ueberwindung von "toten Punkten" und die Suche nach "Grenzerlebnissen" am Rande der körperlichen Leistungsfähigkeit zu gesteigerten, u.U. rauschhaften Eindrücken und Erlebnissen führen kann. Die biologischen Voraussetzungen und Abläufe dieser Erlebnisse sind heute relativ gut erforscht." (S. 33) Chinmoy bietet nun mittels solcher Erlebnisse eine Gotteserfahrung im Schnellverfahren an, wobei diese durchaus auf der Grund für die Attraktivität des Gurus sein können. Die gehorsame Einübung in diese Form der Meditation löst ein psychisches Abhängikeitssyndrom aus.
Sri Chinmoy bezeichnet sich als Meditationslehrer der UNO. Das entspricht nicht der Wahrheit, denn Chinmoy führt seine Meditationsstunden in Räumen im UNO-Hauptquartier durch, die frei angemietet werden können. Ebenso wird mit Prominentenkontakten umgegangen. "Großen Wert legt die Gruppe auf Fotos, die den Guru dabei zeigen, wie (oft etwas überrascht dreinschauenden) Politikern oder einem Papst oder UNO-Präsidenten eine Schallplatte oder ein Buch schenkt. Gegen die Verwendung solcher Fotos, die wohl oft zufällig entstanden sind, in der Werbung der Chinmoybewegung können die betroffenen Politiker und Prominenten später außer Distanzierungen kaum etwas unternehmen." (S. 59)