Guruismus
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Autor: Susanne Beul
Stand: 2006-11-01
- Kurztext
- Bibliographie
- Weblinks
Kurztext
In der religiösen Tradition Indiens gilt der Guru als spiritueller Meister.
Er geht seinen Weg für sich und wirbt nicht dafür. Aufgrund seiner eigenen
spirituellen Entwicklung kann er jedoch auch Schüler auf seinen Weg führen.
Vor allem seit den 70er Jahren traten im Westen dagegen missionierende Gurus
auf. Diese westlich orientierten Meister werden auch in Indien vielfach
kritisiert, da sie in vielem nicht dem klassischen Guru-Ideal entsprechen.
Von ihren Jüngern lassen sie sich als Verkörperung des höchsten Bewusstseins
oder Manifestation des Göttlichen verehren. Der angebotene Heilsweg zur
Befreiung aus dem Rad der Wiedergeburten wird von ihnen mit der Pflicht zur
Unterwerfung unter ihre unbestrittene Autorität verbunden. Dieser Anspruch
auf Ausschließlichkeit beinhaltet die absolute Fixierung der Jünger auf den
Guru und die oft kritiklose Unterordnung unter seine unantastbare Weisung.
Kennzeichen dieser Art Guru-Bewegungen ist die Anpassung ihrer Lehre und
Praktiken an westliche Verhältnisse und Bedürfnisse.
- So soll z.B. das Praktizieren bestimmter Meditationstechniken Erfolg,
Gesundheit und ein langes Leben garantieren (Self-Realization Followship,
Transzendentale Meditation).
- Der Hinweis auf die angebliche Wissenschaftlichkeit der Grundlagen der
Heilswege will die Vereinbarkeit mit westlichen Bewertungsmassstäben
suggerieren (Hare-Krishna-Bewegung/ISKCON, Sathya Sai Baba, Transzendentale
Meditation).
- Mit dem Anspruch die Gesellschaft zu verbessern werden Rezepte zur
Rettung unserer krisengeschüttelten Welt angeboten (Ananda Marga,
Hare-Krishna-Bewegung, Sri Chinmoy).
- Manche Gruppen versuchen politisch tätig zu werden, indem sie Parteien
gründen (Bhagwan/Osho-Bewegung, Transzendentale Meditation).
- Dem heute im Westen weit verbreiteten Bedürfnis nach neuen Formen der
Selbstverwirklichung und Bewusstseinserweiterung kommen Angebote entgegen,
die hinduistisches Gedankengut und Meditationspraktiken mit westlichen
Therapieformen kombinieren (Bhagwan/Osho-Bewegung).
Diese Anpassung an westliche Bedürfnisse erklärt einen Teil der Faszination
guruistischer Gruppen. Machtmissbrauch, Entfremdung vom bisherigen Leben
(auch dem christlichen Glauben) und Abgabe der eigenen Entscheidungsfreiheit
und Eigenverantwortung sind oft beobachtete Konsequenzen dieser Fehlform
einer religiösen Tradition.
Der Begriff wurde von Friedrich Wilhelm Haack, dem Nestor der
wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit der Sektenszene, geprägt, um eine
typische Abhängigkeitsform in der Sektenwelt zu definieren.
Bibliographie
Bestand
der Deutschen Bibliothek zum Thema Guruismus
Weblinks
Quellenlinks
- Keine Quellen derzeit bekannt, da der Begriff von dem kritischen
Erforscher der Sektenszene, Friedrich Wilhelm Haack, geprägt wurde.
Kritische Links
- AGPF
- Bernhard Brünjes: Guruismus
- Wikipedia
- Guru
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