Gemeinschaft in Jesu Christo (Lorenzianer)

Winfried Müller
Stand: Januar 2001

  1. Geschichte
  2. Gemeindeorganisation
  3. Lehre

Geschichte

Die Gemeinschaft in Jesu Christo (Lorenzianer) wurde 1922 in Lengefeld (Erzgebirge) gegründet. Sie führt ihre Entstehung auf drei mediale Offenbarungsträger zurück, die unabhängig voneinander auftraten, aber "vom Geist des Jüngers Johannes" geführt wurden. Kurt Hutten (Seher, Grübler, Enthusiasten, Stuttgart 1966 S. 433 ff.) schreibt:

Den zwei ersten "Boten": Gottlieb Heinrich Reichelt (1837 - 1878, seit 1857 wirkend) und Oswald Ferdinand Schneider (1835 - 1908, durch Salomo 1856 berufen), folgte der "Prophet" Emil Hermann Lorenz (1864 - 1929), der 1884 seine Berufung erlebte, aber erst 1914 mit seiner Wirksamkeit in Marterbüschel begann. Die von den beiden ersten "Boten" gesammelten Gläubigen schlossen sich ihm an. Seine in den den "Pergamenten" niedergelegten Offenbarungen gelten als der Bibel gleichrangig.

Lorenz hatte zu Beginn etwa 1800 Anhänger. 1927/28 wurde in Marterbüschel das zentrale Heiligtum, die "Eliasburg" gebaut. Die Gruppe hat heute etwa 6000 Anhänger und ist hauptsächlich auf das Gebiet Sachsens konzentriert.

Gemeindeorganisation

Die Gemeinschaft umfaßt etwa 70 Gemeinden, die in 9 Bezirken organisiert sind. Die Gottesdienste werden von "Wächtern" in Versammlungsräumen durchgeführt, die als "Bethanien" bezeichnet werden. Die Gemeinschaft ist hauptsächlich in Sachsen angesiedelt. In den Gottesdiensten wird das landeskirchliche Gesangbuch benutzt.

Lehre

Die Gemeinschaft erkennt die kirchliche Taufe als Sakrament an, hat aber 1922 die Abendmahlsgemeinschaft mit der sächsischen Kirche aufgegeben. Damit wurde sie zur Sekte. Die Theologie ist stark dualistisch vom Kampf der Urmächte Gott und Satan geprägt. Satan wird als Gegengott verstanden, der der Heilsgeschichte eine Unheilsgeschichte entgegensetzt. Im Kampf beider sei das erste Menschenpaar Adam und Eva verwickelt worden. Da Eva das Gebot, nicht vom Baum der Erkenntnis zu essen, nicht direkt von Gott erhalten habe, sondern indirekt von Adam, hätte sie es nicht so ernst genommen und Satan hätte sie verführen können, doch zu essen. Mit der Austreibung aus dem Paradies hätte Gott den Menschen zu einem zwiespältigen Wesen gemacht, in dem das Fleisch von Satan beeinflußt würde und das Gewissen von Gott. Damit tobte nun der Kampf zwischen Satan und Gott im Menschen selbst.

Durch den Opfertod Jesu sei nun dieser Kampf für Gott entschieden worden. Die Zeit der Wiedergeburt des Menschen sei angebrochen, Lorenz der wahre Prophet Gottes. Der Geist des Elias, von dem Jesus sprach (Matth. 11, 14), soll nach Mal. 3, 23 in den letzten Tagen der Welt erscheinen. Der Glauben der Lorenzianer ist stark von den Endzeitvorstellungen der Offenbarung Johannes geprägt. Die Katastrophen und Kriege der Moderne werden als Beweis der Richtigkeit dieser Thesen angesehen. Die Lorenzianer leben eher zurückgezogen und haben in der Gegenwart eine deutliche Abgrenzung zwischen den Kirchen und ihrer Gemeinschaft gezogen. Ich erinnere mich, da_ in den sechziger Jahren ein Lorenzianer in Jena Theologie studiert hat, um sich auf das Amt des Wächters vorzubereiten. Er war ein hervorragender Student, lebte aber in der communio der Theologiestudenten ziemlich zurückgezogen.