Missionstätigkeit von Ratu Bagus

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Autor: Winfried Müller
Stand: November 2011
  1. Kurztext
  2. Bibliographie
  3. Weblinks

Kurztext

Jede weltanschauliche Gruppe ist auf Missionstätigkeit angewiesen. Um den Bestand der Gruppe zu erhalten und zu erweitern, muss die Gruppe für ihre Glaubensinhalte missionieren. Moderne Gruppen (Da ist Ratu Bagus keine Ausnahme!) beschränken sich aber nicht nur auf die Glaubensinhalte sondern treiben "Werbung", um neue Mitglieder zu gewinnen und Verlagsprodukte zu verkaufen. Damit erweitern sie aber die weltanschauliche Dimension im Sinne des Wettbewerbsrechts auf einen anderen Verkehrskreis.

Der Begriff "Mission" kommt vom lateinischen missio [Auftrag, Sendung]. Im Kontext der Religionsgeschichte wird unter Mission die aktive Verbreitung von religiösen Glaubensinhalten und Mitgliederwerbung verstanden (Vgl. hierzu: http://de.wikipedia.org/wiki/Missionierende_Religion Stand: 29.11.2011).

Da neue weltanschauliche Gruppen aber unter "Mission" nicht nur die Mitgliederwerbung sehen, sondern auch den Verkauf von Verlags- und sonstigen Produkten, kann diese Tätigkeit nicht mehr nur als "Mission" bezeichnet werden, sondern muss allgemein als "Werbung" eingestuft werden. Damit unterliegen diese Gruppen aber den Kriterien des Wettbewerbsrechts und dessen Einschränkungen (Vgl. hierzu: http://www.ingo-heinemann.de/uwg81.htm [Stand: 30.11.2011]) und müssen auch unter diesem Aspekt beurteilt werden.

  1. Die Vermischung von "Mission" und "Werbung" führt zu einer Totalisierung des Anspruches der Gruppen auf alle sozialen Bereiche. So ist es aus fachlicher Sicht unwahrscheinlich, dass eine neue weltanschauliche Gruppe nicht auch Kinder als Zielgruppe ihrer Werbung ansieht (Vgl. hierzu: http://www.agpf.de/Kinder.htm [Stand: 30.11.2011] Hier ist auch weiterführende Literatur zu finden).
  2. Ratu Bagus wirbt nach dem Webbefund nicht nur Erwachsene, sondern offensichtlich auch Kinder. Aus der Selbstdarstellung der Gruppe ist nachzuweisen, dass sich Kinder im Ashram befinden. (Vgl. hierzu: http://www.ratubagus.com/Deutsch/Kontakte+und+Gruppen/Bali+-+Indonesia [Stand: 28.11.2011]). So wird auf dieser Seite von "Ashramkindern" gesprochen.
    Weiterhin ist auch aus den Publikationen der Gruppe zu entnehmen, dass Kinder im Ashram leben, d.h. dass Kinder durchaus auch Ziel der gruppentypischen Meditationsform sind. (Vgl.: http://www.ratubagus.com/Deutsch/B%C3%BCcher/Buch+-+Shaking+the+foundations [Stand: 28.11.2011])
    Dass Kinder in dieser weltanschaulichen Gruppe eine wichtige Rolle spielen, ersieht man auch aus der Bilderdatei der Gruppe (Vgl. hierzu: http://www.ratubagus.com/Deutsch/Foto+Galerien/Ratu+Brahmanen+Zeremonie+2006+Tag+1 [Stand: 29.11.2011]). In diesem Kontext ist zu beachten, dass hier augenscheinlich unmündige Kinder in einen weltanschaulich-religiösen Kult eingebunden und instrumentalisiert werden. Solange beide Eltern das mittragen, ist dagegen nichts einzuwenden, problematisch wird die Sache aber dann, wenn nur ein Elternteil diesem Kult anhägt, der andere das aber nicht wünscht. Sind sich in weltanschaulicher Hinsicht beide Eltern nicht einig, dann muss nach deutschem Recht eine Entscheidung über die weltanschauliche Orientierung des Kindes solange vertagt werden, bis das Kind religionsmündig ist (Vgl. hierzu das "Gesetz über die religiöse Kindererziehung" (KErzG) zitiert nach: http://www.gesetze-im-internet.de/kerzg/BJNR009390921.html [Stand: 30.11.2011]).
  3. Aus der Analyse der Selbstdarstellung von Ratu Bagus im WEB folgt, dass die Gruppe sich einer Meditationsform bedient, die geeignet ist, veränderte Bewusstseinszustände hervorzurufen (Vgl. hierzu: http://www.religio.de/lex/Daten/R/ratubagus.html [Stand: 29.11.2011] und die Selbstdarstellung der Gruppe in http://www.ratubagus.com/Deutsch/Bio+Energy+Meditation Stand: 29.11.2011). Die bei Ratu Bagus praktizierte "Schüttelmeditation" ist, wie schon im o.e. Artikel nachgewiesen, per se für Erwachsene nicht unproblematisch. Für Kinder ist eine dreimalige "Schüttelpraxis" am Tag aus psychologischer und ethischer Sicht nicht geeignet, da durch diese Meditationsform die gesunde Kindesentwicklung nachhaltig gestört werden kann.
  4. Da für die Gruppe alle Kriterien einer weltanschaulich-religösen Gemeinschaft zutreffen, muss davon ausgegangen werden, dass sie auch Werbung betreibt (Siehe: http://www.ratubagus.com/). Der gesamte Webauftritt der Gruppe ist nach seiner Intention auf Werbung und positive Selbstdarstellung orientiert. Dass Kinder hiervon ausgeschlossen werden ist aus religionswissenschaftlicher Sicht unwahrscheinlich.
  5. Ratu Bagus tritt als religiöser Führer (Guru) auf, wenn er sich als "Brahmane" bezeichnet. "Ratu's aussergewöhnlichen Fähigkeiten als Brahmane, Lehrer, Heiler, und als Oberhaupt seines Ashram sind mit vielen lokalen, nationalen und internationalen Auszeichnungen anerkannt und gewürdigt worden, eine Widerspiegelung seiner aussergewöhnlichen heilenden Kräfte, seiner vielen karitativen Dienste und seiner lebenslangen Selbstverpflichtung, der Menschheit zu dienen." (Online: http://www.ratubagus.com/Deutsch/Ratu+Bagus [Stand: 28.11.2011]). Der hier vorliegende Guruismus impliziert einen totalitären Anspruch auf alle Bereiche des Lebens, auch auf Kinder.

Bibliographie

Deutsche Bibliothek
Ratu Bagus (Derzeit keine Titel nachweisbar)
Selbstvertrieb von Ratu Bagus
Williams, Lucy: Shaking the foundations. Ein Portrait von Ratu Bagus

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